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27. August 2009 01:10 Uhr

Südbaden

Wie sich Firmen gegen die Schweinegrippe wappnen

Sollten sich auch mittelständische Betriebe gegen eine mögliche Schweinegrippe-Pandemie wappnen? Experten sagen: Ja, sollten sie. Auch in Südbaden laufen die Vorbereitungen.

  1. Mundschutz – ob er bei Schweinegrippealarm hilft? Foto: dpa-tmn

  2. Foto: dpa-infografik

FREIBURG. Die Ferienzeit geht vorbei, die Urlauber kommen zurück. Sie bringen in diesem Herbst häufig etwas mit, das die deutsche Wirtschaft nicht gerade lahmlegen, aber doch bremsen könnte: die Schweinegrippe. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts haben sich in jüngster Zeit über zwei Drittel der neu Infizierten im Ausland angesteckt. Wirtschaftsverbände fordern Unternehmen dazu auf, Vorsorge zu treffen und sich darauf vorzubereiten, dass möglicherweise ein großer Teil der Belegschaft arbeitsunfähig wird.

Experten rechnen damit, dass bis zu 30 Prozent der Deutschen in diesem Herbst an der Schweinegrippe erkranken könnten. Einen Extremfall hat das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung vor drei Jahren bei der Vogelgrippe errechnet. Gäbe es bundesweit 50 000 bis 150 000 Todesfälle, lägen die Kosten für die Volkswirtschaft bei 25 bis 75 Milliarden Euro, das Bruttoinlandsprodukt würde um ein bis drei Prozent schrumpfen. Aber derzeit gibt es keine seriösen Befürchtungen, dass das Konjunkturpflänzchen, das wieder zu sprießen beginnt, derart massiv geschädigt wird.

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Jedoch weiß heute niemand, wie viele Menschen in Deutschland erkranken werden. Wenn es zu viele sind, hätte selbst ein sanfter Verlauf der Krankheit zur Folge, dass Betriebe auf einen großen Teil ihrer Belegschaften verzichten müssten. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat deshalb die Unternehmen dazu aufgefordert, sich besser auf die Massenausbreitung der Schweinegrippe vorzubereiten. DIHK-Präsident Hans-Heinrich Driftmann sagte, nicht nur große Unternehmen, auch mittelständische Betriebe seien gut beraten, sich Gedanken über Pandemie-Notfallpläne zu machen.

IHK will Firmen beraten

Dieser Hinweis ist nicht unbegründet. So hat man sich beispielsweise bei der IHK Südlicher Oberrhein darauf eingestellt, Unternehmen in Sachen Schweinegrippe zu beraten. Aber offenbar gebe es dafür derzeit keinen Bedarf, sagte IHK-Sprecherin Gundhild Heigl gestern. Dabei wäre es doch ratsam, sich schon vorher darüber Gedanken zu machen und nicht erst, wenn der Betrieb gefährdet sei. Die IHK bietet deshalb online Ratschläge und Informationen etwa zur rechtlichen Situation an.

Auch der WVIB (Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden) rät seinen Mitgliedern in einem Brief, der diese Woche verschickt wird: "Jetzt Vorbeugen gegen Schweinegrippe!" Arbeitgeber sollen ihre Mitarbeiter bei ungeklärten Erkältungssymptomen zum Hausarzt schicken, um klären zu lassen, ob eine Schweinegrippe vorliegt.

Bei großen Unternehmen macht man sich spätestens seit der Vogelgrippe darüber Gedanken: Was wäre wenn? Ruben Thiel, Konzernpressesprecher von Evonik in Essen, sagte, das Unternehmen halte einen mehrstufigen Pandemieplan vor. Alle Standorte seien dazu aufgerufen, sich anhand bestehender Pläne auf eine mögliche Grippepandemie vorzubereiten. Chemische Betriebe wie die Evonik in Rheinfelden, die bestimmte Produktionen 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche aufrechterhalten müssen, sind da besonders gefordert. In Rheinfelden gibt es deshalb eine Liste, in der aufgeführt ist, welche Art Spezialwissen in welchem Umfang auf jeden Fall vorhanden sein muss, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Das ist bis auf Funktionsträger heruntergebrochen, ohne dass – zumindest bislang – Namen von Mitarbeitern aufgeführt sind. "Auf der Liste", sagte Peer Plambeck gestern, "ist dann der eine oder andere Facharbeiter wichtiger als der Werksleiter".

Ratschläge im Intranet

Per Intranet werden konzernweit Ratschläge gegeben, wie man das Infektionsrisiko reduzieren kann. Außerdem beinhaltet die zentrale betriebliche Pandemievorsorge organisatorische Überlegungen wie das Verschieben von Veranstaltungen, dass Einrichten von Heimarbeitsplätzen, die Vorbereitung von Vertretungsregeln oder die Reduzierung des Betriebs auf Kernfunktionen.

Bei global agierenden Konzernen wie Evonik wägt man in Zeiten der Pandemie auch genau ab, welche Reisen sein müssen und auf welche besser verzichtet werden sollte, um das Ansteckungsrisiko zu vermindern. Bislang kommt Evonik damit aus, den Reisenden gute Ratschläge mit auf den Weg zu geben.

Thomas Möller von der BASF sagte, dass im Konzern jetzt häufiger auf Videokonferenzen zurückgegriffen werde. Es habe aber auch ganz konkrete Reisebeschränkungen gegeben, als die Schweinegrippe sich etwa in Mexiko City besonders aggressiv ausbreitete. Inzwischen gibt es keine derart drastischen Einschränkungen mehr.

Autor: Klaus Rütschlin