28. Januar 2010
Schmähpreis für Basler Roche
Kritiker des Weltwirtschaftsforums werfen dem Pharmakonzern menschenverachtende medizinische Versuche in China vor
DAVOS. Der Basler Pharmakonzern Hoffmann-La Roche hat den Schmähpreis von Davos erhalten. Die Organisation "Erklärung von Bern" und die Umweltschützer von Greenpeace kürten den Konzern zum "unverantwortlichsten Unternehmen der Welt".
Die Nichtregierungsorganisationen verleihen den Preis jedes Jahr parallel zum Weltwirtschaftsforum, zu dem 2500 Gäste, darunter 900 Vorstandsvorsitzende und Dutzende Regierungschefs, in den Schweizer Skiort gereist sind. Zur Verleihung des Public-Eye-Award im rustikalen Hotel Montana am Mittwochnachmittag erschien freilich keiner der Spitzenmanager. Haben die "Erklärung von Bern" (EvB) und Greenpeace doch die Absicht, den Ruf von Unternehmen zu schädigen, um eine Verhaltensänderung zu bewirken. Die Schauspielerin Julia Jentsch ("Sophie Scholl", "Tannöd") moderierte die Zeremonie.Hoffmann-La Roche werfen die Kritiker vor, medizinische Versuche in China durchzuführen. Dabei teste das Unternehmen sein Medikament Cellcept, das bei Organtransplantationen eingesetzt werde. Roche, so die Kritiker, könne dabei nicht ausschließen, dass auch Organe von Menschen verwendet würden, die die chinesische Justiz zum Tode verurteilt hatte. Die Konzernkritiker nehmen an, dass in China "mehr als 90 Prozent aller transplantierten Organe von hingerichteten Gefangenen stammen".
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Eine Roche-Sprecherin sagte, dem Unternehmen sei nicht bekannt, woher die Körperersatzteile kämen. Weiter erklärte Roche, China habe 2007 ein neues Transplantationsgesetz verabschiedet. "Demnach müssen Gefangene und/oder Familienmitglieder zustimmen, dass ihre Organe zur Transplantation verwendet werden dürfen. Zusätzlich muss ein Gericht die Entscheidung genehmigen".
Diese Einschränkung reicht den Konzernkritikern nicht. "Weil die Firma nicht ausschließen kann, dass die Organe von Gefangenen stammen, muss sie die Studie sofort beenden", sagte EvB-Sprecher Oliver Classen.
Einen weiteren Kritiker-Preis erhielt die Royal Bank of Canada, denen die Kritiker massive Umweltverschmutzung bei der Förderung von Ölsand in Kanada vorwerfen. Nach Informationen von EvB und Greenpeace finanziert die kanadische Bank die Ausbeutung von Ölsand auf einer Fläche, die größer sei als die Schweiz und Österreich zusammen. "Öl aus Teersand verursacht dreimal so hohe CO-Emissionen wie konventionell gewonnenes Öl", schreiben Greenpeace und EvB. Das giftige Abwasser werde im extra dafür gebauten größten Stausee der Welt gespeichert. Die Einwohner in der Umgebung erkrankten an "kaum bekannten Krebsarten", so die Kritiker.
Vier weitere Unternehmen und Institutionen standen auf der Kandidatenliste für den Public Eye Award. So werfen die Kritiker dem Stahlkonzern Arcelor Mittal vor, in Südafrika unter anderem illegal Chemiemüll zu entsorgen. Der Energiekonzern GDF Suez ist angeblich für Umweltverschmutzung und Zwangsumsiedlungen beim Bau eines Elektrizitätswerks in Brasilien verantwortlich. Und das Internationale Olympische Komitee (IOC) weigere sich, bei den im Februar beginnenden Winterspielen im kanadischen Vancouver, indianischen Einwohnern Entschädigungen für die Nutzung ihres Landes zu zahlen.
Autor: Hannes Koch




