Start-ups in Südbaden

Telocate: Präzise Navigation in großen Gebäuden

Konstantin Görlich

Von Konstantin Görlich

Fr, 10. November 2017 um 14:53 Uhr

Wirtschaft

Das Indoor-Navi von Telocate funktioniert in Gebäuden besser, als GPS auf der Straße. Die Technik aus Freiburg könnte schon bald im Alltag ankommen. Möglich wird sie mit Ultraschall.

Wenn der Funkempfänger auf dem Tablett rappelt, piept und leuchtet, erschrickt man zuerst und holt sich dann das bestellte Essen vom Tresen im Bierzelt. Mit der Technologie von Telocate könnte sich das schon bald ändern. Das im Oktober 2014 gegründete Freiburger Start-up hat eine Lösung für die Navigation innerhalb von Gebäuden entwickelt, die auf nur wenige Zentimeter genau funktioniert – mit Ultraschall.

Elektromagnetische Wellen – etwa in vorhandenen WLAN-Netzen, die zu Navigationszwecken zudem vorher vermessen werden müssten – sind zu schnell. Ihre Signallaufzeiten, über die die Position bestimmt wird, lassen sich nicht so genau messen, wie der langsamere Ultraschall, bei dem sogar sich verändernde Echos herausgerechnet werden können. Werden Regale umgeräumt oder bewegen sich Menschen durch die Gänge, stört das die Indoor-Navigation von Telocate nicht.

Zusammenspiel von Hardware und Software

Möglich wird das durch eine clevere Kombination von Hard- und Software. Die Gründer, Fabian Höflinger und Johannes Wendeberg, haben Elektrotechnik beziehungsweise Informatik studiert und in Freiburg promoviert. Heute sind acht Personen bei Telocate beschäftigt, das Unternehmen setzt pro Jahr einen mittleren sechsstelligen Eurobetrag um.

Als Verbraucher kommt man mit dem Namen allerdings kaum in Kontakt, denn Telocate entwickelt und vermarktet seine Technologie direkt an Unternehmen, die damit Anwendungen realisieren. Auch Smartphones können geortet werden: Sie senden das Ultraschallsignal unhörbar über den eingebauten Lautsprecher aus, die Sensoren unter der Decke – etwa eines Supermarktes – fangen es auf, Algorithmen auf einem Server berechnen die Positionen und senden sie über das Netz zurück an die App, mit der der Nutzer dann zum richtigen Supermarktregal navigieren kann. Oder zum gewünschten Messestand in der Freiburger Messehalle, in der Telocate-Technik schon im Einsatz ist. Oder zum richtigen Büro in einem riesigen Verwaltungsgebäude.

Der Markt entsteht gerade

Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig, der Markt für die Indoor-Navigation entsteht allerdings erst gerade. Noch ist nicht im Bewusstsein der Leute angekommen, dass das Gerät, mit dem sie zur Messehalle gefunden haben, ihnen auch anderswo den richtigen Weg weisen könnte. Aber in der Gastronomie kommt die Indoor-Lokalisierung gerade an. Telocate ist jetzt vier Jahre alt und hat mit Hilfe des Gründerbüros der Uni nicht nur die erste Finanzierungsrunde geschafft.

"Wir haben uns schon im ersten Jahr um die weitere Finanzierung gekümmert", sagt Fabian Höflinger. Große Investoren sind allerdings nicht dabei, Telocate will langsam wachsen. Auch bei der Infrastruktur hilft die Uni: Telocate entwickelt seine Technologie in Büroräumen im Erdgeschoss eines Studierendenwohnheims auf dem Campus der Technischen Fakultät. Gleich gegenüber, in einem alten Flugzeughangar, wird sie ausprobiert – zwischen Robotern und selbstfahrenden Autos.

Diese Nähe ist gewollt. Die Doktorväter der Gründer beraten das Unternehmen noch immer, Uni und Start-up profitieren wechselseitig vom Renommee und den Netzwerken des anderen. Perfekt ist aber dennoch nicht alles. Wenn Höflinger bei Preisverleihungen mit Politikern ins Gespräch kommt, nennt er die Infrastruktur als größtes Hindernis für Gründer – also zu hohe Gewerbemieten in der Stadt.