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13. Juni 2012 00:01 Uhr

Recycling

Urban Mining: Goldmine Mobiltelefon

Gebrauchte Handys enthalten teure Metalle, die jedoch kaum recycelt werden. Experten fordern angesichts wachsender Rohstoffknappheit, dies zu ändern. Das Zauberwort heißt Urban Mining – Rohstoffgewinnung in der Stadt.

  1. Abgelegte Handys sind wahre Schätze – weil sie Edelmetalle enthalten, die bisher kaum wiederverwertet werden. Foto: Josef Dresemann

Das Bergwerk der Zukunft steckt in der Hosentasche, steht auf dem Schreibtisch oder parkt vor dem Haus: Handys, Laptops und Autos enthalten viele edle und seltene Metalle, die aufbereitet und wiederverwertet werden können. Aus 40 alten Mobiltelefonen kann so viel Gold gewonnen werden wie aus einer Tonne Erz. Auch alte Wohnhäuser und verfallene Fabriken gelten als urbane Minen.

Ihre Ausbeutung wird für die Industrie bedeutsamer, weil neue Rohstoffe knapper und teurer werden. Deutschland ist zudem bei Metallen fast komplett auf Einfuhren angewiesen. Weitere Vorteile des Urban Mining (Rohstoffgewinnung in der Stadt): Es richtet weniger Umweltschäden an und trägt zum Klimaschutz bei. Bei der Rückgewinnung von Edelmetallen wird deutlich weniger Energie und Wasser verbraucht als im Bergbau, sagt Christian Hagelüken von der Materialtechnologie- und Recyclingfirma Umicore. Damit verringert sich auch der Kohlendioxidausstoß. Zum Vergleich: Für fünf Gramm Gold aus einer Mine in der Erde muss durchschnittlich eine Tonne Erz bewegt werden. Die Ausbeute aus einer Tonne Computerleiterplatten hingegen beträgt mehr als 200 Gramm.

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Dennoch wird in alten Gebäuden und auf Schrottplätzen noch wenig geschürft, schreiben die Vereinten Nationen (UN). Aus Schmuck und Industrieanlagen werden bis zu 90 Prozent des Goldes recycelt, aus Elektrogeräten wie Handys hingegen lediglich zehn bis 15 Prozent. Die meisten alten Handys schlummern in den Schubladen, während ihre Besitzer schon längst mit dem neuesten Modell telefonieren.

Von den 800 Millionen Geräten, die 2009 weltweit verkauft wurden, wurden weniger als zehn Prozent der wertvollen Inhaltsstoffe recycelt, schätzen Experten. "Mobiltelefone sind ein besonders negatives Beispiel", sagt Matthias Buchert vom Darmstädter Öko-Institut und Mitautor des UN-Berichtes.

Die Erfassungsquote könne mit klaren Vorgaben und Anreizen wie einem Pfandsystem deutlich erhöht werden. Auch Hagelüken ärgert sich über zu geringe Sammelquoten und kann sich ein Pfand auf Mobiltelefone gut vorstellen. Noch mehr ärgert ihn aber, dass große Mengen alter Elektrogeräte aus Europa – allein aus Deutschland jährlich 155000 Tonnen – nach Asien und Afrika verschifft werden. 60 Prozent davon würden nicht korrekt recycelt. Damit gingen Metalle im Wert von mindestens 3,7 Milliarden Euro verloren, sagt Hagelüken. Die Verarbeitung mit giftigen Stoffen wie Quecksilber und Zyanid in Hinterhöfen oder auf Müllhalden belaste die Umwelt und schade der Gesundheit der Arbeiterinnen und Arbeiter.

Um Metalle effizient und umweltfreundlich zu nutzen, muss nach Ansicht von Fachleuten eine globale Recyclingwirtschaft aufgebaut werden, die noch in weiter Ferne ist.

Autor: Gesine Kauffmann (epd)