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25. Juli 2012

US-Waffenlobby

NETZWELT: Tödlicher Ernst

Dass der American Rifleman, das Verlautbarungsorgan der mächtigen US-Waffenlobbyorganisation National Rifle Association (NRA), neun Stunden nach dem Amoklauf in Aurora, Colorado ein fröhliches "Guten Morgen, Schützen. Schönen Freitag! Pläne fürs Wochenende?" twitterte, war ein geschmackloses Versehen. Offizielle Äußerungen der Lobbyisten zu solchen Vorfällen drücken immer erst Mitgefühl für Opfer und Angehörige aus, bevor sie ihre waffenfreundliche Haltung vor Konsequenzen verteidigen, die den Waffenbesitz womöglich einschränken könnten.

Beispielhaft dafür ist die Stellungnahme der regionalen Waffenorganisation in Colorado, der Rocky Mountain Gun Owners: Geschäftsführer Dudley Brown weiß erst alle seine Clubmitglieder "im Gebet für die Opfer und ihre Familien vereint" und verwahrt sich dann ausführlich gegen Kampagnen, die "nicht nur mit Erfolg diese Kinogänger entwaffnen, sondern auch Millionen waffenfreie Sicherheitszonen für Kriminelle in diesem Land geschaffen haben".

Was ist das für eine seltsame Grundhaltung, die selbst Friedensnobelpreisträger Obama davon abhält, auch nur das vor der Wahl versprochene Verbot von Sturmgewehren für Privatpersonen durchzusetzen? Antworten gibt zum Beispiel das NRA-Blog "The Armed Citizen", eine Art Chronik von Vorfällen, die Bürger nur dank eigener Waffen überlebt haben: Der eine rettet seinen 11-jährigen Sohn, indem er einen Pitbull erschießt. Der andere greift, als nachts jemand gegen seine Tür wummert, blitzschnell zum Gewehr: "Als er hereinkam, erschoss ich ihn." Andere Einbrecher sperrten eine Frau in ihren Schrank. Dort bewahrte sie jedoch ihre Waffe auf und eröffnete das Feuer.

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Der endlose Fluss solcher Schilderungen nährt das Bedrohungsgefühl, das dann im Kauf einer Pumpgun mündet – eine Entscheidung, die John Zent’s Gun Culture, ein weiteres NRA-Blog, als vorbildlich lobt: "Da man nicht präzise zielen muss, kann sie selbst der blutigste Anfänger effektiv handhaben." Sucht man auf der NRA-Website nach dem Stichwort Aurora, findet man nur einen Helden des Tages. Der erschoss einen anderen Waffenträger, weil der zuvor einen Pfarrer erschoss. Wenn sich Waffennarren im Netz nach Aurora also gegenseitig versichern, nie mehr unbewaffnet ins Kino zu gehen, ist das leider kein schwarzer Humor, sondern tödlicher Ernst.


Autor: Jürgen Reuß


1 Kommentar

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Alexander Schultz

Registriert seit: 20.07.2012

Kommentare: 16

25. Juli 2012 - 00:30 Uhr

Dass man mit einer "Pumpgun" nicht präzise zielen muss ist ausgemachter Blödsinn... Für den Schreiberling hier: Eine "Pumpgun" ist eine Vorderschaftsrepetierflinte. Und nennen Sie bitte nicht jeden Amerikaner der sich eine Waffe kauft = einen Waffennarren. Niemand nennt Sie einen Journalistennarren etc. Nur weil Sie diese amerikanische Grundhaltung nicht verstehen sollten Sie nicht in einer derartigen Weise darüber urteilen. Die deutschen Medien spielen sich mal wieder als Moralapostel auf, die am liebsten allen Andersdenkenden ihr "Gutmenschentum" aufzwingen möchten. Es ist einfach nur peinlich was man in letzter Zeit von deutscher Seite über diesen Vorfall liest. Die Journalisten hängen sich gerade zu an den für sie "zu laxen" Waffengesetzen auf. Es wird völlig ignoriert, dass die Waffengesetze der USA nie anders waren und es früher trotzdem keine Amokläufe gab. Amokläufe sind ein Problem gesellschaftlicher Entwicklung. Einen großen Teil tragen die Medien selber dazu bei, indem sie auch immer ausführlich über solche Ereignisse berichten und den Werther-Effekt begünstigen. Vielen Dank auch dafür...

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