Kunst in Kürze

Neue Ausstellungen in den Freiburger Galerien Claeys, Kralewski und im depot.K

Dieter Fronz

Von Dieter Fronz

Fr, 15. Juni 2018

Ausstellungen

Ein Hauch von Schwerelosigkeit: Textilkunst von Gisela Reich und Ulrike Gerst wird in der Galerie Claevs gezeigt. Die Galerie Kralewski präsentiert Zeichnungen von Jürgen Trautwein und im depot.K ist konkrete Kunst von Michael Wiesinger zu sehen.

Gisela Reich, Ulrike Gerst
Textilkunst mal anders. Eben nicht wie gewohnt als konzeptuelle Malerei mit stofflichen Mitteln wie bei Rosemarie Trockel oder als figürliche Plastik à la Cosima von Bonin. Gisela Reichs Stoffcollagen in der Freiburger Galerie Claeys sind abstrakt, auch wenn in den Strukturen bisweilen Organisches, Vegetatives anklingt. Die Reliefs und Objekte der Stuttgarterin sind, was sie sind, ganz ohne Hintergedanken.

So unterschiedlich die Collagen erscheinen mögen, die Machart verbindet sie. Eine Vielzahl gleichartiger, sei’s zylindrischer, sei’s rechteckiger textiler Elemente wird durch Kunststoffmasse fixiert und zusammengehalten. Die Strukturen, zu denen sie sich summieren, bezeichnen Titel wie "Strömung" oder "Domino" . Auffällig ist die Zurückhaltung im Farblichen; die Nichtfarbe Weiß überwiegt. Das gibt den Reliefs und zumal auch einem Hängeobjekt die Anmutung von Schwerelosigkeit, von immateriellem Verschweben. "Nur ein Hauch sei dein Gedicht", wie es bei Goethe heißt.

Dezenz im Farblichen zeigen auch Ulrike Gersts Ölbilder. Die Freiburger Malerin und Zeichnerin arbeitet in Serien. Zu den klaustrophobisch beengten, in Farbflächen aufgelösten Innenansichten der älteren Serie "Wohnmobile" kontrastiert im Blick aus dem Fenster eine Malerei der Serie "Marzahn". Aus den beiden Springbrunnenbildern der Serie "Tennenbacher Platz" ist Farbe weitgehend gewichen; Entmaterialisierung und gewissermaßen Entzeitlichung auch hier. Das informell sprudelnde Geschehen ist malerisch still gestellt im Augenblick – so wie bei Reich die Vielzahl der Elemente im meditativen Gesamteindruck auf-, besser: untergeht.
Jürgen Trautwein
Leidenschaftlich aufs Zeitgeschehen bezogen ist Jürgen Trautwein. Der in Bruchsal und San Francisco lebende ehemalige Meisterschüler von Bernd Koberling ist Maler, Zeichner, Medienkünstler und einiges mehr. In der Galerie Kralewski ist er als spöttischer Zeichner unterwegs, der mit Sottisen des Zeitgeists aufspießt, die Dummheit in Politik und Gesellschaft. Seine Zeichnungen im Cartoonstil füllen eine ganze Wand, umrandet von schwarzen Mäandern als Chiffre der "Perpetual Recurrence of the Same", so der Titel: von Nietzsches ewiger Wiederkehr des Gleichen. Die Leerstelle in der großformatigen Zeichnung "Meta_Dude" – ein Monitor, hinter dem sich ein karikaturistisch reduzierter Nerd verschanzt hat – repräsentiert den Bildschirm des Laptops in der Computerinstallation davor. Über den Screen laufen animierte Zeichnungen, Inhalte von Trautweins Homepage. "Gif_me_a_break" – übersetzt meint der Titel, der zugleich die Ausstellung bezeichnet, so viel wie: "Halt mal die Luft an!" "Ach, lass mich doch in Ruhe!".

Die missmutige Ansage gilt den Kalamitäten einer Zeit, der Trautwein ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis ausstellt. Der kontemporäre Mensch: eine Spezies mit Brett vorm Kopf und Strichcode an der Glatze, die Welt: ein einziger Kriegsschauplatz. Dazu das Auge Gottes als NSA-Algorithmus und Donald Trump beim Stuhlgang: zum Runterspülen.
Michael Wiesinger
Michael Wiesinger war ein Vertreter der konkreten Kunst; keiner allerdings von der orthodoxen Richtung. Die gegenständliche Welt wollte der Freiburger aus seiner Kunst keineswegs verbannen. Das wird in der Ausstellung im depot.K in Freiburg deutlich. Zwar beginnt die Schau mit einem Wandobjekt, einer komplexen Komposition aus grauen und schwarzen Vierkant-Holzelementen, die mühelos als konkrete Kunst im strengen Sinn durchginge. Doch bereits die drei folgenden Arbeiten erinnern an perspektivisch wiedergegebene, wiewohl stark abstrahierte Raumkonstruktionen; schon der Titel – drei Mal: "Baustelle" – zitiert die reale Welt. Auch zwei Materialcollagen aus Papier und Karton, so abstrakt sie sich gerieren, wecken mit ineinander verschachtelten geometrischen Elementen die Assoziation architektonischer Räume.

Vier Papierschnittarbeiten weichen von den Regeln konkreter Kunst beträchtlich ab: Mit stilisierten Formen wecken sie die Assoziation fliegender Münder. Vollends aus der Sphäre des Ungegenständlichen entführt ein "Stuhl mit Wandsicht" in die Realwelt. In zwei Papierschnittarbeiten mit Weinkelch und gelüftetem Hut fühlt man sich gar an Restaurantszenen erinnert. Chapeau!

Galerie Claeys, Kirchstraße 37, Freiburg. Bis 14. September, Do und Fr 15-18 Uhr, Sa 11-13 Uhr;
Galerie Kralewski, Basler Straße 13, Freiburg. Bis 15. Juli, Di-Do 14-18 Uhr.
depot.K, Lehener Straße 30, Freiburg. Bis 1. Juli. Di und Do 17-19 Uhr, Sa und So 14-17 Uhr.