Verkehrskonzept

Neue Mobilität: Bad Säckingen teilt sich ein Lastenfahrrad

Jörn Kerckhoff

Von Jörn Kerckhoff

Fr, 22. Dezember 2017 um 10:43 Uhr

Bad Säckingen

Bad Säckingen bereitet sich auf den Verkehr der Zukunft vor: Seit zwei Monaten hat die Stadt ein Lastenfahrrad. Jeder, der mag, kann es nutzen.

Es sorgt für Aufsehen, das neue Lastenfahrrad, das seit Oktober in der Stadt unterwegs und im Kinderhaus der AWO untergestellt ist. Mit dem Fahrrad beteiligt sich die Stadt Bad Säckingen an einem bundesweiten Projekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Lastenfahrräder sollen ein weiterer Baustein des Mobilitätskonzepts sein, mit dem sich Bad Säckingen auf den Verkehr der Zukunft vorbereiten möchte. Das Rad steht jedem zur Verfügung, der es gerne nutzen möchte. Allerdings gibt es vor Fahrtantritt eine Einweisung.

Das Lastenfahrrad ist auf den ersten Blick nämlich ein ganz schönes Monstrum. Knapp 2,70 Meter lang und natürlich deutlich schwerer als ein normales Fahrrad. Dafür besitzt es im vorderen Teil eine große Box zum Zuladen und einen Elektromotor, damit man auch bei voller Beladung problemlos vorwärtskommt. Das Gefährt flößt einem schon ordentlich Respekt ein. "Das ging mir auch so", gibt Corina Gerspach, Leiterin des AWO-Kinderhauses in der Rhein-Au, zu. Bei der ersten Probefahrt habe sich aber schnell gezeigt, dass das Lastenfahrrad eigentlich ganz leicht zu fahren und der Elektromotor einfach zu bedienen sei, so Gerspach. Der Wendekreis sei natürlich deutlich größer als bei einem normalen Fahrrad, aber insgesamt gewöhne man sich sehr schnell an den Umgang.

Nutzerkreis ist bereits groß
Vor allem der Hausmeister des Kinderhauses, Giuseppe Pennella, nutzt das Lastenfahrrad für seine Dienstfahrten, bei denen er auch meist irgendwelche Sachen transportieren muss. Das gehe mit der großen Ladebox vor dem Lenker problemlos. "Da passen locker drei Getränkekisten rein", weiß Ralf Däubler, Umweltbeauftragter der Stadt Bad Säckingen, aus eigener Erfahrung. Auch er war schon mit dem Lastenfahrrad unterwegs.

Peter Knorre, Leiter des Jugendhauses brachte sogar vier Getränkekisten unter, gab allerdings zu, dass es dann schon auch anstrengend wurde, mit dem Rad zu fahren – trotz Unterstützung des Elektromotors. So eine Zuladung sei aber wohl eher die Ausnahme. Genutzt wurde das Rad auch von Jürgen Albiez, dem Vorsitzenden des Stadtmarketingvereins "Pro Bad Säckingen", und von anderen Personen. Der Kreis der Nutzer ist also schon recht groß und soll noch wachsen. "Jeder kann sich das Fahrrad ausleihen", erklärt Corina Gerspach. Auch Privatpersonen seien aufgefordert, sich von dem Nutzen des Rades zu überzeugen.

Vor Antritt der Fahrt gebe es eine kurze Einweisung. Dies sei vom Zentrum für Luft- und Raumfahrt so vorgeschrieben. Außerdem müsse jede Fahrt dokumentiert werden, um Daten für das Forschungsprojekt zu sammeln. Schließlich sollen Erkenntnisse gewonnen werden, wie das Lastenfahrrad genutzt werde und welche Einsatzmöglichkeiten es gebe, so Ralf Däubler. Interessenten gebe es bereits eine ganze Menge. So zum Beispiel auch die "Schmidts Märkte", die eventuell ihren Heimlieferservice mit dem Rad bestreiten könnten. Gegenüber dem Auto biete das Lastenfahrrad erhebliche Vorteile, vor allem die Umweltfreundlichkeit. Die steht beim Mobilitätskonzept der Stadt Bad Säckingen an erster Stelle. Deswegen habe man sich auch für das Projekt beworben.

Idee kam vom BUND
Die Idee eines Lastenfahrrads kam von Bernhard Biendl vom Ortsverein des BUND. Aufgegriffen wurde sie von der Stadt, die den Radverkehr als eines der wesentlichen Elemente in das Mobilitätskonzept einbauen und daher auch die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten erforschen will. Ein weiterer Vorteil des Rades: Man sei deutlich flexibler in der Fußgängerzone, die für Autos verboten ist, und beim Parken, sagt Däubler. "Parkgebühren kostet es auch nicht", ergänzt Gerspach. Da die Stadt selbst nicht die Möglichkeit hatte, das Lastenfahrrad unterzustellen – auch dafür gab es Vorgaben vom Forschungszentrum – wurde die AWO mit ins Boot geholt, die sich für die Zukunft selbst das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben hat. Im Kinderhaus bot sich genug Platz, um das Rad dort unterzustellen.

Die Testphase läuft noch bis Februar, Ralf Däubler will diese ausdehnen, um mehr Erkenntnisse über die Nutzung im Frühjahr zu gewinnen. Auch jetzt werde das Rad schon erstaunlich häufig genutzt, obwohl die Jahreszeit sicher nicht optimal sei, so Gerspach. Im Frühjahr würde die Nachfrage aber eventuell noch anziehen, sollte es das Rad noch geben.

Die Kosten für das Bad Säckinger Lastenrad liegen bei 5000 Euro, so Däubler. Zwar gebe es auch ein Förderprogramm mit Zuschüssen des Landes, dennoch ist ein Lastenfahrrad sicher keine ganz billige Anschaffung. Und die lohnt sich eben nur, wenn es auch genügend Nutzer gibt.

Lastenfahrrad: Interessierte melden sich im Rathaus bei Ralf Däubler Tel. 07761/51334.