Franz Ferdinand

NEUE TONTRÄGER: Es bleibt . . . ein Achselzucken

Carmelo Policicchio

Von Carmelo Policicchio

So, 11. Februar 2018

Rock & Pop

Eineinhalb Minuten dauert das (sehr schöne) Piano-Intro, man hört die altbekannte (auch sehr schöne) Stimme von Alex Kapranos, ein Moog pfeift im Hintergrund, die Worte fliegen irgendwie schwerelos durch den Raum, man weiß, was gleich passiert. Das Stakkato-Schlagzeug legt los, der Bass pumpt, das (erwartete) Gitarrenriff kracht um die Ecke und los geht die Sause. Der typische Franz-Ferdinand-Sound würde jetzt normalerweise jeden Tanzboden zum Schwingen bringen. Macht er vielleicht auch mit diesem Song, der aktuellen Single "Allways Ascending", die auch das Eröffnungsstück auf der gleichnamigen Scheibe ist. Und doch bleibt ein Achselzucken. Die Musik geht zwar in die Beine, erreicht den Kopf aber nicht da, wo sie sollte.

Der Aha-Effekt bleibt aus, denn vieles, was die Schotten auf dem Album anbieten, kennt man halt schon von den ersten vier Platten der Band. Dabei kündigte Sänger Alex Kapranos doch noch im Herbst letzten Jahres an, dass FF die Musik des Jahres 2018 präsentieren würden. Doch immer noch klingt der Post-Punk-Dancefloor der Band zackig und eben auch routiniert, immer noch bleibt das Erwartbare nicht aus, sondern tritt ein. Dabei beweisen Stücke wie "The Acadamy Award" oder "Slow don’t kill me" durchaus, dass die Jungs ihren Jarvis Cocker oder ihren Morrissey gelernt haben, auch wenn sie nicht ganz an die Klasse von Blur und den Smiths heranreichen. Doch zu oft bleiben Franz Ferdinand Franz Ferdinand. Es mag sein, dass die Musik elektronischer geworden ist, moderner eher nicht. Mag auch sein, dass die Musik Tanzflächen füllt. Aber wer will immer zum selben Lied tanzen?
Carmelo Policicchio
Franz Ferdinand, Always Ascending, Domino/GoodToGo