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12. Juli 2013

Lernschwächen im Blick

Die Zähringer Werkrealschule holt sich Hilfe beim Blicklabor Freiburg / Lust am lernen wecken.

  1. Übungen am digitalen Lerngerät sollen die Wahrnehmung der Schüler schärfen. Foto: Julia Jacob

  2. Der Kiwanisclub Neuenburg, der Lions Club Müllheim-Neuenburg und die Volksbank Neuenburg unterstützen das Projekt mit ihren Spenden. Foto: Julia Jacob

NEUENBURG AM RHEIN. Die Zähringer Werkrealschule will Schülern, die unter Rechen- oder Rechtschreibschwäche leiden, künftig mit einem neuen Angebot begegnen. Projektpartner ist das Freiburger Blicklabor, das eine Methode entwickelt hat, die die Wahrnehmung schärft.

Die Lerninsel ist ein Ort der Ruhe. Einzeltische stehen in dem hellen Raum für konzentriertes Arbeiten parat. Jeder Schüler hat sein eigenes Fach. An der Wand hängen Plakate mit mathematischen Formeln und eine Vereinbarung, die Schüler und Lehrer geschlossen haben. Oberstes Gebot: Wir sind leise. Dass ein ruhiges Lernumfeld wichtig ist, steht auch für Oliver Roloff außer Frage. Doch geht der Mitarbeiter des Freiburger Blicklabors davon aus, dass es vor allem die Wahrnehmung ist, die viele Kinder beim Lernerfolg behindert.

Wer beim Lesen Zeilen überspringt, weil der Blick abgelenkt ist, ist schnell frustriert, erklärt er die Zusammenhänge. "Das ist wie bei zwei Folien, liegen sie nicht exakt übereinander, gibt es Buchstabensalat." Was es bedeutet, wenn die Buchstaben tanzen, weiß Sylvia Huck aus der Schulpraxis.

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Die engagierte Klassenlehrerin hat das Blicklabor an die Werkrealschule geholt. Viele Kinder ihrer fünften Klasse haben Schwierigkeiten, mit dem Lernpensum Schritt zu halten. Bei rund drei Viertel der Kinder wurde bereits eine sogenannte Teilleistungsstörung diagnostiziert – darunter fallen etwa die Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) oder das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, kurz ADS. Bei anderen stellt sich der gewünschte Lernerfolg nicht ein, weil der Rückhalt im Elternhaus fehlt. "Schon in der Grundschule werden diese Kinder aufgrund ihrer scheinbaren Defizite stigmatisiert", stellt Huck fest. Damit abfinden will sie sich nicht. "Es ist wichtig, dass sich die Schüler ernst genommen fühlen." Und, dass man ihnen hilft. Viel verspricht sich die 38-Jährige deshalb vom Übungsprogramm des Blicklabors, das aus der Arbeitsgruppe Optomotorik der Universität Freiburg hervorgegangen ist und sich auf die Erkenntnisse der Gehirnforschung stützt.

Wissenschaftlich geht es auch in der Lerninsel zu. Oliver Roloff misst die Augenbewegungen der Kinder, während diese ein futuristisch anmutendes Messgestell auf dem Kopf tragen und rote Leuchtpunkte mit dem Blick verfolgen. Unregelmäßigkeiten wertet er am Computer aus. Die Daten sollen später Grundlage der Diagnose sein und dabei helfen, für die 16 Kinder ein sinnvolles Übungsprogramm zusammenzustellen.

Weil das Wahrnehmungstraining nicht von den Krankenkassen übernommen wird, haben der Lions Club Müllheim-Neuenburg, der Kiwanisclub Neuenburg und die Volksbank Neuenburg Spenden gesammelt. Zusammengekommen sind 5000 Euro, mit denen das außergewöhnliche Lernprojekt nun unterstützt wird.

Autor: Julia Jacob