Leserbriefe

Frank Mayer, Schönau

Von Frank Mayer & Schönau

Sa, 16. Mai 2015

Neuenburg

NEUENBURGER MORDPROZESS

Undurchsichtige Rolle der Polizei. Leserbrief zu "40 000 Kurzmitteilungen ausgewertet" von Peter Sliwka vom 27.4. und "Verteidigung erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei" vom 28.4.

Mit großer Bestürzung verfolgte ich den Selbstjustizfall in Neuenburg im Juni vergangenen Jahres. Zwei ungeklärte Fragen stehen seit damals im Raum: Erstens, warum hat die Polizei nicht intensiv nach dem zur Fahndung ausgeschriebenen Mann gesucht, während die Familie ihn so einfach finden konnte? Und zweitens, wieso wusste die Polizei nichts von einem geplanten Racheakt, wie Staatsanwaltschaft, ermittelnde Sonderkommission der Polizei samt Polizeisprecherin wiederholt in der Presse erklärten? Zu einem Zeitpunkt, als dies in Müllheim schon längst Stadtgespräch war.

Erstaunt las ich nun in der Badischen Zeitung vom 27. April 2015, dass ein Ermittler der Polizei vor Gericht bekannt gab, es hätte gegenüber dem Täter und seiner Familie eine sogenannte Gefährderansprache gegeben, nachdem die Polizei über einen eventuellen Racheakt informiert worden war. Jetzt stellt sich die Frage, wieso haben Oberstaatsanwalt Inhofer, Oberstaatsanwalt Mächtel, leitender Kriminaloberrat Granzow sowie die Polizeisprecherin wiederholt öffentlich erklärt, es hätte keine Hinweise auf einen Racheakt gegeben? Worauf begründet sich denn dann die angeblich stattgefundene Gefährderansprache? Es bleibt zu hoffen, dass sich die offenen Fragen im Laufe des Prozesses klären und vor allem auch die überaus undurchsichtige Rolle der Polizei. Frank Mayer, Schönau