Mit der Kraft der Fische und der Sonne

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Sa, 31. Januar 2015

Neuenburg

Die Zukunft der Lebensmittelproduktion? Neues Aquaponik-Gewächshaus in Neuenburg.

NEUENBURG AM RHEIN (hub). Kommen aus Neuenburg demnächst wichtige Impulse für die Lebensmittelversorgung der Zukunft? In einem neuen Gewächshaus am Rande der Zähringerstadt jedenfalls geschehen seit wenigen Wochen spannende Dinge. Dort werden mit Hilfe einer Fülle innovativer Technologien Salatpflanzen, Kräuter und Tomaten gezogen – Fischexkremente und Solarenergie spielen dabei eine wichtige Rolle. Das zentrale Stichwort lautet: Aquaponik – ein Kunstbegriff, zusammengesetzt aus Aquakultur (Fischzucht) und Hydroponik (Pflanzenzucht auf anorganischen Substraten).

Franz Schreier ist Physiker, doch er hat auch ein Faible für Fische. Vor allem Störe haben es ihm angetan. "Die waren schon vor den Dinosauriern da, und ich bin mir sicher, sie werden auch mich überleben", witzelt Schreier und schwärmt von der Robustheit der urzeitlichen Fische. Schreier hat einen gesunden Humor, noch mehr allerdings einen ausgeprägten Tüftlergeist. Der Geschäftsführer der kleinen EBF GmbH – derzeit gerade mal drei Mann stark – hat namhafte Firmen in ganz Deutschland in Sachen Energieeffizienz beraten. Und dabei vermutlich auch ganz gut Geld verdient, das bei ihm, so schmunzelt er, aber nie lange auf dem Konto bleibt. Schreier steckt es quasi postwendend in seine Projekte.

Was ihn antreibt, erklärt er bei einem Pressetermin diese Woche, zu dem eine erstaunlich große Anzahl an Medienvertretern den Weg unter einer kleinen Autobahnbrücke hindurch in die Mülhauser Straße gefunden hat. "Unsere heutige Lebensmittelproduktion ist viel zu stark abhängig von Erdöl." Für Produktion, Verpackung und Transport "verbrauchen wir unglaubliche Mengen an grauer Energie", erklärt Schreier. Wollen wir auf Dauer unseren Lebensstandard halten, dann müssen wir ressourcenschonende Alternativen entwickeln, mit denen Nahrungsmittel erzeugt werden, ist er überzeugt.

Fische düngen, Pflanzen filtern

Ein Ansatz ist zum Beispiel die Aquaponik, die noch in ihren Kinderschuhen steckt, aber weltweit – vor allem in Nordamerika – eine stetig wachsende Fangemeinde bekommt, zu deren Protagonisten Franz Schreier mit seiner EBF GmbH gehört. Das Grundprinzip ist zunächst einmal relativ simpel: Die in der Fischzucht anfallenden Ausscheidungen werden in Dünger umgewandelt, der den Pflanzen zugeführt wird. Diese wirken als natürlicher Filter, nehmen die Nährstoffe auf und säubern das Wasser, das dann wieder in das Fischbecken zurückläuft.

In der Praxis allerdings ist eine unglaubliche Fülle an Details zu beachten – und Franz Schreier macht keinen Hehl daraus, dass bei aller Expertise, die er sich bereits zugelegt hat, er weiterhin ein Lernender ist. Zusammen mit seinem kleinen Team wird akribisch alles protokolliert, das Gewächshaus ist mit Sensoren vollgestopft und immer wieder werden neue Ideen ausprobiert, die das Verfahren weiter verfeinern sollen.

Eine wichtige Bedeutung kommt dabei der Energieeffizienz des Gewächshauses zu. Ziel ist es, dass es einmal ganz ohne Zufuhr von externer Energie betrieben werden kann. Ganz gelingt das noch nicht, doch mit dem ausgeklügelten Einsatz von Solarenergie – die über spezielle verstellbare Lamellen, die gleichzeitig zur Abschattung dienen, eingefangen wird – und einer sorgfältigen Wärmedämmung ist man bereits nahe dran. Ein besonderes Schmankerl in dem Gewächshaus sind Plasmalampen: Die sind laut Schreier noch effizienter als LED-Leuchten und bieten ein volles Lichtspektrum, das dem Sonnenlicht gleichkommt – ein wahrer Wachstumsturbo für die Pflanzen.

Nach Neuenburg gekommen ist die EDF GmbH übrigens über die Vermittlung von Bürgermeister Joachim Schuster. Selbst ein Freund ausgefallener Ideen hat der Rathauschef gleich erkannt, dass das Aquaponik-Gewächshaus bestens in die Landesgartenschau-Pläne der Zähringerstadt passt. Eine wichtige Rolle für das Zustandekommen dieses Projekts spielt auch der Innovationsfonds der Badenova. Mit knapp 170 000 Euro daraus ist das insgesamt rund 550 000 Euro teure Gewächshaus gefördert worden. Das ist derzeit noch mehr der Wissensvermehrung denn der Gemüse- und Fischproduktion im größeren Stil gewidmet. Dennoch fällt auch so bald das eine oder andere genussreife Endprodukt ab. Das soll dann im benachbarten Gasthaus mit dem passenden Namen "Zum kleinen Hecht" verarbeitet werden, so lautet der Plan. Stör wird es dort aber wohl nicht geben, meint Schreier. Die Fische werden irgendwann zu groß und müssen umgesetzt werden. Als schmackhafte Nachfolger sind Zander im Gespräch.