"Outen als ‚AFOL’, Adult Fan of Lego"

Susanne Ehmann

Von Susanne Ehmann

Sa, 03. Dezember 2016

Neuenburg

BZ-INTERVIEW mit Lego- und Playmobil-Experte Matthias Grebe über Lego, das durch ein Preisschild an Wert verliert / Börse am Samstag.

NEUENBURG AM RHEIN. Auf der Lego- und Playmobil-Börse in Neuenburg am kommenden Wochenende treffen erneut Kinder und erwachsene Sammler, Aussteller und Verkäufer aufeinander. Wer Teil dieser Szene ist und woran sich der Wert des Spielzeugs festmachen lässt, hat Susanne Ehmann den Veranstalter und Lego-Experten Matthias Grebe gefragt.

BZ: Herr Grebe, Sie bewerten als Experte den Wert von Lego- und Playmobilteilen. Woran machen sie den fest?
Grebe: Grundsätzlich immer erst mal an Angebot und Nachfrage. Es gibt Minifiguren-Serien von Lego, die waren und sind noch sehr begehrt, besonders die aus bestimmten Themenbereichen wie Star Wars aus dem Jahr 2000 oder Indiana Jones von 2008. Wertvoll sind zum Beispiel die Serien Classic Space und die Themenwelt rund um die Eisenbahn und Monorail, etwa die 12-Volt-Eisenbahn. Beides stammt aus den 70er- bis 90er-Jahren und unterstützt damit eine bestimmte Sammlergruppe, also etwa mein Alter. Das hat auch etwas mit Nostalgie zu tun. Gerade bei Sets gibt es Einzelteile die selten und deshalb sehr teuer sind. Ein einfaches gerades Schienensegment der Monorail-Bahn kostet zum Beispiel 20 Euro, das ist sehr hochpreisig. Bei Playmobil ist das ähnlich. Es ist in den 70er-Jahren gestartet und aus dieser Zeit gibt es Fachwerkhäuser, Burgen und Malteser Kreuzritter, die sehr begehrt sind.

BZ: Und wenn die Nachfrage da ist: Was zählt dann konkret?
Grebe: Einmal die Kategorie, also aus welchem Thema die Figur stammt. Dann ist sowohl der Zustand als auch die Vollständigkeit ausschlaggebend. Wichtig ist auch die Verpackung, vor allem bei einem Set. Ist es originalverpackt und aus einem früheren Bereich, hat es schon grundsätzlich mal einen Wert. Der kann auch schnell über das Doppelte des Ursprungspreises hinausgehen. Dann zählt aber, ob die Verpackung geöffnet oder ungeöffnet ist. Ist sie geöffnet, mindert das den Preis. Dann: Ist das Lego-Siegel versehrt oder unversehrt? Ist noch ein Preisaufkleber dran, der die Verpackung beschädigt, wenn man ihn abmachen möchte, das mindert ebenfalls den Preis.

BZ: In welcher Preisspanne bewegt sich denn so ein Sammlerstück?

Grebe: Nehmen wir beispielsweise das Set des Raumschiffs Millennium Falcon von Lego Star Wars. Der hat, als er 2007 rauskam, 499 Euro gekostet. Er ist riesig, hat mehr als 5000 Teile. Weltweit sind derzeit offiziell 32 Stück auf "Bricklink" im Original verfügbar. Das ist ein spezieller Preisguide für Legofreaks im Internet. Der Falcon hat heute einen Wert von 4500 bis 6000 Euro. Hat er allerdings einen Preisaufkleber an der Verpackung, können Sie gleich mal 1000 Euro abziehen. Ist die Verpackung nicht mehr so schön, können Sie bis zu 2000 Euro abziehen. Ist die Verpackung geöffnet, aber die Tüten darin sind noch zu, dann ist das Siegel kaputt und das Ganze kostet auch 2000 bis 3000 Euro weniger. Ist der Millennium Falcon gebraucht, bezahlen Sie im Durchschnitt 2000 Euro – was immer noch viel ist.

BZ: Was, wenn ich jetzt noch Lego habe und den Rat eines Experten brauche?
Grebe: Dann können Sie mich kontaktieren. Sie können mir die Sachen schicken oder vorab Bilder davon, ich begutachte es dann und mache einen Preisvorschlag. Als Einzelteilehändler kaufe ich bis zu 1000 Kilo Lego im Monat. Aus Kellern, von Dachböden oder ganze Sammlungen.

BZ: Unterstützen die Firmen Sammler?

Grebe: Bei der deutschen Firma Geobra Brandstätter, von der das Playmobil stammt, entspricht das möglicher weise nicht ganz der Firmenpolitik. Die lassen beispielsweise keine Einzelteileshops zu. Da kann man gewaltig Ärger bekommen und hat sofort einen Anwalt im Nacken. Die dänische Lego A/S dagegen, duldet das, deshalb gibt es auch so viele Einzelteileshops. Die haben sich richtig auf die Sammler eingestellt, deshalb bauen die auch solche Dinge wie den Millennium Falcon. 499 Euro, 5000 Teile und ein Gewicht von zehn Kilo: Das ist kein Kinderspielzeug mehr. Ich finde das nicht verkehrt, denn es belebt ja auch den Markt und macht die Marke Lego repräsentativer in der Öffentlichkeit. Außerdem: Wenn etwas neu rauskommt, und es ist geil, dann wird es trotzdem gekauft. Und jeder will der erste sein. Dazu werden die Sammler und Bauer über die Firmenwebseite von Lego geradezu aufgefordert, Ideen einzureichen und dann sogar von Lego am Umsatz beteiligt.

BZ: Wie groß ist die Lego- und Playmobilszene in Deutschland?

Grebe: In Größe ist das schwer auszudrücken, aber ich finde schon, dass beides mittlerweile einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft hat. Es ist in etwa mit den Märklinern von früher vergleichbar, also den Sammlern von Märklin-Eisenbahnen.

BZ: Und wer ist Teil dieser Szene?
Grebe: Es sind Menschen von jung bis alt. Manche sammeln Figuren oder Sets zu bestimmten Themenbereichen wie Star Wars oder Harry Potter; andere sind mehr auf Lego Technik aus. Viele wollen sich allerdings nicht outen als "AFOL", Adult Fan of Lego. Sie haben Angst, abgestempelt zu werden. Dabei ist es ein Hobby, wie jedes andere auch. Die einen stricken oder tonen, wir bauen mit Lego. Oft ist es aber so: Sobald ein Bauwerk, die "MOC", My own Creation, fertig ist und oft gezeigt wurde, ist es uninteressant. Auch wenn es der Nachbau des Reichstags mit zigtausenden von Teilen ist.

BZ: Ist das beim Playmobil ähnlich?
Grebe: Auch dort sind natürlich eigene Kreationen möglich. Da werden Burgen und riesige Städte gebaut. Wenn man beides vergleicht, würde ich sagen: Mit Lego ist die Bauzeit vermutlich länger, durch die kleineren Steine zudem filigraner, Kompliziertes lässt sich besser verwirklichen. Die Möglichkeiten mit Lego sind fast grenzenlos. Beim Playmobil sind die Elemente deutlich größer, dadurch werden auch die Bauten größer und das Bauen selbst geht schneller von der Hand. Ich denke, dadurch stößt man mit Playmobil aber auch schneller an seine Grenzen. Beides hat seinen Reiz. Ich glaube, womit man baut, hängt davon ab, was man als Kind favorisiert hat.

Lego- und Playmobil Börse, Samstag, 3., und Sonntag, 4. Dezember, im Stadthaus Neuenburg. Geöffnet jeweils von 11 bis 16 Uhr, der Eintritt kostet 2,50 Euro, Kinder sind frei. 1 Euro des Eintrittsgelds und der Erlös aus dem Verkauf von Getränke und Kuchen kommt der Mathias-von-Neuenburg-Werkrealschule zugute.