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18. Dezember 2015

Selbstständig den Blick trainieren

Blicklabor an der Zähringer Werkrealschule wird von Sponsoren mit 4000 Euro unterstützt.

  1. 4000 Euro spendeten die Volksbank, der Lions Club und der Kiwanis Club an Mireille Trautmann vom Blicklabor und Schulleiter Thomas Vielhauer für ihr gemeinsames Projekt. Foto: Gina Kutkat

NEUENBURG (kut). Wenn Mireille Trautmann die Tür zu ihrem Blicklabor öffnet, stehen die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5 der Zähringer Werkrealschule schon Schlange. Verständlich, schließlich bekommen sie von der Diplom-Psychologin ein futuristisch anmutendes Gestell auf den Kopf gesetzt, das auch aus einem Film stammen könnte. Doch das Messgestell hat eine wichtige Funktion: Es misst die Augenbewegungen der Kinder, während diese auf einer weißen Leinwand mit ihren Augen rote Punkte verfolgen.

Die Schüler, deren Augen schnelle Blicksprünge machen, die beim Lesen geschwächt sind, weil sie tanzende Buchstaben sehen oder weil sich Zeilen ineinanderschieben, werden von der Mitarbeiterin des Freiburger Blicklabors ausgewählt. "Dann werte ich die Ergebnisse meiner Untersuchung in Freiburg aus und erstelle den betroffenen Kindern einen Trainingsplan", so die promovierte Psychologin. In den folgenden Wochen können die Schüler dann selbstständig ihren Blick trainieren und merken meistens schon nach wenigen Wochen, dass sie sich besser konzentrieren können und das mit dem Lesen endlich flüssig klappt.

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Bereits im dritten Jahr kooperiert die Werkrealschule im Schulverband der Mathias-von-Neuenburg Schule mit dem Blicklabor Freiburg. Initiatorin ist Lehrerin Sylvia Huck, die das Wahrnehmungstraining an ihre Schule geholt hat. Damals war gerade die verbindliche Grundschulempfehlung abgeschafft worden und Huck stand vor einer Klasse, deren Schüler sich auf unterschiedlichen Leistungsniveaus befanden. "Ich wollte das Beste aus ihnen herausholen", erzählt Huck heute. Durch Zufall erfuhr sie von dem Trainingsprogramm des Blicklabors, das sich auf die Erkenntnisse der Hirnforschung stützt. Grundlage ist die Annahme, dass Wahrnehmungsfunktionen mit Teilleistungsschwächen einhergehen. Schülern mit Konzentrations-, Rechen- oder Rechtschreibschwäche kann durch kognitives Training geholfen werden.

"Die Kinder und ihre Eltern sind oft verzweifelt, weil sie die Ursache ihrer Lernschwächen nicht kennen", sagt Mireille Trautmann. Zuletzt sei ihr ein Junge erleichtert um den Hals gefallen, weil er erste Lernfortschritte bei sich erkennen konnte. "Viele sind schon jahrelang von Arzt zu Arzt gelaufen und haben verschiedene Diagnosen erhalten." Doch erst durch das Training des Blicklabors sei es du einer deutlichen Verbesserung gekommen. 16 Schüler sind beim aktuellen Projekt dabei. Es gibt mehrere Studien, die die Wirksamkeit des Trainings unterstreichen. Klassenlehrerin Sylvia Huck benötigt diese nicht. Sie konnte live miterleben, wie viel es gebracht hat, das Gehirn immer wieder zu trainieren. Gerne würde sie das Projekt ausweiten.

50 Euro müssen die Eltern beisteuern, den Rest des rund 300-Euro-teuren Programms (pro Schüler) übernehmen die Sponsoren der Volksbank Neuenburg, des Kiwanisclub Neuenburg und des Lions Club Müllheim-Neuenburg. Mit 4000 Euro unterstützen sie das Projekt – auch in den Vorjahren waren sie als Sponsoren eingesprungen. "Wenn es um Kinderunterstützung geht, müssen wir nicht diskutieren", sagt Rudolf Köpfer von der Volksbank. Schulleiter Thomas Vielhauer ist dankbar für die Geldspende: "Ohne die Sponsoren könnten wir das Projekt nicht durchführen."

Autor: kut