Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

19. Dezember 2015

Drauf und drüber

Bei der Trendsportart Parkour geht es darum, mit Geschick Hindernisse hinter sich zu lassen.

  1. Phönix traut sich – und springt. Foto: Rita Eggstein

Es gibt viele Möglichkeiten, sich fortzubewegen. Im Auto zum Beispiel oder in der Straßenbahn. Wer aber aus eigener Kraft möglichst schnell von A nach B kommen will, sollte Parkour lernen. Eine Sportart, bei der man springend und kletternd Hindernisse auf seinem Weg überwindet.

Phönix nimmt Anlauf, springt ab und dreht sich – zack – einmal um sich selber. Als er wieder auf beiden Füßen steht, grinst er. Er hat es geschafft. Seit rund drei Monaten trainiert der Zwölfjährige aus Denzlingen einmal die Woche Parkour. Parkour, das ist eine Sportart, die aus Frankreichs Großstadtdschungel kommt und die sich aus Hochfangi entwickelt hat.

Hochfangi kennt ihr, oder? Und ein bisschen so funktioniert auch Parkour. Nur – dass nicht auf Mauern, Mülleimer und Bänke gesprungen wird, sondern drüber. Parkour macht aus einer Stadt einen großen Spielplatz. Ach ja, irgendwann haben die Kids in den französischen Vorstädten dann auch gemerkt, dass man sich mit Parkour ganz schnell aus dem Staub machen kann – zum Beispiel wenn es Ärger mit anderen Jugendlichen gibt. Also haben sie tüchtig trainiert.

Werbung


In der Sporthalle der Freiburger Pestalozzi-Schule, in der auch Phönix Parkour macht, haben die Jugendlichen zum Glück keinen Ärger miteinander: Man trainiert zusammen. Hilft sich. Tauscht sich aus, zum Beispiel darüber, wie ein Hochsprung über einen Kasten geht oder ein Drehsprung an einer stehenden Matte, wie ihn Phönix schon kann.

Phönix steht zusammen mit Maximilian und Moritz in der Halle und diskutiert über den Sprung: "Das ist alles nur Kopfsache", sagt Maximilian. Und Phönix bestätigt, dass er vergangene Woche noch nicht den Mut hatte, sich an der Matte zu drehen: "Anderthalb Stunden bin ich nur herumgestanden und habe immer wieder zu mir gesagt, jetzt klappt’s, jetzt klappt’s." Am Ende hat es das auch.

Alle drei Jungs sind der Meinung, dass man sich beim Parkour sehr gut konzentrieren muss. Eine falsche Bewegung – und schon schlägt der Fuß gegen den Kasten und – autsch – der Zeh ist gebrochen. Bei Maximilian war das vor kurzem so. "Nicht schlimm", sagt er. "Der Zeh wurde getapt, und danach war gut."

Früher ging es im Parkour vor allem darum, möglichst schnell von einem Ort zum anderen zu kommen und über alles, was im Weg war, zu springen oder zu klettern. Heute werden viel mehr Saltos und spektakuläre Luftschrauben gemacht. Diese Disziplin nennt sich Freerunning.

Wichtig: Wer Parkour lernt, sollte Schritt für Schritt vorgehen, also erst mal üben, wie man richtig auf den Fußballen landet – oder richtig abspringt. Und wer seinen Körper nach viel Training gut beherrscht, der schafft es dann sogar, sich an einer zwei Meter hohen Wand hochzuziehen. "Passe Muraille" heißt das, diese Technik gehört mit zu den schwierigsten im Parkour. Dabei springt man mit den Fußballen an die Mauer und drückt sich, so gut es geht, nach oben. Die Kunst ist, sich dabei nicht von der Mauer wegzustoßen, sondern sich nach oben zu schwingen. Warum Phönix, Maximilian und Moritz Parkour machen? "Wir bewegen uns einfach total gerne", sagen sie. Außerdem lerne man dabei viele coole Tricks.

Auch Lust auf Parkour? Wenn ja, dann ab in die Halle zum Training. Immer mehr Sportvereine bieten die Sportart an – unter anderem die Freiburger Turnerschaft 1844 oder der SV Eschbach, aber auch Kinder- und Jugendzentren wie das Alte Wasserwerk in Lörrach oder das Jugendzentrum Schopfheim. Einfach mal anrufen.




Autor: Stephanie Streif