Da gab’s noch Meerschweinchenrennen

Dieter Fink

Von Dieter Fink

Mo, 10. September 2018

Neuried

Beim 40. Ichenheimer Straßenfest erzählten Zeitzeugen von früher und erinnerten an besondere Aktionen und Ereignisse.

NEURIED-ICHENHEIM. Er selbst sei schon als kleiner Junge auf dem Ichenheimer Straßenfest gewesen, sagte Moderator Manfred Schäfer am Samstagabend bei der Eröffnung des nunmehr 40. Straßenfestes im Ort. Damit leitet er zugleich eine Interviewrunde ein mit namhaften Zeitzeugen. Zuvor hatten Ortsvorsteher Ralf Wollenbär und sein Stellvertreter Hans Jörg Hosch den Fassanstich vorgenommen, musikalisch begleitet vom Spielmannszug der Feuerwehren Ichenheim und Meißenheim unter Leitung von Bernd Huser.

Der Ortsvorsteher konnte unter den von Anfang an zahlreichen Besuchern auch viele Ehrengäste aus Politik und Schule, Stammgäste aus Holland, vom Niederrhein und aus Plobsheim Arsen und Hugiette Lauffenburger. Wie kam es denn 1978 zur Gründung eines Straßenfestes, fragte dann Manfred Schäfer in die Zeitzeugenrunde. Erich Schnebel, damals Vorsitzender des Turnvereins, erklärte, dass 1963 meinte die Interessengemeinschaft (IG) der örtlichen Vereine gegründet worden war. Dort zeigte sich nach und nach, dass die Festlichkeiten der einzelnen Vereine zu viel waren. Mit den Faustballern besuchte er in Breisach ein Stadtfest, und so kam ihm der Gedanke, so etwas auch in Ichenheim zu veranstalten.

Auch Josef Braunstein, Kommandant der Feuerwehr, danach Ortsvorsteher und IG-Vorsitzender, Alex Kopf, Vorsitzender des Gesangvereins, sowie Rupert Rudolf, Vorsitzender des Musikvereins, waren der Meinung, die vielen Vereinsfeste durch ein zentrales Fest zu ersetzen sei eine gute Idee. So besuchten Alex Kopf und Ortsvorsteher Franz Wendle dann das Straßenfest in Rust und kamen zu dem Schluss, das in Ichenheim so ein Fest auf dem Schulgelände ausgerichtet werden könne, wo auch gleich Toilettenanlagen zu Verfügung stünden.

Gesagt getan, 1978 war es soweit. Im Laufe der Jahre wuchsen durch das Straßenfest die Vereine in der IG zu einer echten Familie zusammen. Manfred Kopf, damals Vorsitzender des Motor- und Radsportvereins, erinnerte sich: Der Verein habe damals als kleiner Verein im ehemaligen Fahrradschuppen der Schule mitgemacht, und es habe immer Spaß gemacht. Etwas anders erinnerte sich Helmut Herrmann, der damals Vorsitzender des Fußballvereins war: Es sei schwierig gewesen, mitzumachen. Der Verband habe Spiele nicht gerne verlegt und so mangelte es an Personal, aber die Frauen, die damals wie heute wichtig seien, sprangen ein. "Am Weinstand war immer was los", so Herrmann. An einem Samstagabend seien einmal 400 Probiergläschen geklaut worden, "aber mit Vitamin B hatten wir die Gläschen wieder am andern Tag".

Alle erinnern sich auch noch gut daran, als 1986 am Sonntagnachmittag ein Platzregen das Zelt zehn Zenitmeter hoch unter Wasser setzte. Sie erinnerten auch an Programm damals wie Meerschweinchenrennen, Hau den Lukas und Dartpfeile auf Luftballone werfen. Dartpfeile – die bekamen jetzt auf der Bühne auch die Zeitzeugen in die Hand und durften auf Luftballone zielen.

Axel Fischer, der heutige Organisator, war damals sechs Jahre alt und imitierte nun unter großem Beifall den damaligen Kinderstar Heintje. Mit Blasmusik unterhielten die Oldtimers im Musikerstadel, wo auch das Offene Maßkrugstemmen stattfand. Coversongs überbrachte auf der Festbühne Jürgen Hering aus Ballrechten-Dottingen mit seiner Gitarre, Pop und Charts boten das Trio Klangfarben mit Philipp Schnebel am Keyboard und den Sängerinnen Katja und Katharina Tscherter. Das Oriental Voodoo Conference überzeugte mit Crossover aus orientalischen Anleihen, Buesrock, Hardrock und Alternative-Sound. Und in der TV-Bude ging die Post mit der DJ-Party bis in die frühen Morgenstunden ab.