Nicht nur für "Alte Männer"

René Zipperlen

Von René Zipperlen

So, 15. April 2018

Rock & Pop

Der Sonntag Das Jazzfestival Basel zeigt eine große Bandbreite.

"Ein Land für alte Männer" – soll das als Überschrift gelten für ein Jazzfestival, das Basel fast vier Wochen lang bespielt und den Anspruch hat, stets auch Neues und wenig Bekanntes, junge Musiker gar, zu bieten? Hat man also de Waffen gestreckt? I wo. Immerhin ist es kein Geringerer als John Scofield, lange einer der innovativsten und rockigsten Gitarristen des Jazz, der sein aktuelles Album samt Tour in Anspielung auf die großartige Romanadaption der Coen-Brüder "Country for Old Men" genannt hat. Dort zeigt er sich, Methusalem-bärtig, in Top-Form, um sich mit einem hochkarätigen Orgelquartett an Country-Standards von Hank Williams bis Shania Twain zu machen – samt Albernheiten wie einer Garagenrock-Version von "Red River Valley", die jedoch bald in boppenden Jazz kippt. Ach ja, und 2016 gab’s dafür den Grammy als bestes Jazz-Instrumental-Album (5. Mai, Volkshaus Basel).

Eine jüngere Gitarristen-Generation vertritt der 1970 geborene Kurt Rosenwinkel, der von vielen Kollegen hochgeschätzt wird. Sein neuestes Projekt "Caipi", das er zunächst komplett selbst eingespielt hat, ist in Jazzkreisen nicht unumstritten, Rosenwinkel singt bei den oft brasilianisch angehauchten Stücken viel – und manche Stücke nähern sich blitzsauberem Pop (20.April, Volkshaus).

Ein großer Entertainer ist der charmante finnische Pianist Iiro Rantala, bei dem zuletzt der Avantgarde-Alarm beruhigt schlummern durfte. Nach seiner John-Lennon-Hommage kommt der zugängliche und melodieverliebte Musiker nun mit neuen Eigenkompositionen nach Basel – mit dabei EST-Bassist Dan Berglund und Drummer Morten Lund (16. April, Volkshaus). Gleich am nächsten Tag folgt das Pianotrio von Danilo Peréz, und wer sich wundern mag, dass ihm die Kombination mit dem fantastischen Brian Blade an den Drums und John Patitucci am Bass bekannt vorkommt: Ja, die Rhythmusgruppe von Wayne Shorter darf auch allein um den Globus ziehen. "Children of the Light" nennt sich das Projekt – und eigentlich klingt es auch so: locker, frei und mit allen Wassern gewaschen (17. April, Volkshaus). Ein weiteres Pianotrio führt die Generationen zusammen: Der längst legendäre Joachim Kühn trifft am 25. April in der Gare du Nord auf Michael Wollnys Drummer Eric Schaefer und den Bassisten Chris Jennings.

Eine Kooperation mit der Kulturscheune Liestal entführt das Quartett von Stefano Bollani am 21. April in die Ziegelhofbrauerei in Liestal. Ebenfalls dort spielt am 23. die Akkordeonistin Viviane Chassot mit Martin Mallam an der Zither ein Programm von Piazzolla über Ligeti bis Brahem.

Am 15. Mai gibt es in der Dorfkirche Riehen ein Doppelkonzert: Zunächst spiel Bugge Wesselthoft solo, dann treten Heinz Sauer und Jasper van’t Hof auf.

Der wieder genesene großartige Vokalist Bobby McFerrin wechselt vom Stimmen-Festival zum Jazz nach Basel, wo er mit seinem Chor und dem Publikum das Programm mit Circlesongs wieder aufleben lässt. Musical Theater Basel, 1. Mai. Ebenfalls am 1. Mai steigen im Jazzcampus Basel der Wettbewerb für junge Schweizer Jazzer mit anschließendem Konzert (11.30 bis 14 Uhr). Am gleichen Ort am Tag davor gibt es ebenfalls viel Schweizer Jazz mit verschiedenen Ensembles im Rahmen des Unesco Jazzday von 17 bis 24 Uhr – der Abend klingt dort mit Clubsets aus. Wirklich heiß und tanzbar verspricht das Konzert von La Yegros zu werden, das am 28. Juni in der Kaserne stattfindet: Die Sängerin verbindet die traditionelle Cumba ihrer argentinischen Heimat mit elektronischen Clubbeats. Später tritt dann das peruanische Trio Dengue Dengue Dengue ebenfalls mit Electronica auf.
Jazzfestival Basel bis 16. Mai, verschiedene Spielorte. Das ganze Programm sowie Karten unter http://www.offbeat-concert.ch