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06. Oktober 2015

Nicht nur Glanz auf der "Perle Afrikas"

In der Reihe "Africa meets Europa" im Werkraum Schöpflin geht es um Uganda / Spätfolgen der Kolonialzeit.

  1. Annäherungen an Uganda im Werkraum Schöpflin: (von links) Brenda Kawala, Susanne Fink, Michael Mwase, Barbara Ehrensberger, Gertrud Schweizer-Ehrler Foto: Sarah Nöltner

LÖRRACH. Als Auftakt der Veranstaltungsreihe "Africa meets Europe" fand im Werkraum Schöpflin in Lörrach-Brombach ein Vortrags- und Diskussionsabend unter dem Titel "Uganda – Perle Afrikas" statt. Als "Perle Afrikas" hatte einst Winston Churchill, Premierminister Großbritanniens, das Land bezeichnet, doch Organisatorin Susanne Fink sagte, es hätten auch die Ugander selbst gewesen sein können, denn: "Die Ugander lieben ihr Land."

Die Veranstaltungsreihe des Werkraums soll dazu beitragen, Verständnis für dieses Land im Spannungsfeld von "wirtschaftlicher Modernisierung, Auswirkungen des Klimawandels und der Wahrung der Menschenrechte" zu erzeugen. Als Referenten wirkten Michael Mwase, Projektleiter des "Rainbow House of Hope (RHU)", Name eines Jugendzentrum in Ugandas Hauptstadt und des gleichnamigen Schopfheimer Vereins, sowie Gertrud Schweizer-Ehrler vom Verein "Tukulere Wamu" aus Heitersheim. Schweizer-Ehrler arbeitet außerdem für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Als besondere Gäste kamen aus Stuttgart Philip Keil, Geschäftsführer der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ), und der hiesige MdL Josha Frey (Grüne), Mitglied des Stiftungsrates SEZ.

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Uganda habe "eigentlich nur eine Stadt, die Hauptstadt, Kampala" und sonst eine Besiedlungsstruktur wie "lauter Aussiedlerhöfe", berichtete Gertrud Schweizer-Ehrler. Es gebe eine "grandiose Natur", zehn Nationalparks, viel Landwirtschaft, das Land nutze Wasserkraft zur Stromerzeugung und verfüge über große Ölvorkommen, die zum Teil noch nicht erschlossen seien.

Ziel der Regierung sei es, ein funktionierendes Stromnetz zu schaffen, um dem steigenden Energiebedarf gerecht zu werden. Problematisch daran sei, dass damit zwar die Leitungen gelegt würden, jedoch die Bevölkerung kein Geld habe, um den Strom zu bezahlen. Strom koste in Uganda etwa gleich viel wie in Großbritannien, die Einkommen seien jedoch viel geringer. Kritische Themen in Uganda sind der Umgang mit Menschenrechten, Minderheiten, Pressefreiheit, Korruption, Homosexualität und Demonstrationen.

Vom Klimawandel direkt betroffen

Michael Mwase ergänzte Schweizer-Ehrlers Vortrag mit seiner ugandischen Perspektive. Das Hauptproblem Ugandas und der entscheidende Ansatzpunkt für Veränderungen ist laut Mwase die Bildung. Zwar würden inzwischen fast alle Kinder eingeschult, doch nach sieben Jahren besuchen nur noch die Hälfte der Kinder eine Schule. Uganda ist ein Land, das vom Klimawandel direkt betroffen ist. Dennoch interessiere die Menschen der Klimawandel in Uganda nicht, erzählt Mwase, weil ihnen die Bildung fehle, die Zusammenhänge zu verstehen.

In der Kolonialzeit wurde versucht, den Ugandern Fähigkeiten beizubringen, die für ein Arbeitsleben im Büro nützlich sind. Das sei jedoch fern der Lebenswirklichkeit der Menschen, die viel mit ihren Händen arbeiten. Gleichzeitig wurde körperliche Arbeit auf dem Feld als Bestrafung für schlechte Noten in der Schule eingesetzt, was den Menschen einen "Hass auf körperliche Arbeit" anerzogen habe. Dies sei die falsche Art von Bildung gewesen, meint Mwase.

Im Jugendzentrum versucht das Team, Bildung zu vermitteln, die zur Lebenswelt der Ugander passt. Wichtiges Anliegen des Vereins RHU ist es, in Europa und Afrika die bestehenden gegenseitigen Vorurteile abzubauen und mit der Realität abzugleichen. Aus afrikanischer Sicht scheine vieles in Europa "wie das Paradies". "Doch glücklicher wirken die Menschen hier nicht", meint Mwase. Die anschließende Diskussion moderierte Barbara Ehrensberger vom Eine-Welt-Forum Freiburg.

Africa meets Europe: weitere Veranstaltungen im Werkraum Schöpflin: Dienstag. 6. Oktober, 20 Uhr, Film: "Yes! That’s Us" über das Leben in Ugandas Hauptstadt Kampala; Freitag, 9. Oktober, 15 bis 18:30 Uhr, Workshop traditionelle Lieder und Tänze aus Uganda

Autor: Sarah Nöltner