Kluge Gemeinschaft und klug gehängt

Susanne Ramm-Weber

Von Susanne Ramm-Weber

Fr, 11. Mai 2018

Oberkirch

Brettener Künstler kommen zum Gegenbesuch nach Oberkirch und zeigen eine interessant arrangierte Auswahl an Materialien und Techniken.

OBERKIRCH. Dem einsamen Wirken im Atelier entgegen steht eine Gemeinschaftsaktion von Künstlern aus Bretten im Kraichgau und Oberkirch. Vor zwei Jahren ergriff der Brettener Künstler Benedikt Forster die Initiative und stellte Kontakt zu den Oberkircher Künstlern her. Rainer Braxmaier, Manfred Grommelt, Rainer Nepita, Werner Schmidt, Heinz Schultz-Koernig, und Gabi Streile stellten vor zwei Jahren in Bretten aus, nun erfolgt der Gegenbesuch der Brettener Künstler Benedikt Forster, Joachim Czichon, Judith Fritz, Willi Gilli und Harald Kille in Oberkirch. Beide Städte sind nebenbei bemerkt mit wichtigen Figuren der Geistesgeschichte verbunden, in Bretten wirkte der kirchliche Reformator Philipp Melanchthon, und Oberkirch ist bekanntlich Stadt des Dichters Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen.

Die Brettener Künstler kommen überwiegend aus dem Umfeld der Karlsruher Akademie. Kitzel-Schüler Joachim Czichon (geboren 1952) zeigt großformatige Arbeiten, die aus unmittelbarer Reaktion auf Live-Musik inspiriert sind, Rhythmus und Bewegung bilden sich in einem heftigen Ausagieren ab, voller Lebendigkeit und Energie, in beschränktem Farbspektrum, viel Schwarz, etwas Gelb, dazwischen Rot und Blau, Spritzer, Schlieren, Gestus.

Klug gehängt passen dazwischen die Arbeiten von Harald Kille (geboren 1958), der sich vom Nachrichtengeschehen anregen lässt, und mit opulentem Farbauftrag Gesichter und Figuren, ganze Situationen von Zusammenkünften modelliert, die nicht immer auf den ersten Blick als solche zu erkennen sind, bei längerem Hinsehen lassen sich die Gesichter entdecken, in jedem Fall eine eigenwillige Darstellung. Eigenwillig in der Farbgebung und grandios in der Komposition sind die magischen Arbeiten von Willi Gilli (geboren 1951), die sich mit Fantastischem, mit Ordnungen befassen, in die man eintauchen kann, ein hoher Grad an räumlicher Illusion, sowohl farbperspektivisch als auch im zeichnerischen, kaum Schwarz. Von ihm sind dazu einige bemalte Holzskulpturen zu sehen.

Judith Fritz (geboren 1964) ist gelernte Restauratorin und mit zwei größeren und vier kleinen Arbeiten der Serie "Marias abgelegter Mantel" (2011) vertreten. Sie arbeitet sehr fein, und erzeugt durch Auftragen und Abschaben eine fast homogene Oberfläche, an Landschaft erinnernd, die Normandie mit Wasser und nachempfundener Spiegelung, blau-weißlich und Brauntöne. Die kleinen Arbeiten sind konzeptueller Art, präzise und poetisch. Mit drei Arbeiten ist Benedikt Forster (geboren 1953) selbst vertreten, der eine ausgediente Kirche zu seinem Atelier gemacht hat. Er ist ein feiner Maler, zurückhaltend, unaufdringlich, sehr bestimmt, Gladiolen und ein Baum mit Schatten in dünnstem Farbauftrag in kontemplativ ruhigem Duktus zeugen davon, die Textur der groben Leinwand bleibt sichtbar. Sein Selbstporträt ist von einem ornamental bemalten Rahmen umgeben, er fast mehr als das Bild. Kurator Werner Schmidt ist mit Farbtafeln "Rot auf Hellblau" und "Mittleres Grau" vertreten. Spannende Ausstellung.

Heimat- und Grimmelshausenmuseum, Altes Rathaus, Hauptstraße 32, Oberkirch. Öffnungszeiten: Di, Do, 15 - 19 Uhr, So, 10 - 12.30 Uhr und 14 -17 Uhr. Bis 3. Juni 2018.