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25. Oktober 2011

Breites Interesse an Heilwirkung der Kräuter

1. Badische Kräutertage in der Klosterscheune in Oberried / Dicht an dicht drängten sich die Besucher in der Markthalle, bei den Vorträgen und Führungen.

  1. Freuten sich über den hoffen Zuspruch der 1. Badischen Kräutertage (von links): Lörrachs Landrat Walter Schneider, Walburga Schillinger, Vorsitzende des Netzwerks „Bauerngarten und Wildkräuterland Baden e.V.“ und der Bürgermeister der Gemeinde Oberried, Franz-Josef Winterhalter. Foto: Michael Saurer

  2. Führte sachkundig durch den Oberrieder Kräutergarten: Ursel Bühring

  3. David und Lilly mischen sich eine Zahnpasta aus Asche und ätherischen Ölen.

OBERRIED. Gesund, wohlschmeckend und wieder voll im Trend. Außerhalb der Küche führten Kräuter lange ein Schattendasein und Menschen, die sich mit ihrer Heilwirkung beschäftigten, wurden oft irgendwo zwischen Öko-Romantik und New-Age-Spiritualität verortet. Diese Zeit scheint vorbei zu sein, das Wissen um die Heilkraft der grünen Gewächse wird immer gefragter. Kein Wunder also, dass die Menschen in Scharen zu den ersten badischen Kräutertagen in Oberried strömten.

Ein reges Interesse ist Ursel Bühring zwar gewohnt, so viele Teilnehmer waren aber selbst für sie schwer zu bewältigen. Extra auf einen Tisch musste sie steigen, damit die rund 80 Teilnehmer der Führung durch den Oberrieder Kräutergarten ihre Worte verstanden. Die Leiterin der Freiburger Heilpflanzenschule kennt die Pflanzen und ihre Heilwirkungen, die in dem von Sträuchern eingeschlossenen Oval im Kurpark wachsen, aus dem Effeff. Vor elf Jahren hat sie den Garten nach Absprache mit Bürgermeister Franz-Josef Winterhalter selbst angelegt und konnte so bestens Auskunft geben. Über den Hopfen etwa, den man zu unrecht nur mit der Bierproduktion in Verbindung bringt. Vielmehr seien seine aus den Zapfen gewonnenen Bitterstoffe gut für die Verdauung und Muntermacher für den ganzen Körper.

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Die Führung durch den Kräutergarten war nur eines von zahlreichen kräuterkundlichen Angeboten, die während der zweitägigen Veranstaltung in und um die erst kürzlich eröffnete Klosterscheune stattfanden und offenkundig auf reges Interesse stießen. Dicht an dicht drängten sich die Besucher durch die übervolle Markthalle der Klosterscheune, in der die meisten Informationsstände rund um die Kräuter und ihre Verwendungsmöglichkeiten untergebracht waren. "Ich bin von der Resonanz hier echt überwältig", meinte Walburga Schillinger. Die Erste Vorsitzende des Netzwerks "Bauerngarten und Wildkräuterland Baden e.V.", das hinter der zum ersten Mal stattfindenden Veranstaltung steht, hatte auf viele Besucher gehofft. Dass es aber so viele werden, hätte sie nicht gedacht. Sogar zu viele, wie am Samstagabend deutlich wurde. Einen Filmabend mit angeschlossenem Kräuterbuffet hat der Verein organisiert. Für 120 Besucher war die Klosterscheune eingerichtet, als es dann aber mehr als 140 wurden und manche immer noch vor dem Eingang warteten, musste Schillinger schweren Herzens einige wieder nach Hause schicken.

Auch am Sonntag wurde das denkmalgeschützte Gebäude voll. Viele Besucher informierten sich über die Heilwirkungen der oft kaum beachteten oder gar als Unkraut verspotteten Pflanzen am Wegesrand. Eine Zahnpasta aus Asche und aus Kräutern gewonnenen ätherischen Ölen konnte man sich an einem Stand mischen. Bei einem anderen wurde ein so genannter Engelwurzbalsam hergestellt. Die Tinktur soll gut gegen Schnupfen und Erkältung im Allgemeinen sein, ebenso wie der "Kartäuserlikör" ein Tisch weiter, dessen antibakterielle Wirkung man schon vor Jahrhunderten entdeckte und mit ihm versuchte, Pestpatienten zu heilen. Nebenbei fanden in den verschiedenen Räumen der Klosterscheune Ausstellungen und Vorträge statt, die ebenso gut besucht waren, wie die Angebote in der Markthalle selbst. Das breite Interesse an den Heilwirkungen der Kräuter hat für Walburga Schillinger nichts mit einem Misstrauen in die moderne Medizin zu tun. Vielmehr gehe es Vielen darum, ihre Heimatregion besser kennenzulernen und zu verstehen. "Die Welt wird immer vernetzer und viele haben das Gefühl, man verliert sich darin. Heimatliche, bodenständige Dinge werden für die Identität der Menschen da immer wichtiger." Einen Beitrag wolle sie dafür leisten, die Menschen wieder mit ihrer Heimat in Einklang zu bringen, sie "erden", wie Schillinger es ausdrückt.

Oberried widmet sich verstärkt der Kräuterkunde

Dass die Veranstaltung so gut aufgenommen wurde, hat aber wohl auch mit der Wahl des Veranstaltungsorts zu tun. Zum einen mag die Nähe zu Freiburg mit seinen traditionell ökologisch-naturkundlichen Themen gegenüber sehr aufgeschlossenen Bewohnern eine Rolle spielen. Ebenso wichtig scheint aber Oberried selbst für den Erfolg der Kräutertage gewesen zu sein. Seit langem schon spielt die Gemeinde mit dem Gedanken, die Kräuterkunde zu einem Schwerpunkt des Gemeindelebens auszubauen, ein spezielles Kräuter-Herbarium wird laut Bürgermeister wahrscheinlich bald eingerichtet werden. "Die Lage ist bei uns für Kräuter einfach perfekt", betonte Bürgermeister Winterhalter in seiner Ansprache. Die gemäßigte Höhenlage zwischen Schauinsland und Feldberg, der viele Wald und das milde Klima seien ein idealer Standort für die verschiedensten Kräuter. Hinzu komme, dass man mit der Klosterscheune einen hervorragenden Veranstaltungsort für eine solche Veranstaltung habe. Auch der Lörracher Landrat Walter Schneider, der als Vorsitzender des Naturparks Südschwarzwald ein wichtiger Sponsor und Schirmherr der Veranstaltung war, stimmte dem zu.

Eigentlich habe man vor, betonte Schillinger, den Veranstaltungsort für die Kräutertage, die von nun an im Zweijahresrhythmus stattfinden sollen, immer zu wechseln. Bürgermeister Franz-Josef Winterhalter glaubt aber an ein baldiges Wiedersehen. "Ich denke, dass werden nicht die letzten Kräutertage in Oberried gewesen sein."

Weitere Fotos von den Kräutertagen unter http://www.badische-zeitung.de

Autor: Michael Saurer