Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

15. Juli 2009 14:29 Uhr

Öffentliches Outing: Eine Art von Selbstjustiz

Man muss kein Mitleid haben mit einem NPD-Funktionär, der geoutet wird, weil er in Hinterzimmern und im weltweiten Netz menschenverachtende Hetze betreibt. Doch gilt in einem Rechtsstaat, dass auch solche Widerwärtigkeiten im Rahmen der Gesetze bekämpft werden.

Es ist das Verdienst der Autonomen Antifaschisten, dass sie akribisch alle rechtsextremen Umtriebe in Freiburg beobachten. Es spricht auch nichts dagegen, dass sie deren Protagonisten benennen. Wer politisch aktiv ist – und sei es als Wirrkopf –, muss das aushalten. Doch die Art und Weise, wie die Antifa den Freiburger NPD-Vorsitzenden bloßstellt, erinnert an den mittelalterlichen Pranger. Gehalt, Bausparvertrag oder Automarke einer Person haben nichts mit politischer Auseinandersetzung zu tun. Der Antifa geht es bei ihrem Outing vielmehr um Abschreckung; um zu demonstrieren, dass sie die Möglichkeiten hat, bis in die intimsten Lebensbereiche anderer einzudringen. Im vermeintlich gerechten Kampf gegen das Böse ist den vermeintlich Guten so ziemlich jedes Mittel recht. Und der Maßstab dafür ist nicht das Gesetz, sondern die Antifa. Das ist der heikle Punkt. Denn daraus resultiert eine Form der Selbstjustiz, die nicht akzeptabel ist – zumal sich die Antifa, anders als Politik, Polizei und Gerichte, jeder öffentlichen Kontrolle entzieht, also ihrem Wesen nach undemokratisch ist. Die Freiburger Antifa verklärt das Outing zur Aufklärung. Man kann es aber auch Willkür nennen – auch wenn es in diesem Fall nicht den Falschen trifft.

Werbung

Autor: Uwe Mauch