Ökologisch und landschaftlich bedeutsam

Gerhard Lück

Von Gerhard Lück

Sa, 06. Oktober 2018

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Start des Managementplanverfahrens für FFH-Gebiet Kandelwald, Roßkopf und Zartener Becken.

KIRCHZARTEN. Die Staatliche Naturschutzverwaltung Baden-Württemberg, vertreten durch das Referat Naturschutz und Landschaftspflege im Regierungspräsidium Freiburg, startete jetzt am Engenwald in Kirchzarten das Aufstellen eines Managementplans für das FFH-Gebiet Kandelwald, Roßkopf und Zartener Becken. Die zuständige Referentin Regina Biss wurde bei der Exkursion mit Vertretern von Kommunen und Behörden sowie Bürgern von Experten für Wald, Gewässer und Wiesen unterstützt.

FFH steht für europäische Natur- und Landschafts-Schutzgebiete, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden. Das zu untersuchende Gebiet bei Kirchzarten hat eine Gesamtfläche von 2232 Hektar in den Naturräumen Oberrheinisches Tiefland und Schwarzwald. Betroffen sind elf Kommunen in den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen sowie Freiburg. Es geht überwiegend um Waldflächen beim Kandel, beim Nordabfall des Schauinslands zum Dreisamtal, um den Roßkopf und die Vorbergzone bei Freiburg.

In Vertretung von Kirchzartens Bürgermeister Hall zeigte sein Stellvertreter Walter Rombach auf, dass sich Kirchzarten mit seinen 10 000 Einwohnern auf einer Gemarkungsfläche von rund 21 Quadratkilometern ausbreitet. "Darauf fließen rund 20 Kilometer naturschutzfachlich wertvolle Gewässer." Es sei ein Privileg, in einer ökologisch und landschaftlich so bedeutsamen Gegend zu leben: "Daraus ergibt sich für uns die Verpflichtung, zu deren Erhalt beizutragen." Schmunzelnd fügte Rombach an: "Schön, dass Sie die Vorstellung des Managementplanes mit einer Begehung der schönsten Ecke des Schwarzwaldes verbinden."

Regina Biss zeigte die einzelnen Schritte zum Natura-2000-Managementplan auf. Die Kartierarbeiten im hiesigen FFH-Gebiet seien weit fortgeschritten und würden der Bevölkerung sowie den Grundstückseigentümern und -nutzern vorgestellt. Bis August 2019 entstehe der vorläufige Entwurf, der weiteren Diskussionsrunden vorgelegt werde. Bis zum Frühjahr 2020 sei mit der Endfassung zu rechnen. Über die Bedeutung der Auenwälder im FFH-Konzept informierte Christian Speck vom Regierungspräsidium die Exkursionsteilnehmer. Charakteristische Lebensraumtypen seien Hainsimsen-, Waldmeister- und subalpine Buchenwald: "Das sind beliebte Lebensräume für die Bechsteinfledermaus, das Große Mausohr und die Wimperfledermaus."

Gewässerbiologe Christian Günter vom Büro Gobio machte am Ufer der Brugga deutlich, welch große Bedeutung die Gewässer im FFH-Gebiet haben. Er zeigte sich erfreut darüber, dass es gelungen sei, den Lachs wieder anzusiedeln und zeigte eine junge Groppe. Von Flusskrebsen wie Steinkrebs und Dohlenkrebs vermutet er allein in der Brugga rund 14 000 Exemplare. "Sie sind extrem gefährdet und haben hier ein letztes Refugium in Baden-Württemberg." Da Günter einige aus dem Wasser geholt hatte, konnte er die Tiere anschaulich vorstellen.

Susanne Miethauer vom Büro Faktor Grün unterstrich die Bedeutung der Auenwälder entlang der Flussläufe. Sie nahm die Exkursionsteilnehmer mit auf eine "magere Flachlandmähwiese" und wies auf die hohe Artenvielfalt dieser Heuwiesen hin: "30 bis 40 unterschiedliche Gräser- und Kräuterarten kommen hier vor." Da die besuchte Wiese in einem Wasserschutzgebiet liege, würde sie so gut wie kaum zusätzlich gedüngt und sei besonders im Frühjahr mit ihrer Blütenpracht eine Augenweide. Solche Blumenwiesen gebe es im Zartener Becken häufig. Mit der Wiesenglockenblume und dem Rauen Löwenzahn konnte sie auch jetzt noch blühende Pflanzen zeigen.