Prozessauftakt

Mutmaßlicher Vergewaltiger steht in Offenburg vor Gericht

Harald Rudolf

Von Harald Rudolf

Sa, 22. September 2018 um 13:55 Uhr

Offenburg

Ein 24 -Jähriger hat sich am Landgericht wegen Vergewaltigung zu verantworten. In der Nacht zum 28. April soll er eine gleichaltrige Reisende mit Behinderung nahe des Bahnhofs vergewaltigt haben.

Zum Prozessauftakt äußerte sich der aus Nigeria stammende Asylbewerber nicht zur Sache. Bei seiner Festnahme kurz nach der Tat wurden das Handy und eine Socke des Opfers bei ihm aufgefunden.

Bislang bestritt der Angeklagte, der sich seit der Tat in Untersuchungshaft befindet, gegen den Willen der Frau sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen zu haben. Laut Anklage wurde er auf die kleinwüchsige Frau aus Hessen aufgrund ihrer Gehbehinderung aufmerksam. Auf dem Weg zu seiner Freundin in Lahr ebenfalls am Offenburger Bahnhof gestrandet, verfolgte er die 24-Jährige. Auf der Fußgängerbrücke in der Freiburger Straße kam er auf sie zu, warf sie zu Boden und biss sie in ihre Lippen, um ihre Hilfeschreie zu unterbinden. Dann entkleidete er die Frau und vergewaltigte sie.

Die Frau trug eine Narbe davon

"Es war brutal und hat weh getan", sagte die Geschädigte zum Prozessauftakt in ihrer öffentlichen Vernehmung. Das Umwerfen und die Bisse in die Lippen hätten "so wehgetan". Auf dem Rücken liegend, drückte ihr ein Stein auf dem Asphalt der Brücke in die Niere. Nach der Tat hatte sie "überall Schmerzen". Sie hatte offene Wunden im Mundbereich, die Lippen mussten genäht werden. Eine Narbe sei geblieben, so die Frau mit Behinderung, die mit Hilfe von Gebärdendolmetschern aussagte. Die Erinnerung an die Nacht mache sie traurig. Sie habe Schlaf- und Konzentrationsprobleme, sagte sie. Ihr Anwalt legte ein ärztliches Attest vor, das eine Hepatitis-B-Infektion diagnostizierte.

Auf dem Weg nach Heitersheim strandete sie um Mitternacht wegen einer Baustelle der Deutschen Bahn am Offenburger Bahnhof. Dort habe sie das Gleis gewechselt und auf den Stunden später abfahrenden Anschlusszug gewartet. Der Angeklagte – sie identifizierte den 25-Jährigen als Täter – kam auf sie zu und sagte auf Englisch "Hallo Frau". Dann erkundigte er sich nach Lahr. Als sie ihm keine Auskunft geben konnte, "wurde er aggressiv". Sie habe Alkohol gerochen. Er versuchte sie zu küssen und zeigte ihr seinen "Asylschein", da sie sein Alter bezweifelte.

Eine Autofahrerin brachte die Frau zur Polizei

Wiederholt bedrängt, verließ sie den Bahnhofsbereich, um ihr Handy aufzuladen. Sie habe einen Bekannten in Heitersheim benachrichtigen wollen. Auf dem Weg zu einer Tankstelle passierte sie die Fußgängerbrücke. Der Angeklagte folgte ihr. Er kam auf sie zu, küsste sie, warf sie zu Boden, zog ihr Hose, Slip, Schuhe und Socken aus und vergewaltigte sie. Abschließend nahm er ihr Handy und eine Socke an sich. Die Hessin wurde wenig später von zwei in einem Auto vorbeikommenden Frauen aufgelesen und zur Polizei gebracht. Der mutmaßliche Täter wurde wenig später festgenommen.

Zu seiner Person erklärte der Angeklagte, er sei im März 2017 nach Deutschland gekommen. Mit zwölf Jahren habe er in Nigeria eine christliche Schule besucht und als Fliesenleger gearbeitet. Nachdem Muslime zur Weihnachtszeit seinen Vater getötet hätte, habe er einen Täter erschossen und sei nach Tripolis geflohen. Nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung dort will er erst wieder in Messina zu Bewusstsein gekommen sein. "Nigerianische Menschen", ließ er übersetzen, hätten ihn nach Italien gebracht. Sein "Taschengeld" von 1200 Euro musste er ihnen für die Überfahrt geben. Ein Asylantrag in Italien wurde abgelehnt.

In Neapel bettelnd auf der Straße gelandet, hätten ihm Freunde geraten: "Deutschland ist gut zum Arbeiten." Er stellte auch hier einen Asylantrag, der abgelehnt wurde. Er legte Berufung ein und kam in eine Asylunterkunft nach Empfingen. Von dort war er am Tattag auf dem Weg zu seiner nigerianischen Freundin in Lahr, mit der er noch keinen sexuellen Kontakt hatte, wie er auf Fragen des Gerichts sagte.
Der Prozess wird am 25. September fortgesetzt, ein Urteil soll am 28. September verkündet werden.