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29. September 2012

80 000 Ingenieure fehlen

Girls’ Day Akademie ergänzt um Schüler-Ingenieur-Akademie.

  1. Auftakt im Schillersaal: Zur Girls’ Day Akademie gibt es erstmals eine Schüler-Ingenieur-Akademie, um auch den Jungs Chancen zu geben. Foto: Siefke

OFFENBURG (ges). Nachdem drei Jahre lang ausschließlich Mädchen für ein Jahr in die Welt der Wissenschaft und Technik hineinschnuppern konnten, steht dieses Angebot der Südwestmetall jetzt auch den Jungen offen: Der Start der vierten Girls’ Day Akademie war zugleich Beginn der ersten Schüler-Ingenieur-Akademie. An beiden Projekten beteiligen sich jeweils zwölf junge Menschen.

"Und was ist mit den Jungs?" Das war eine häufig gestellte Frage in den zurückliegenden Jahren. Während junge Frauen der Klassenstufe 10 im Rahmen der Girls’ Day Akademie die Möglichkeit hatten, sich ein Jahr lang während der Schulzeit am Freitagnachmittag in Sachen Naturwissenschaft und Ingenieurswesen fit zu machen oder zumindest doch einen tiefer gehenden Einblick zu erhalten, mussten die männlichen Jugendlichen draußen bleiben. Das hat sich nun geändert: In Anbetracht des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels, der für eine Verstärkung des Problems sorgen dürfte, haben mit der Schüler-Ingenieur-Akademie auch junge Männer die Chance, an der Kooperation von Schule, Hochschule und Wirtschaft teilzunehmen.

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80 000 Ingenieure fehlen derzeit in der Bundesrepublik, nannte Projektleiterin Simone Elsner bei der Auftaktveranstaltung am Donnerstag im Schillersaal eine vom Verein der Ingenieure veröffentlichte Zahl. Als die Girls’Day Akademie vor vier Jahren startete, war noch vor 30 000 offenen Stellen die Rede. "Wir müssen etwas tun", so Elsner. In der Akademie wird mit einem starken Praxisbezug gearbeitet. Es geht darum, dass die Jugendlichen die Betriebe von innen kennenlernen und bei praktischen Übungen erste Erfahrungen sammeln. Im Zentrum stehen Maschinenbau und Elektrotechnik.

Bei Frauen Interesse für technische Berufe wecken

Um Schlüsselqualifikationen zu stärken, fährt die Gruppe am 6. Oktober in die Nähe von Freiburg, um bei einem so genannten Outdoortraining Teamgeist und Sozialkompetenz unter Beweis zu stellen: Die Aufgabe besteht darin, gemeinsam ein Floß zu bauen. In den beteiligten Betrieben werden erste Kenntnisse vermittelt: Mit dabei sind Meiko Maschinenbau, Doll Fahrzeugbau, die Tesa-Werke und Peter Huber Kältemaschinenbau. Im Boot sitzen zudem das IHK-Bildungszentrum und der Verein "Wo Wissen wächst". Die Schülerinnen und Schüler erhalten ein Lerntagebuch; am Ende des Schuljahres werden die Leistungen in einem Zertifikat gewürdigt. Ingrid Strelow, bei der Offenburger Arbeitsagentur zuständig für den Bereich Chancengleichheit, ging auf die Notwendigkeit ein, jungen Frauen den naturwissenschaftlichen Bereich schmackhaft zu machen. Denn 48 Prozent der berufstätigen Baden-Württembergerinnen seien in lediglich fünf Sparten beschäftigt, vom Büro über den sozialen Bereich bis zur Reinigung. Im mathematisch-naturwissenschaftlichen Gebiet betätigten sich 85 Prozent Männer und 15 Prozent Frauen. Unter den zehn Lieblingsberufen von Frauen finden sich keine technischen Jobs, von der Mediengestaltung einmal abgesehen. "Wir müssen nach wie vor größte Anstrengungen unternehmen, um daran etwas zu ändern." Dass das ein Ziel der Akademie ist, unterstrich Peter A. Mayer. Der Mann von Südwestmetall nannte drei große Ziele, die mit dem Projekt verfolgt werden. Zum einen soll die Neugier auf Technik und Naturwissenschaft geweckt, zum anderen die Attraktivität des Ingenieurswesens herausgestellt werden. Darüber hinaus soll die Kooperation von Schule, Hochschule und Industrie vertieft werden: "Die jungen Leute gewinnen wertvolle Einblicke in den Arbeitsalltag, der durch Besichtigungen und Workshops erfahrbar und erlebbar gemacht wird." Mit der Akademie beginne ein "vielversprechendes Technikjahr", so Mayer.

Autor: bz