Das bis in die Stratosphäre fliegende Klassenzimmer

Christine Storck

Von Christine Storck

Mo, 12. Februar 2018

Offenburg

146 Schüler aus Baden-Württemberg, dem Elsass und der Schweiz haben mit 35 Projekten am trinationalen Schülerkongress teilgenommen / Drei Teams aus der Ortenau.

OFFENBURG. Sie haben einen Draht zum Tüfteln: 146 Schüler aus Baden-Württemberg, dem Elsass und der Schweiz haben mit 35 Projekten am zehnten trinationalen Schülerkongress teilgenommen, darunter drei Teams aus der Ortenau. "Ziel ist, für dieses so wichtige Arbeitsfeld zu begeistern, Sprachbarrieren abzubauen und grenzüberschreitenden Austausch zu fördern, sagte Thomas Breyer-Mayländer, Prorektor der gastgebenden Hochschule Offenburg.

Mit physikalischen Methoden will zum Beispiel das 2012 am Offenburger Schiller-Gymnasium gestartete "Schiller in Space" sowohl Wetterdaten als auch Spurengase, Aerosole und Strahlung mit Hilfe von Sensoren, Lasertechnik und Geigerzählern messen. Dafür schicken die Schüler mit Messboxen ausgerüstete Heliumballons in bis zu 35 Kilometer Höhe. "Für untere Luftschichten kommt eine Drohne zum Einsatz", erklärte Franziska Wolf. Sie kann auch Feinpartikel erfassen und GPS-gesteuert zum Startplatz zurückkehren. Dieser befindet sich zurzeit auf einem Bundeswehrstandort in Meppen. Die Entwicklung der Messstationen ist eine Kooperation mit der Hochschule, berichtete Betreuungslehrer Jürgen Vörg. Franziska Wolf macht seit 2014 bei "Schiller in Space" mit. "Es ist spannend zu versuchen, die Dinge zu verbessern oder zum Beispiel die Boxen abzuschicken und anschließend zu orten," sagte sie. Teilweise müsse das Team dafür weite Strecken fahren. Die Boxen sind mit Kameras ausgerüstet und bringen Filme aus der Stratosphäre mit. "Darauf kann man sogar die Erdkrümmung sehen", zeigte sich die Zwölftklässlerin begeistert.

Astrid Ruf und Freya Jung, ebenfalls vom Offenburger Schiller-Gymnasium, zeigen an ihrem Stand "Garten der Welt" maßstabsgetreue Modelle aus Sperrholz, die mit einer durch Microcontroller gesteuerten Beleuchtungsanlage ausgestattet sind. Das Projekt ist im NWT (Naturwissenschaft und Technik)-Unterricht entstanden, sagte Freya Jung. Inspiriert wurden die Schüler durch die Landesgartenschau in Lahr. Die Idee: Das Gelände soll durch verschiedene Bauwerke bereichert werden, die Sitzgelegenheiten bieten und ansprechend beleuchtet sind. Die Anlage der Bauwerke soll die Besonderheit einer bestimmte Region verdeutlichen und nachhaltig sein.

Ayman Ratey und Sven Bauerndistel vom Gymnasium Achern beschäftigen sich mit Lasertechnik. Aus einem Laser, Spiegeln und einer Fotodiode haben sie eine Lichtschranke gebaut, mit deren Hilfe sie die Geschwindigkeit verschiedener Fahrzeuge messen können. Die Ergebnisse werden auf einen LCD-Display angezeigt. "Verschiedene LEDs sollen den Ablauf des Timers signalisieren", sagte Sven Bauerndistel. Das Projekt stammt aus dem NWT-Unterricht. Auf dem Schülerkongress wollen die beiden Zehntklässler Geschwindigkeitsmessungen anhand von Miniatur-Formel-1-Rennwagen und DTM-Tourenwagen vorführen. "Es ist toll hier. Man kann sein eigenes Projekt vorstellen und auch sehen, was die anderen machen", sagte Ayman Ratey.

Dieser Austauschgedanke ist ein zentrales Anliegen des Schülerkongresses. "Es ist Ausdruck einer gelingenden, europäischen Idee und Berufs- sowie Studienorientierung in reinster Form", meinte Thomas Steiner vom Regierungspräsidium Freiburg. "Technik und Informatik sind zwei Bereiche, die von Unternehmen in der Grenzregion stark nachgefragt werden", ergänzte Thomas Breyer-Mayländer. Unterstützt werde der Schülerkongress von einer Vielzahl von Institutionen, darunter das RP Freiburg, das Landeskultusministerium, die Chemie-Verbände Baden-Württemberg, die Karl Eisele Stiftung, der Verband der Chemischen Industrie oder die Unternehmen Herrenknecht und Sick. Dominique Drouard von der Académie de Strasbourg betonte, dass der Sprachaustausch dabei ebenfalls eine wichtige Rolle spiele. "Natürlich könnte man alles auf Englisch machen", sagte er. "Aber dann geht man nicht in dem Maße auf den anderen zu, wie man es in der jeweiligen Sprache schaffen kann".