"Das Gerät hat auch einen Ausschaltknopf"

Barbara Puppe

Von Barbara Puppe

Fr, 09. November 2018

Offenburg

Zum Auftakt der Reihe "ConText" gibt Buchautor Thomas Feibel Tipps zum Umgang mit Tablet und Smartphone.

OFFENBURG. Kinder und Jugendliche verbringen deutlich zu viel Zeit mit ihrem Smartphone. Experten warnen gar vor digitaler Sucht. Das Thema Smartphone sei eine erzieherische Mammutaufgabe, aber auch ein riesiges Gesellschaftsproblem, sagt Thomas Feibel. Der Autor des Buchs "Jetzt pack doch mal das Handy weg" sprach zum Auftakt der Reihe "ConText" in der Stadtbibliothek. Privatsphäre und Datenschutz gebe es im Netz nicht, so Feibel. "Wir sind immer online, deshalb müssen wir unsere Privatsphäre schützen – denn die gibt es nur noch zu Hause."

Kinder gelangten mit Hilfe des Smartphones deutlich früher ins weltweite Netz mit all seinen Gefahren. Dese Tür lasse sich nicht mehr schließen. Feibel nannte das Beispiel Cybermobbing: Jugendliche machten ein Foto, setzten es ins Netz, doch was vielleicht als Spaß gemeint war, könne außer Kontrolle geraten. Das Internet habe seine eigene Dynamik. Und durch die ständige Erreichbarkeit platze der Beruf ins Privatleben. Das Smartphone sei auch der neue Geldbeutel: Doch was als Service verkauft werde, gebe das Kaufverhalten preis. Daten würden gesammelt, um zu manipulieren. Wie alles andere auch, schauten Kinder sich den Umgang mit dem Smartphone von den Eltern ab – zum Beispiel wenn Mama beim Kinderwagenschieben oder auf dem Spielplatz dauernd über das Handy wischt. Eltern seien Vorbilder: Sie müssten Familienregeln aufstellen, um den Medienkonsum ihrer Kinder in die richtigen Bahnen zu lenken. Handyverbot an Schulen findet Feibel einerseits "nicht übel", andererseits gehöre der Umgang mit Internet & Co. zu den neuen Kulturtechniken, die erlernt werden müssten. Auch öffentliche Bibliotheken seien dabei wichtige Bildungspartner.

Heute hätten schon Grundschüler ihr eigenes Smartphone. Spätestens beim Übertritt in die weiterführende Schule sei das Handy im Kinderzimmer Dauergast. "Nur weil es mittlerweile normal ist, muss es noch lange keine gute Idee sein", so Feibel. Wenn Eltern zum Beispiel mehr Brettspiele mit den Kindern spielen würden, wären Computerspiele nicht so wichtig, meint der Medienexperte. Dann bliebe mehr Zeit für andere Dinge, auch für Hausaufgaben. Bei älteren Kindern und Jugendlichen verlagere sich die Nutzung stärker auf die Kommunikation. "Sie sitzen zusammen, sprechen nicht miteinander, schauen alle auf ihr Smartphone und lachen synchron". Sie fänden es toll, im sozialen Netzwerk mit Leuten befreundet zu sein, die sie gar nicht kennen. WhatsApp sei zwar offiziell ab 13 gedacht, trotzdem erlaubten viele Eltern schon jüngeren Kindern, die App zu benutzen. Umso wichtiger seien klare Vorgaben: "Verabrede dich nicht mit Menschen, die du nicht persönlich kennst". Feibel erinnert auch daran, dass der Flugmodus nicht allein im Flugzeug gute Dienste leiste. Außerdem habe das Gerät auch einen Ausschaltknopf. Zu den "Verträgen", die man mit seinen Kindern abschließen könne, gehörten klare Abmachungen: Kein Smartphone bei Gesprächen, beim Essen oder Restaurantbesuch, keine peinlichen Fotos, Geräte beim Lernen raus, kein Smartphone im Schlafzimmer. Feibel rät: Nach der Schule oder Arbeit die Mobiltelefon der Familie in ein Körbchen legen und erst wieder zur Hand nehmen, wenn andere Aufgaben erledigt sind. Und "bitte nicht das Smartphone der Kinder als Strafe einkassieren oder heimlich kontrollieren", warb Feibel für Privatsphäre auch für Kinder. Strafaktionen seien nur erzieherische Kapitulation.

Buchtipp: Thomas Feibel, "Jetzt pack doch mal das Handy weg!", Ullstein, Berlin 2017