Das Schicksal der Spätaussiedler

Robert Ullmann

Von Robert Ullmann

Fr, 07. Dezember 2018

Offenburg

Museum plant Ausstellung über Russlanddeutsche in Offenburg / Geschichte der Stadt ist durch Migrationsbewegungen geprägt.

OFFENBURG. Das Museum im Ritterhaus plant eine Ausstellung über die Russlanddeutschen in Offenburg. Dabei soll es um die Zuzugsbewegung selbst gehen, aber auch um die Schicksale der Menschen in ihrer alten und neuen Heimat. Das Ritterhaus-Team greift damit eine Anregung von Georg Stößel auf, Russlanddeutscher und Mitglied des Integrationsbeirats der Stadt.

Wie Museumsleiter Wolfgang Gall vor dem Gremium erklärte, brauche ein solches Projekt jedoch eine Vorbereitungszeit von etwa zwei Jahren. "In der ersten Phase müssen wir nach geeigneten Objekten suchen", sagte Gall, "Objekte, welche die Besucher emotional ansprechen. Es müssen Geschichten dahinter stecken, die berühren und Einzelschicksale nacherlebbar machen."Man werde deshalb Kontakt aufnehmen zu den nach Offenburg gekommenen Menschen aus dem Bereich der früheren Sowjetunion. Die Lebensbedingungen in der alten Heimat, wie die Flucht respektive die Auswanderung gelang und mit welchen Schwierigkeiten sie verknüpft war, was musste man zurücklassen an geliebten Menschen und geliebten Dingen, die Ankunft und die Aufnahme in Deutschland, insbesondere in Offenburg – all das wolle man mit dieser Ausstellung erzählen. Man müsse jedoch einen zeitlichen Rahmen abstecken.

Für Gall ist denkbar, dass man 1945 ansetzt, als kriegsbedingt der erste Zuzug einsetzte. Der Museumschef nannte die Banater Höfe aus den 1950er und 1960er Jahren als Beispiel. Weitere Einwanderungen ermöglichte in den 1970er und 1980er Jahren die neue Ostpolitik, dem dann der Zuzug der so genannten Spätaussiedler nach der Wiedervereinigung folgte. Noch nicht entschieden sei, ob die Ausstellung sich auf die Deutschen aus Russland beschränken werde oder ob man auch andere Länder Osteuropas mit einbeziehe. Dazu Gall: "Manchmal ist es sinnvoller, den Rahmen zu beschränken und nicht alles reinzupacken."

Bereits Etliches an Material gesammelt

Eine Ausstellung über die Russlanddeutschen in Offenburg ist für den Leiter des Museums im Ritterhaus die logische Fortsetzung der Auseinandersetzung mit dem Thema Migration durch sein Haus. Offenburgs Geschichte sei durch Migrationsbewegungen geprägt. Diese seien in beide Richtungen verlaufen. Gall erinnerte an die Auswanderungen in die USA im Nachgang der gescheiterten badischen Revolution. Auch habe es zu unterschiedlichen Phasen aus unterschiedlichen Gründen Einwanderung nach Offenburg gegeben. Die Gastarbeiter seien hier nur ein Beispiel. Georg Stößel erklärte, dass man unter den Russlanddeutschen bereits Etliches an Material gesammelt habe, darunter auch viele Interviews. Was man habe, stelle man dem Museum gern zur Verfügung. Auch sei man jederzeit bereit, Kontakte herzustellen. Norbert Großklaus, evangelischer Pfarrer und Stadtrat, erinnerte daran, dass für viele Russlanddeutsche das Thema Glaube eine wichtige Rolle spiele.

Sie seien deshalb in der früheren Sowjetunion starken Repressalien ausgesetzt gewesen. Das habe er in persönlichen Begegnungen oft erfahren. Er wünsche sich, dass die Ausstellung auch diesen Aspekt deutlich macht.