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23. Januar 2014

Der Nano-Truck sorgt für Staunen

Mobiles Infozentrum zu Gast an den Kaufmännischen Schulen.

  1. Klappe, die erste: Elftklässler drehen einen Filmbeitrag. Foto: M. Maier

  2. Kompliziertes Thema, einfach erklärt: Marco Kollecker (r.) im Nano-Truck Foto: Matthias Maier

OFFENBURG. Ob im Turnschuh, Autoreifen oder Smartphone – in unzähligen Alltagsgegenständen steckt heutzutage Nanotechnologie. Womit diese sich beschäftigt und worin dabei die Chancen und Risiken liegen – das soll den Schülern der Kaufmännischen Schulen der Nano-Truck des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vermitteln, der noch bis Freitag auf dem Schulgelände in Offenburg zu Gast ist.

Für die Schüler sei die Anwesenheit des Nano-Trucks eine willkommene Abwechslung zum normalen Unterricht, sagt Chemie- und Informatiklehrer Markus Spinner, der den Besuch des mobilen Informationszentrums in die Wege geleitet hat. Bereits vor Jahren habe er sich im Namen der Kaufmännischen Schulen erstmals dafür beworben, jetzt sei relativ kurzfristig die Zusage gekommen.

Drei Tage lang, von Mittwoch bis zum morgigen Freitag, werden allen rund 600 Schülern des Wirtschaftsgymnasiums in 45-minütigen Einführungsvorträgen die Grundlagen der Nanotechnologie auf verständliche Weise nähergebracht. Auch den restlichen Schülern, etwa aus der Berufsschule, steht das mobile Informationszentrum mit seinen zahlreichen Schautafeln und interaktiven Ausstellungsobjekten offen. Nicht zuletzt soll den Jugendlichen dabei auch vermittelt werden, welche beruflichen Perspektiven die Nanotechnologie bietet. Zu erfahren gibt es im Nano-Truck viel Interessantes: etwa, dass die Nanotechnologie sich mit Teilchen im Größenbereich von Milliardstelmetern beschäftigt; oder dass bereits im Alten Rom Gold bis in den Nanometerbereich verkleinert wurde, um damit Glas zu färben – und zwar rot. "Ab einem bestimmten Punkt der Verkleinerung ändern Materialien ihre Eigenschaften", sagt Marco Kollecker. Er ist einer der drei Wissenschaftler, die den Nano-Truck auf seiner Tour mit jährlich rund 100 Stationen in ganz Deutschland begleiten. "Goldteilchen nehmen irgendwann eine rubinrote Farbe an", erläutert der Chemiker, "das hängt mit der Schwingung der Elektronen zusammen."

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"Ganz klar: Es gibt
dabei Risiken."

Marco Kollecker zur Nanotechnologie
Um seinen Zuhörern das komplizierte Thema näherzubringen, verortet Kollecker die Nanotechnologie anhand von Beispielen in der Lebenswelt der Jugendlichen: das Smartphone, das dank dieser Technik einen riesigen Speicherplatz und kurze Akkuladezeiten hat; der Turnschuh, der dank Nanotechnologie Wasser abweist. Dass dabei von der Natur abgekupfert wird, zeigt Kollecker mit Hilfe eines Lotusblattes: Ketchup läuft daran herunter, ohne Spuren zu hinterlassen.

Die Schüler der zwölften und dreizehnten Klassen des Wirtschaftsgymnasiums lernen die Nanotechnologie bei Versuchen und Workshops auch von der praktischen Seite kennen. Unter dem Rasterelektronenmikroskop im Nano-Truck können sie die Strukturen der von ihnen mitgebrachten Materialien und Substanzen untersuchen – vom Insekt, über Holz bis zu CDs und Mikrochips. "Eine andere Gruppe baut anhand der Grundlagen der Nanotechnologie eine neue Form von Solarzellen", sagt Kollecker.

Parallel lernen einige Schüler der elften Klassen bei einem Medienworkshop den Umgang mit Kamera und Mikrofon. Unter Anleitung von Studenten der Fakultät Medien- und Informationswesen der Hochschule Offenburg, die auch die Ausrüstung stellt, drehen sie Kurzfilme über den Nano-Truck. Dazu führen sie Interviews mit den Wissenschaftlern, mit Lehrern und Schülern. Besonders der Umgang mit der Technik fasziniert die Elftklässlerin Saskia Pfundstein: "Wenn man so etwas noch nie gemacht hat, ist es schon sehr interessant." Nach Ansicht von Clemens Lorenz, Vizerektor der Offenburger Hochschule, profitieren auch die Studenten von der Kooperation: "Wenn man etwas erklären soll, muss man das Thema viel intensiver durchdrungen haben."

Dass die Nanotechnologie auch Risiken und Gefahren mit sich bringt und mitunter aus Fachkreisen vor ihr gewarnt wird, soll im Nano-Truck nicht verschwiegen werden. "Ganz klar: Es gibt dabei Risiken", sagt Kollecker. Diese gelte es zu erforschen und auszuloten, damit man die Vor- und Nachteile der Technologie ins Verhältnis setzen könne. "Dann können wir entscheiden: Machen wir das oder nicht?" Ziel des Nano-Trucks sei, die Auseinandersetzung mit der Nanotechnologie, die bereits in zahlreichen Lebensbereichen – vom Haushalt über den Sport und die Medizin bis zu den Sparten Information und Kommunikation – zum Einsatz kommt, zu fördern.

Der Nano-Truck steht allen Interessierten heute von 16 bis 18 Uhr offen, Eintritt frei.

Autor: Matthias Maier