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26. August 2017

Die kleine SOS-Dose kann Leben retten

Das Seniorenbüro stellte das neue Kooperationsprojekt "Selbstbestimmt im Alter" vor / Mehrere Kooperationspartner an Bord.

  1. Sie verteilen ab jetzt die Notfall-Dose (von links): Kerstin Niermann vom Pflegestützpunkt, Angela Perlet vom Seniorenbüro, Tanja Stahlhoff vom SKM Ortenau, Angelika Eschbach vom Sozialdienst katholischer Frauen und Kreisdiakonievereinsleiter Mario Herrmann. Foto: Karin Reimold

OFFENBURG. Ein Unfall, eine schwere Krankheit – nicht nur Ältere können in die schwierige Situation geraten, sich nicht mehr selbst versorgen zu können und auf Hilfe anderer angewiesen zu sein. Deshalb will das Seniorenbüro mit seinen Kooperationspartnern über Vorsorgevollmacht und Betreuungsrecht aufklären und stellt den Offenburgern einen kleinen Notfall-Helfer zur Seite.

Selbstbestimmt zu leben und gut versorgt zu sein: Das wünschen sich die meisten Menschen. Mit dem neuen Projekt "Selbstbestimmt im Alter" ist das Seniorenbüro eines von deutschlandweit 15 Modellstandorten der Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros, das vom Bildungsministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird. Ziel ist es vor allem, die Alltagsbewältigung älterer Menschen im Vorfeld rechtlicher Betreuung zu unterstützen. Dazu hat sich der Träger drei Partner ins Boot geholt: den Kreisdiakonieverein Ortenaukreis, den SKM-Ortenau-Betreuungsverein und den Sozialdienst katholischer Frauen (Betreuungsverein). Gemeinsam werden die Vereine mit dem Seniorenbüro in den kommenden zwei Jahren Informationsveranstaltungen und Vorträge rund um das Thema vorrechtliche Betreuung organisieren und so die Beratung zur Vorsorge niederschwellig zugänglich machen.

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"Bis 2030 wird in Offenburg

jeder Dritte über 60

Jahre alt sein."

Angela Perlet, Seniorenbüro
Präventiv und im Ernstfall lebensrettend ist die so genannte Notfall-Dose, die am Donnerstag im Diakonieverein vorgestellt wurde. "Die Idee ist, dass Ersthelfer im Notfall schnell und kompakt alle Informationen finden können", erklärte Kerstin Niermann vom Pflegestützpunkt Offenburg. In dem kleinen Behälter können neben persönlichen Daten auch die Kontaktanschrift des Hausarztes, Beschreibung derzeitiger Erkrankungen sowie Allergien, Aufbewahrungsort der Medikamente, Hinweis auf Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung hinterlegt werden. Aufbewahrt wird die SOS-Dose im Kühlschrank, wobei ein außen daran angebrachter Aufkleber darauf hinweisen soll. "Was ich sehr gut finde, ist auch die Information, wer auf meinen Kontakt angewiesen ist oder wer von mir versorgt werden muss in meiner Abwesenheit", sagte Niermann.

Bei der Tendenz zum Ein- oder Zweipersonenhaushalt im Alter seien diese Informationen von immer wichtigerer Bedeutung, fügte Angela Perlet vom Seniorenbüro hinzu. "Bis 2030 wird in Offenburg mit den aktuell rund 60 000 Einwohnern jeder Dritte über 60 Jahre alt sein", gab sie zu bedenken. Im Jahr 2016 sollen laut Bundesnotarkammer 3,4 Millionen Vorsorgevollmachten in ganz Deutschland erfasst worden sein, teilte Mario Herrmann mit, Leiter des Kreisdiakonievereins.

Doch oft wisse keiner im Umfeld der Betroffenen Bescheid. Die Notfall-Dose sei daher eine tolle Sache, wichtige Hinweise immer parat zu haben, stimmte Tanja Stahlhoff vom SKM Ortenau zu. "Der Bedarf ist da. Unserer Erfahrung nach brauchen auch immer mehr jüngere Menschen, ab 18 Jahren Betreuung. Das Leben ist schwieriger geworden. Und das weiß von außen oft niemand", erklärte Angelika Eschenbach, Leiterin des Sozialdienstes katholischer Frauen.

700 dieser Notfall-Dosen hat das Seniorenbüro bestellt und an seine Partner verteilt. Sie sind kostenlos an folgenden Stellen erhältlich: Seniorenbüro (Am Marktplatz 5), Kreisdiakonieverein Ortenaukreis (Okenstraße 8), SKM Ortenau e.V. Betreuungsverein (Hauptstraße 58) und Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Betreuungsverein (Zeller Straße 11).

Autor: Karin Reimold