Die Oberkirch-Six verweisen auch mit älteren Arbeiten auf das Herkommen

Susanne Ramm-Weber

Von Susanne Ramm-Weber

Di, 11. Dezember 2018

Oberkirch

Unter dem Titel "Kunst hilft" stellen Gabi Streile, Werner Schmidt, Rainer Braxmaier, Rainer Nepita, Heinz Schultz-Koernig und Manfred Grommelt aus.

OBERKIRCH. Zum sechsten Mal zeigen die sechs überregional bekannten Oberkircher Künstler ihre eigenen Werke in der Galerie im Alten Rathaus Oberkirch unter der Überschrift "Kunst hilft". Die Summe der Katalogverkäufe und die Hälfte aus den Bilderverkäufen geht dieses Jahr an den BUND, Ortsgruppe Renchtal, der sich um Streuobstwiesen und die Mahd, also das ökologisch wertvolle Mähen im Sinne der Artenvielfalt, im Renchtal und am Sohlberg kümmert.

Insgesamt, so sagte es Oberkirchs für die Kultur zuständige Bürgermeister Christoph Lipps bei der Eröffnung, seien in den sechs Jahren über 20 000 Euro an Spendengeldern zusammen gekommen. Zugleich nutzte er die Rede für einen Rückblick, über 1300 Besucher hätten die Ausstellungen des vergangenen Jahres, die jeweils von einem der Künstler kuratiert werden, bei gut 80 Öffnungstagen gesehen. Gitarrist Klaus Leopold umrahmte die Veranstaltung mit Eigenkompositionen.

Die Ausstellung zeigt Kunst in einer Preisspanne von 140 Euro bis 6500 Euro. Das mit dem Spitzenpreis angebotene Werk ist eine mit typisch großer Geste gemalte Landschaft von Gabi Streile. Es gibt aber auch Kunstschnäppchen, die mehr als preiswert zu nennen sind, wie eine schöne abstrakte Kompositionen von Heinz Schultz-Körnig.

Vergleiche zu den Werken der Gegenwart sind möglich

An einer Wand im Eingangsbereich präsentieren die Künstler, Gabi Streile, Werner Schmidt, Rainer Braxmaier, Rainer Nepita, Heinz Schultz-Koernig und Manfred Grommelt, gemeinsam ältere Werke, so dass man durchaus Vergleiche zu den Werken der Gegenwart ziehen kann und sieht, dass viel Entwicklung stattgefunden hat.

Ansonsten fällt die klare Gliederung in der Hängung auf, die eine eindeutige Zuordnung ermöglicht. Heinz Schultz-Koernig, Mitglied bei Xylon Deutschland, überrascht immer wieder, dieses Mal mit großformatiger Malerei auf Papier, die ebenso wie seine Drucke von der Linie und der Überlagerung geprägt ist. Die Arbeiten von Rainer Braxmaier, die kürzlich in ähnlicher Zusammenstellung in Offenburg zu sehen waren, sind von einem Prozess aus Zufall und Absicht, aus Machen und Lassen gekennzeichnet, ein Zyklus von Papierarbeiten, der im bayrischen Grainau entstanden ist und einige wandfüllende Tableaus.

Zwei Werkserien sind von Manfred Grommelt zu sehen, Porträt-Fotografie und Aufnahmen, die das Bauhaus und seine Architektur thematisieren. Lichtkünstler James Turrell wurde ebenso porträtiert wie Architekt Peter Zumthor, Rocksängerin Patty Smith und der kanadische Konzept-Künstler Rodney Graham, aus früheren Zeiten – von 1970 – der deutsche Schlagersänger Ricky Shayne. Die Schwarz-Weiß-Porträts strahlen große Natürlichkeit aus.

Rainer Nepita, dessen Werk gerade umfangreich in Offenburg in der Städtischen Galerie gezeigt wird, präsentiert hier, um Überschneidungen gering zu halten, eher ältere Zeichnungen, lockere Formationen von floralen Liniengebilden. Farbtafeln, wie man sie von Werner Schmidt kennt, heißen "Rote Wolke" (2008) oder "Blaue Wolke auf Gelb" (2004), vier kleinere neue Arbeiten, "Farbkasten" (2018) sind im Farbauftrag direkter, konzentrierter, außerdem zeigt er Gegenständliches, "Doppeläpfel" (2006), ein klassisches Stillleben-Sujet.

Am deutlichsten ist die Veränderung in der Malweise über die Zeit bei Gabi Streile zu sehen. "Gladiolen", Rot in Blau und sehr streng in der Form von 1999, scheinen kaum mehr etwas mit den Landschaften oder der "Rose" (2018) von heute zu tun zu haben. Sehr viel freier, souveräner und sicherer ist das Malen im Laufe der Zeit geworden. Eine anregende Ausstellung.

Heimat- und Grimmelshausenmuseum, Altes Rathaus, Hauptstraße 32, 77704 Oberkirch. Öffnungszeiten: Di u. Do. 15 - 19 Uhr, So. 10 - 12:30 Uhr und 14 - 17 Uhr. Bis 20. Januar 2019.