Die Waldbachschule startet ins 21. Jahrhundert

Babette Staiger

Von Babette Staiger

Di, 04. Juli 2017

Offenburg

Der Aufzug ist gläsern, eine Lichtkuppel erhellt das Treppenhaus, gelüftet wird per Knopfdruck – das zum Passivhaus umgebaute Schulgebäude kann sich sehen lassen.

OFFENBURG . Nicht nur ein neues Schulgebäude, sondern ein Prestigeprojekt für ganz Offenburg wurde am Samstagvormittag in der Waldbachschule gefeiert. Schüler, Eltern, Gemeinderäte und Projektbeteiligte freuten sich über den gelungenen Start des Schulgebäudes und seiner Gemeinschaft ins 21. Jahrhundert.

Der neue, blaue Anstrich leuchtet den Besuchern freundlich entgegen. 1,81 Millionen war das Projekt der Stadt Offenburg wert (die BZ berichtete). Im vergangenen Jahr war das Schulgebäude, das im großen Gebäudeverbund des Bildungszentrums Nord-West in Offenburg steht, nach modernsten Gesichtspunkten auf den Kopf gestellt worden.

Schulleiter Harald Udri sprach von einer "gelungenen Ästhetik" und stellte in seiner Rede heraus, dass ein Schulgebäude auch als der "Dritte Erzieher" neben den Eltern und den Lehrern zu verstehen sei. Unter anderem seien die Schüler regelmäßig über den Fortgang, Sinn und Zweck des Umbaus informiert und einbezogen worden, etwa bei Gestaltung der Sanitäranlagen. Das habe bei den Schülern zu einer Identifikation mit dem Gebäude geführt: "Die Schüler sagten sich: Das wird hier für uns gemacht. Das wirkt auch möglichem Vandalismus entgegen."

Die Stadt hatte auch in die Renovierung der Klassenzimmer und in eine Modernisierung des Medienraums investiert. Die Waldbachschule war seit ihrer Errichtung in den 1970er-Jahren keiner Verjüngungskur unterzogen worden. Eine Lichtkuppel im Foyer erhellt nun das Treppenhaus, die komplexe Belüftung kann von den Lehrern per Knopfdruck beeinflusst werden, manuell stoßgelüftet werden können die Zimmer weiterhin. Ein gläserner Aufzug steht Menschen mit Behinderung offen, auch der Zugang zur Schule ist nun barrierefrei. Seit einigen Wochen ist die Schulgemeinschaft nun wieder eingezogen.

170 Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten werden laut Udri hier gefördert. Eine Selbstevaluation im laufenden Schuljahr habe ergeben, dass 95 Prozent der Eltern ihr Kind wieder hier einschulen würden. 92 Prozent der Schüler hätten sich als im Unterricht aktiv beteiligt erlebt. Inzwischen sei die Nachfrage nach Plätzen so groß, dass Udri leider sechs Absagen im vergangenen Monat habe aussprechen müssen.

Oberbürgermeisterin Edith Schreiner sagte: "Wir haben die 1,81 Millionen richtig angelegt und sind damit auch in etwa im finanziellen Rahmen geblieben." Ursprünglich habe man ein Privathausprojekt für das Passivhaus im Auge gehabt, sich dann aber entschlossen, mit der Waldbachschule ein öffentlich zugängliches Prestigeobjekt zu schaffen.

Eine Zertifizierung der Waldbachschule als Passivhaus strebe die Stadt bisher jedoch aus Kostengründen nicht an. Die Energiewerte würden aber weiterhin kontrolliert. 60 000 Euro seien aus einem Topf auf Bundesebene, 75 000 Euro aus dem landesweiten Programm Klima+ und 125 000 Euro als Spende im Rahmen des Monitorings von der Badenova in das Projekt geflossen. Finanzierung und Förderung seien über die Kreditanstalt für Wiederaufbau gelaufen. Bei den dritten Energieeffizienztagen des Ortenauer Netzwerks Energie, die am Donnerstag starten, steht laut Schreiner eine Begehung der Waldbachschule auf dem Programm.

Renate Raczynski-Meyer vom Offenburger Schulamt schilderte das Schulleben der Waldbachschule als ein "Mittendrin" in der Bildungslandschaft Offenburgs. Sie nannte zahlreiche Kooperationen mit anderen Schulen, Vereinen und Bildungsinitiativen. Der Schulgarten, den die Schüler gemeinsam bewirtschaften, wurde erst im Jahr 2015 vom Landesministerium für ländlichen Raum mit dem ersten Preis für baden-württembergische Schulgarteninitiativen ausgezeichnet. Schulleiter Udri sei nicht nur für die Umwandlung der Schule zum Passivhaus, sondern insgesamt für die Schule als "Impulsgeber, Mentor und Brückenbauer" eingestanden.

Beim Tag der offenen Tür am Freitag, 7. Juli, haben Interessierte von 14 bis 18 Uhr Gelegenheit, Einblicke in das pädagogische und in das energetische Konzept der Schule zu erhalten. Für das leibliche Wohl ist gesorgt.