"Entdecken, was verbindet"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 05. September 2018

Offenburg

Am Tag des offenen Denkmals öffnen drei historische Gebäudekomplexe ihre Pforten für Besucher.

OFFENBURG (BZ). Das Motto des diesjährigen bundesweiten "Tag des offenen Denkmals" lautet "Entdecken, was verbindet". In Offenburg wird diese Thematik am Sonntag, 9. September, mit Führungen und Sonderöffnung dreier Kulturdenkmale aufgegriffen. Zwei davon sind durch ihre Geschichte miteinander verbunden: der Salmen in der Lange Straße und das historische Gefängnis in der Grabenallee.

Rund 7500 historische Gebäude, archäologische Stätten, Gärten und Parks sind am Tag des offenen Denkmals am 9. September geöffnet. Das teilt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz aus Bonn als bundesweite Koordinatorin der Aktion mit.

Der Salmen:
Als Straußwirtschaft, Poststation und Werbelokal für Soldaten im Jahr 1787 erstmals erwähnt, wird der Salmen als Versammlungsort der "Entschiedenen Freunde der Verfassung", die hier das bekannte 13-Punkte-Programm verabschiedeten, ein wichtiger Schauplatz der badischen Revolution von 1848/49. Zwischen 1875 und 1938 wurde der Salmen als Synagoge der jüdischen Gemeinde Offenburgs genutzt. Während der sogenannten "Reichskristallnacht" vom 9./10. November 1938 wurde das Gebetshaus von Nationalsozialisten verwüstetet.

Neben der Mikwe (jüdisches Ritualbad) in der Glaserstraße ist er das wichtigste bauliche Zeugnis jüdischen Lebens in der Stadt. Zum 150. Jubiläum der badischen Revolution erwarb die Stadt Offenburg das Gebäude. Seit 2002 kann die Offenburger Bürgerschaft den renovierten und umgebauten Salmen wieder als Fest- und Veranstaltungsraum der Bürgerschaft nutzen. Aufgrund seiner Bedeutung für die deutsche Demokratiegeschichte ist der Salmen als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung ausgewiesen.

Zwei historische Inszenierungen auf derEmpore im Salmensaal erinnern an die Proklamation des ersten deutschen Verfassungsentwurfs, der den demokratischen Aufbruch in einen freiheitlichen Rechtsstaat verkörpert und an die Verwüstung der Offenburger Synagoge, die das Ende von Freiheit und Toleranz bedeutete. Die Führung um 13 Uhr übernimmt Stadtführerin Marion Herrmann-Malecha, Treffpunkt ist der Salmen-Innenhof, Lange Straße 52.

Das historische Gefängnis:
Als Kontrapunkt zum Salmen kann das historische Gefängnis an der Grabenallee gelten. So waren die ersten Insassen in der von Heinrich Hübsch entworfenen und zwischen 1836 und 1850 erstellten, idealtypischen Anlage eines damals modernen Untersuchungsgefängnisses namhafte Teilnehmer der badischen Revolution von 1848/49. Aber auch in Bezug auf die jüdische Tradition in der Stadt spielt das Gefängnis eine Rolle. So wurden am Morgen nach der "Reichskristallnacht" am 10. November 1938 alle männlichen Offenburger Juden im Gefängnis eingeliefert. Noch am Abend begann ihre Deportation nach Dachau.

Die Nutzung des Gebäudekomplexes als Gefängnis endete erst 2009. Rund 50 Insassen "zogen" von der Grabenallee an den Offenburger Flugplatz, wo zuvor eine neue Justizvollzugsanstalt gebaut wurde.
Nach einem aufwendigen Investorenwettbewerb gelang es der Stadtverwaltung 2013, einen Investor für die Nachnutzung der Gebäude zu finden. Seit 2017 residiert nun das "Hotel Liberty" in den geschichtsträchtigen Gemäuern. Die düstere Atmosphäre die Gefängnisbauten überwinden und ein gastliches Ambiente erzeugen, ohne dass Charakter der Gebäude grundsätzlich verloren geht. Dieser Anspruch wurde mit der Hotelnutzung beispielhaft umgesetzt.

Führungen sind um 13 Uhr, 13.45, 14.30, 15.15, 16, 16.45 Uhr mit dem Hoteldirektor Heiko Hankel, und dem Beauftragen für Denkmalschutz der Stadt Offenburg Andreas Clausen, Treffpunkt ist der Haupteingang des Hotel Liberty, Grabenallee 8.

Kloster Unserer Lieben Frau:
Von den Franziskanern wurde das Kloster 1280 gegründet. Beim Stadtbrand 1689 wurde es teils zerstört. 1703 erfolgte der Wiederaufbau. 1814 erfolgte die Aufhebung der Klostergemeinschaft, 1823 die Wiederbesiedlung durch die Augustiner Chorfrauen. Die Ordensfrauen kümmerten sich seither gemäß ihres pädagogischen Auftrags um die Schulbildung von Mädchen. Allerdings haben sie sich mittlerweile mangels Nachwuchses aus dem aktiven Lehrbetrieb von Kloster-Gymnasium und -Realschule zurückgezogen. 1980 erfolgte die Generalsanierung des Gebäudekomplexes. Am Sonntag, 9. September, wird Mutter Martina Merkle, die Oberin des Klosters, um 11 und 14.30 Uhr durch die Anlage führen. Um 17 Uhr gibt es ein Benefizkonzert mit Annette Dorothée Weismann (Violine), Bernhard Fackelmann (Cembalo) in der Klosterkirche, Lange Straße 9.