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15. März 2017

Ernährung, Bewegung und Seelenwohl

Dank einer Kreis-Initiative fließen drei Millionen Euro in Modellprojekt zur Gesundheitsförderung von Kita- und Grundschulkindern.

  1. Georg Benz (Sozialdezernent des Ortenaukreises/v.l.), Heidrun Thaiss (Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), Ullrich Böttinger (Amtsleiter sowie Leiter Frühe Hilfen und des Präventionsnetzwerks) und Klaus Fröhlich-Gildhoff (Evangelische Hochschule Freiburg) Foto: Robert Ullmann

OFFENBURG. Rund drei Millionen Euro fließen dank einer Initiative des Landkreises in die Förderung der Gesundheit von Kindern in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen im Ortenaukreis. Das Projekt umfasst neben Themen wie Ernährung und Bewegung und auch seelisches Wohl und soziale Teilhabe. Im Vordergrund steht die Prävention. Sie hat dem Projekt auch den Namen gegeben: Präventionsnetzwerk Ortenaukreis.

"In Sachen Gesundheit ist viel Geld im System, es gibt Tausende von Ratgebern zu allem Möglichen", erläutert Klaus Fröhlich-Gildhoff, "trotzdem sind zu viele Kinder zu dick, haben Koordinationsprobleme oder zeigen Verhaltensauffälligkeiten. Fröhlich-Gildhoff, Professor an der Evangelischen Hochschule, begleitet das Projekt wissenschaftlich und wertet die Ergebnisse aus. "Wir geben dem Fachpersonal – Erzieherinnen, Lehrkräften – klare und wissenschaftlich hinterlegte Anleitungen. So sollen sechsjährige Kinder nicht länger als 60 Minuten am Stück sitzen und danach 30 Minuten springen, hüpfen, rennen, sich austoben."

"Dreijährige sollten keine Zeit vor Bildschirmen verbringen"

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Üblich seien in der Regel 70 bis 80 Minuten Unterricht, dann zehn Minuten auf dem Hof. Fröhlich-Gildhoff nennt auch andere Beispiele: "Ein sechsjähriges Kind sollte maximal 30 Minuten täglich am Bildschirm verbringen. Dreijährige sollten überhaupt keine Zeit vor dem Bildschirm verbringen." Solche Aussagen seien unter anderem durch die Hirnforschung, die sich auch mit der Entwicklung der Synapsen beschäftigt, hinterlegt. Das Präventionsnetzwerk schließt dort an, wo das Projekt "Frühe Hilfen" endet, erläutert Georg Benz, Sozialdezernent des Kreises. Die Frühen Hilfen unterstützen Mütter und Kinder von der Schwangerschaft bis zum dritten Lebensjahr. "Das Präventionsnetzwerk führt das bis zum Ende der Grundschulzeit fort", sagt Benz. Die Idee dahinter sei, dass man über die Kindertageseinrichtung und Grundschulen auch die Eltern erreiche: "Die Erzieherinnen und Lehrkräfte werden von den Eltern als fachlich kompetent wahrgenommen." Im Gespräch tausche man sich thematisch aus, zum Vorteil aller Beteiligten und zu Wohl des Kindes.

Laut Ullrich Böttinger, Psychotherapeut und Amtsleiter am Landratsamt, beteiligen sich aktuell 37 Prozent aller Kindertageseinrichtungen und 20 Prozent aller Schulen im Kreis – Tendenz steigend. Diese Einrichtungen nehmen an Fortbildungen und Qualifizierungen teil. Das Netzwerk für Kindergesundheit, bestehend aus Gesundheitssystem – Kinderärzte, Krankenkassen –, aus Kinder- und Jugendhilfe sowie den Akteuren im Bildungssystem, werde seit dem 1. November 2014 kreisweit aufgebaut. Präventionsbeauftragte sind Ansprechpartner.

Von den knapp drei Millionen Euro stammen 2,5 Millionen aus Bundesmitteln. 440 000 Euro kommen aus dem Kreishaushalt. Die Summe verteilt sich auf die vier Jahre der Projektdauer. Ein Teil wird für die wissenschaftliche Begleitung aufgewendet. Es handelt sich hier um ein Modellprojekt, das bundesweit Schule machen könnte. Vergangene Woche wurden im Rahmen einer Tagung die Zwischenergebnisse vorgestellt. Die seien vielversprechend, sagt Heidrun Thaiss, Kinderärztin und Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Bei den Kindern der teilnehmenden Einrichtungen habe sich die seelische Gesundheit – das Selbstbild, die Selbsteinschätzung, das Selbstvertrauen – deutlich verbessert.

Die Ortenau habe bereits mit den Frühen Hilfen ein bundesweites Vorzeigemodell entwickelt. Auch das Präventionsnetzwerk setze wichtige Impulse. Thaiss: "Die sind sicherlich auch auf andere Städte und Kreise übertragbar." Das Projekt endet am 31. Oktober 2018. Wie Benz und Böttinger erklären, sucht man nach einer Basis, um es fortzusetzen.

Autor: Robert Ullmann