Gegen lange Schlangen und dicke Luft

Judith Reinbold

Von Judith Reinbold

Mi, 23. Mai 2018

Offenburg

Bei den "Hackdays" widmen sich Schülerinnen und Schüler des Schiller-Gymnasiums den Möglichkeiten einer digitalen Schule.

OFFENBURG. Drei Tage entwerfen und tüfteln, Niederlagen einstecken und neue Erkenntnisse gewinnen, das waren die Hackdays am Offenburger Schiller Gymnasium, die in den letzten drei Tagen vor den Pfingstferien stattfanden. Dabei sind neun von Schülern gebaute und von Mentoren begleitete Projekte rund um das Thema der digitalen Schule entstanden, die am Freitagmittag im Schillersaal vorgestellt wurden.

"Make your school" heißt das von der Organisation "Wissenschaft im Dialog" initiierte Projekt, das Schülerinnen und Schüler am Schiller Gymnasium drei Tage lang dazu anregte, an die Grenzen des eigenen technischen Wissens zu gehen. Gefördert von der Klaus Tschira Stiftung, wurde den Organisatoren am Schiller Gymnasium viel Arbeit abgenommen – denn selbst Material und Verpflegung wurden von der Stiftung gestellt.

Wie wäre es, wenn Schüler zu jeder Uhrzeit in den Fahrradkeller fahren könnten? Oder wenn es egal wäre, ob ein Schülermentor mit Schlüssel in der Nähe ist, wenn der Kraftraum genutzt werden soll? Und was, wenn sogar der Müll ein Problem wäre, um das sich niemand mehr kümmern muss, weil ein Roboter den Boden sauber hält? Es waren alles schülereigene Ideen – das betonten auch die vier Mentoren, als die in drei Tagen entstandenen Projekte am Freitag vorgestellt wurden. Zwar sind nicht alle in den drei Tagen ganz fertig geworden, aber wer möchte, kann sein Projekt in Zukunft im Tüftler-Raum, dem "Maker-Space" des Schillers, fertig stellen.

Für die digitale Zukunft von innen heraus gerüstet

Viele haben in diesen Tagen zum ersten Mal programmiert, so auch eine Kleingruppe, die ein elektronisches Klassenbuch entworfen hat, auf und in das Lehrer Zugriff und Schüler Einblick erhalten sollen. Aber auch an einer Lösung für die lange Mensa Schlange zum Anstehen bei der Essensausgabe wurde gearbeitet: Mit einem Chip-System, sollen Schüler aufgerufen werden, wenn sie an der Reihe sind, wer wartet kann sich also setzen. Auf zu viel Lautstärke bei einer Klassenarbeit mit einem Lautstärkesensor hinweisen, Luftqualität im Klassenzimmer messen und gegebenenfalls lüften oder eine Lehrer-Status-Anzeige einführen, auf der Schüler auf einen Blick erkennen können, welche Lehrer sich gerade im Lehrerzimmer aufhalten: Dem Ideenreichtum der Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnte unter der Aufsicht von vier studentischen Mentoren aus ganz verschiedenen Bereichen von Naturwissenschaft und Technik freien Lauf gelassen werden.

Werden die Projekte im "Maker-Space" der Schule weiterverfolgt, so kann in Zukunft vielleicht jeder per Kartenlesegerät in den Fahrradkeller, der registriert ist, wer trainieren möchte, kann den Kraftraum, ebenfalls mit Chip oder Karte, betreten. Und wer einen Überblick über die Schule bekommen möchte, kann einen Blick auf den in drei Tagen entwickelten Anzeigenbildschirm werfen, auf dem zwei Schüler einen Überblick von schul-bezogenen Statistiken zusammengestellt haben. Es wirkt, als wäre das Schiller-Gymnasium für eine digitale Zukunft von innen heraus gerüstet.