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08. Juni 2011
Große Unsicherheit bei den Käufern
BZ-UMFRAGE: Auf dem Offenburger Wochenmarkt greifen die Kunden zwar zu regionalen Produkten, doch Ehec ist Dauerthema.
OFFENBURG. Erst wurden Gurken von der iberischen Halbinsel verdächtigt, jetzt sind Sprossen aus Niedersachsen an der Reihe: Noch immer ist unklar, woher die gefährlichen Ehec-Keime stammen. Bei den Verbrauchern herrscht allgemeine Verunsicherung. Ob sich diese auch auf das Kaufverhalten beim Offenburger Wochenmarkt auswirkt, wollte Gertrude Siefke wissen, die sich gestern bei den Beschickern und Kunden umgehört hatte.
"Spanische Ware wird abgelehnt." Diese Erfahrung hat Claudia Grieble in den vergangenen Tagen gemacht. Die Mitarbeiterin am Demeter-Stand auf dem Lindenplatz spürt eine große Unsicherheit bei den Käufern. Noch stärker als sonst werde nach den eigenen Produkten gefragt. Die Kunden bevorzugten deutsche Waren, auch Tomaten aus Italien werden sehr kritisch beäugt. Grieble selbst bedauert die Betriebe, die durch die Nachrichten "kaputt gemacht werden". Dem Absatz des eigenen Demeter-Gemüses freilich komme die Verunsicherung entgegen. Es werde ja immer noch gewarnt, ein Ende sei nicht in Sicht.Auch Jutta Gutmann-Rähle merkt die Irritation der Leute. Sie verkauft fast ausschließlich eigenes Gemüse, im Sommer verständlicherweise noch mehr als im Winter. Die Pflanzen bezieht sie von einer zertifizierten Gärtnerei: "Ich kann den Leuten zeigen, dass die Sachen weder mit Stallmist noch mit Gülle gedüngt wurden." Ihre eigenen Gurken und Tomaten machen derzeit das Rennen, insofern profitiere sie von dem Ausbruch der Seuche, auch wenn sie es so nicht ausdrücken möchte.
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Josef Männle findet die vielen Nachfragen der Kunden "fast schon nervend", andererseits "möchte man Auskunft geben". Der Mann aus Reichenbach, der selbst seit 29 Jahren auf dem Wochenmarkt steht, setzt auf seine regionalen und eigenen Waren. "Die Leute gehen ja deshalb auf den Markt, weil sie hier Produkte aus der näheren Umgebung bekommen." Die "Skandal-Reportagen" hätten zu einer großen Verunsicherung geführt. Natürlich müsse es ernst genommen werden, wenn so viele Menschen erkranken. Aber wenn man nicht wisse, wo der Erreger herkomme, sollte die ganze Geschichte etwas dezenter angegangen werden. Männle erinnert an den jüngsten Dioxin-Skandal und die Rinderseuche vor einigen Jahren: "Wir haben uns schon von einigen Kampagnen erholt."
Klaus Stulz aus Lahr muss ebenfalls an die "BSE-Geschichte" denken: "Das ist durchaus vergleichbar." Wenn es noch 14 Tage so weitergehe, könnten viele Betriebe einpacken: "Das kann doch nicht wahr sein." Ausgerechnet jetzt, wo der Salat so richtig reif sei, würden die Leute verunsichert: "Ich frage mich schon, ob das sein muss."
Am Samstag habe eine Kundin erklärt, dass sie keinen Salat mehr esse. "Ich frage mich, was die Leute denn überhaupt noch zu sich nehmen?" Außer den Südfrüchten stamme alles aus eigener Produktion oder zumindest aus der nächstem Umgebung: "Das ist alles kein Problem." Man müsse die Kirche im Dorf lassen. Mit zwei prall gefüllten Einkaufskörben geht Renate Huber die Steinstraße entlang. Die 54-Jährige winkt ab: "Alles Panikmache", sagt sie und schüttelt den Kopf. "Ich stelle doch jetzt meine Ernährung nicht um – warum auch?" Sie achte wie sonst auch darauf, dass das Gemüse aus der Region komme. "Vielleicht wasche ich die Gurken etwas sorgfältiger als sonst", räumt sie dann doch ein. Für sie steht fest: "Heimisches Gemüse ist immer noch besser als Dosennahrung."
Auch Gerhard Filber ist davon überzeugt: "Was auf den Markt kommt, das kann gegessen werden." Der 68-jährige Rentner greift zum grünen Salatkopf: "Mich halten die Vitamine fit."
Eine jüngere Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, erklärt hingegen: "Nachfragen schadet nichts." Sie wolle wissen, woher die Sachen kommen. Unbewusst habe sie sich in den letzten Tagen beim Gemüse zurückgehalten. Lieber ein ordentliches Steak. Zumindest bis zum nächsten BSE-Skandal...
Autor: ges
