Halt, Wärme und eine Tasse Kaffee

Barbara Puppe

Von Barbara Puppe

Do, 06. Dezember 2018

Offenburg

Bahnhofsmission startet unter dem Motto "Eine Tasse Menschlichkeit" einen Aufruf zu Sachspenden / Helfer immer willkommen.

OFFENBURG. Das Motto heißt wieder "Eine Tasse Menschlichkeit". Die Herbst-Winter-Aktion der Bahnhofsmission Offenburg geht in die dritte Runde. Gebraucht werden Sachspenden wie Kaffee, Plätzchen, Schokoriegel, aber auch Kosmetikartikel, Schlafsäcke und Decken.

In den Räumen auf Bahnsteig 1 ist es gemütlich warm, es duftet nach Kaffee, jemand hat Kuchen abgegeben, manchmal stehen Blumen auf dem Tisch, im Advent brennt oft eine Kerze. "Hier gibt es einen Kaffee oder Tee, wir bieten die Möglichkeit ein Gespräch anzufangen oder auch einfach nur da zu sein, erklärt Andreas Hornung, Leiter der Bahnhofsmission Offenburg. Die Tasse Kaffee sei ein Grundbedürfnis, sie sei aber noch viel mehr, nämlich Zuwendung, Halt und Wärme, eben Menschlichkeit, oder anders ausgedrückt Nächstenliebe. Als Einrichtung des Katholischen Verbandes IN VIA, Frauen-und Mädchensozialarbeit in Freiburg sei die Bahnhofsmission "gelebte Kirche am Bahnhof".

Gerade in der dunklen Jahreszeit rücken bei der Bahnhofsmission vermehrt Themen wie Einsamkeit, Altersarmut, Wohnungsnot oder psychische Erkrankungen in den Fokus, sagt Hornung. Da sind die Helfer in den blauen Jacken, oft die erste Anlaufstelle, denn der Bahnhof sei Treffpunkt für alle Bevölkerungsschichten und so etwas, wie der Seismograph der Gesellschaft. Themen, die man gerne wegschiebe, seien hier präsent, insbesondere Wohnungslosigkeit sei mehr als aktuell.

Ursprünglich kümmerten sich die "blauen Engel" am Bahnhof um Mädchen und junge Frauen, die um die Jahrhundertwende auf der Suche nach Arbeit von den Dörfern in die Städte reisten und Gefahr liefen, ausgenutzt zu werden. Heute hilft die Bahnhofsmission jedem kostenlos bei allen Notfällen am Bahnhof. Wenn die Brieftasche gestohlen wurde, die Wartezeit bis zur Weiterfahrt überbrückt werden muss, eine Mutter mit Kinderwagen unterwegs ist, ältere Menschen oder Rollstuhlfahrer Ein-und Umsteigehilfen benötigen, oder allein reisende Kinder und Jugendliche betreut werden müssen. "Bahnhofsmission mobil" ist ein zusätzliches Angebot, das Menschen innerhalb Baden-Württembergs auf der ganzen Fahrt begleitet. Die Bahnhofsmission vermittelt auch weiter, beispielsweise an das Ursulaheim, die Wärmestube, den Kälteschutz oder andere Fachstellen in Offenburger und der Ortenau . "Da sind wir bestens vernetzt", sagt Hornung.

Die Herbst-Winter-Aktion der Offenburger Bahnhofsmission war bereits in den beiden vergangenen Jahren ein Erfolg, freut sich der Leiter der Einrichtung. Auch in diesem Jahr würden wieder Kaffee und Tee gebraucht, die dann kostenlos ausgeschenkt würden. Schön dazu wären Schokolade, Kekse, Müsliriegel und Sachen, die sich auch über einen längeren Zeitraum halten. Weil die Bahnhofsmission gerade um einen zusätzlichen Lagerraum erweitert werden konnte sei auch Platz für weitere Spenden (siehe Info). "Fragen Sie uns dazu bitte direkt an", so Hornung. Außerdem sei ein Raum freigemacht worden, der die Möglichkeit bietet, sich auch einmal zurückzuziehen.

Aktuell arbeiten zehn Ehrenamtliche bei der Bahnhofsmission Offenburg , weitere ehrenamtliche Helfer sind gern willkommen. "Bedarf ist immer", meint Hornung. Deshalb wirbt die Bahnhofsmission gerade mit dem Slogan "Zeitspender gesucht". Man könne auch individuelle Zeiten absprechen, die Arbeit sei "kunterbunt". Oft genüge es auch, einfach da zu sein für Menschen, die vielleicht draußen geschlafen haben und sich aufwärmen wollen.