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24. Februar 2011 09:45 Uhr

Rheintalstrecke

Herrenknecht: "Große Chancen für einen Tunnel"

Seine Stimme hat Gewicht: Martin Herrenknecht, dessen Unternehmen Weltmarktführer in Sachen Tunnelbohrtechnik ist, ist in der Debatte um die Rheintalbahn ganz gewiss kein Laie. Was sagt er zu den Tunnel-Plänen in Offenburg?

  1. Martin Herrenknecht beurteilt die Chancen auf einen Bahntunnel in der Ortenau als „absolut positiv“. Foto: privat

OFFENBURG. Martin Herrenknecht (69) bringt sich seit Jahren aktiv in die Trassendebatte über den Ausbau der Rheintalbahn ein. Am Dienstagabend kam der Schwanauer Vorzeigeunternehmer nach Offenburg, um in der Rüdiger-Hurrle-Halle ein von seinen Auszubildenden gefertigtes Trainingsgerät als Spende für die Leichtathleten der Region zu übergeben. Am Rande der Veranstaltung sprach Helmut Seller mit Martin Herrenknecht über die neuesten Entwicklungen bei der Bahnplanung.

BZ: Herr Herrenknecht, in diesen Tagen haben die Probebohrungen für einen Tunnel in Offenburg begonnen. Wie beurteilen Sie die Chancen, dass ein solcher Tunnel möglich wird?
Herrenknecht: Absolut positiv! Ich erwarte keine Überraschungen durch die Bohrungen. Wenn Sie die Rheinebene anschauen, dann haben wir da Kies und Feinkies bis in 45 Meter Tiefe. In Straßburg haben wir in 40 Meter Tiefe Tunnel für die Tramway gebaut, die absolut wasserdicht sind. Ich erwarte hier im Rheintal die gleiche Geologie wie drüben in Straßburg. Das kann man geologisch auch bei den Baggerseen in Kippenheim sehen – da gehen Sie auch runter bis auf 45 Meter und dann treffen Sie auf eine harte Lehmschicht. Also ich sehe da große Chancen.

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"Mit zwei Röhren wird der Tunnel doppelt so teuer." Martin Herrenknecht
BZ: Einröhrig nur für Güterzüge, wie es die Stadt will oder zweiröhrig auch für Personenzüge, wie es aus Sicht der Bahn mehr Flexibilität bringt?

Herrenknecht:
Mit einer Röhre für Güterzüge, wie es Oberbürgermeisterin Schreiner fordert, wird sichergestellt, dass der ICE nicht an Offenburg vorbei fährt. Mit zwei Röhren wird der Tunnel auch doppelt so teuer: Sie müssen alle 300 Meter einen Querschlag machen für den Personenzugverkehr und brauchen alle 1000 Meter einen Vertikalschacht für den Güterverkehr.

BZ: Was sagen Sie zu der Tatsache, dass das Regierungspräsidium die von der Bahn geplante A-3-Trasse klar zurückgewiesen hat?
Herrenknecht: Es war richtig, wie der Regierungspräsident entschieden und dass er Farbe bekannt hat. Es ist unverantwortlich, 400 bis 500 Güterzüge im Jahr 2025 durch Offenburg zu jagen. Die Trasse wird ja für die nächsten 100 Jahre bleiben. Jetzt gilt es, eine Trasse zu suchen, die eine politische Akzeptanz findet. Wir haben noch kritische Punkte – Stichworte sind Herbolzheim, Ringsheim und die Überwerfungsbauwerke. Dieser Blödsinn muss weg! Wenn die Gütertrasse in Tieflage an der Autobahn entlang geführt wird, also in Tieflagen mit Kastenprofil bei Ettenheim und in Herbolzheim, und dort dann die dritte Autobahnspur drübergelegt wird, dann sparen wir Platz und Kosten und müssen auch keine Firmen umsiedeln. Das findet sicher Akzeptanz.

BZ: Sie haben selbst schon eine ganze Menge Geld in die Hand genommen, um eine Trasse zu entwickeln. Warum?
Herrenknecht: Für die Region. Es ist wichtig, dass wir einen Konsens bekommen. Wenn man weltweit herumkommt, dann sucht man Lösungen, die für alle akzeptabel sind.

BZ: In Offenburg gibt es auch eine Initiative, die sich gegen einen Tunnel unter Wohnbebauung wehrt. Ist ein solcher Tunnel aus Ihrer Sicht tatsächlich ein Problem?

"Lieber ein bisschen weiter aus der Stadt rausfahren mit dem Tunnel, damit man die Güterzüge nicht unter Wohnhäusern durchführen muss." Martin Herrenknecht
Herrenknecht: In Zürich haben wir unter Wohngebiet Tunnel mit einer Überdeckung von nur sechs Metern gebaut. Aber ich glaube dennoch, wir sollten eine Trasse finden, bei der möglichst wenige Wohnhäuser betroffen sind. Das heißt: Lieber ein bisschen weiter aus der Stadt rausfahren mit dem Tunnel, damit man die Güterzüge nicht unter Wohnhäusern durchführen muss.

BZ: Ist eine solche Trasse zu finden?
Herrenknecht: Ja, die ist zu finden. Wo ein Wille ist, ist ein Weg. Und ich glaube, wir dürfen uns nicht von Berlin oder vom Eisenbahnbundesamt vorschreiben lassen, was wir bauen. Jetzt muss einfach eine Strecke gefunden werden, die die größtmögliche Akzeptanz findet. Es ist ja auch verständlich, dass zum Beispiel Lahr an die Autobahn möchte und Herbolzheim keine Überwerfungsbauwerke von sieben Meter Höhe will. Das wäre auch absolut idiotisch, denn dann kommt ja dort erst recht der Lärm durch.

BZ: Bleibt am Ende die Kostenfrage für den Offenburger Tunnel und zusätzliche Tieflagen – ist die zu lösen?
Herrenknecht: Die ist zu lösen. Ich behaupte sogar, wenn die Bahn gegenüber ihrer bisherigen Planung den ganzen Schallschutz ohne den Schienenbonus berücksichtigen muss, dann wird es nicht viel teurer. Im Übrigen: Nach Stuttgart 21 brauchen wir jetzt erst einmal Konsens. Wir müssen weg von den ganzen ideologischen Planfeststellungen und Prüfungen und erst einmal die Trasse mit der größtmöglichen Akzeptanz finden. Es gibt immer Betroffene – aber deren Zahl muss man so gering wie möglich halten.

Zur Person: Martin Herrenknecht

Martin Herrenknecht wurde am 24. Juni 1942 in Lahr geboren und lebt in Schwanau-Allmannsweier. Der von ihm gegründete Konzern erwirtschaftete 2009 mit weltweit mehr als 3000 Beschäftigten und 65 Tochterfirmen einen Umsatz von 866 Millionen Euro. Für mehr als 200 000 Euro ließ der weltweit führende Tunnelbohrmaschinen-Hersteller eigene Bahnplanungen entwerfen, um "endlich an eine Lösung zu kommen, die im Gegensatz zu den Bahnplänen die Verkehrsproblematik für Jahrzehnte auch wirklich löst", wie er schon 2007 sagte.

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Autor: hsl