Im Malerturm fertigte sie fein psychologisierende Porträts

Susanne Ramm-Weber

Von Susanne Ramm-Weber

Do, 09. Juni 2016

Offenburg

Die Malerin Alexandra von Berckholtz (1921 bis 1899) führte ihre Karriere von Ortenberg nach Paris, Nizza und München.

OFFENBURG. Vor etlichen Jahren, 2001, sind in Ortenberg Werke der Malerin Alexandra von Berckholtz (1821 bis 1899) gezeigt worden. Nun hat auf Einladung des Frauenclubs Soroptimist International Deutschland die Kunsthistorikerin Natalie Gutgesell aus Bad Staffelstein das Leben und Wirken der in Riga geborenen Ortenberger Malerin in einem lebendig gehaltenen Vortrag im Offenburger Ritterhausmuseum beleuchtet.

Als jüngstes von acht Kindern gelangte die Malerin über Karlsruhe (1830) nach Ortenberg, wo ihr Vater, Gabriel Leonhard von Berckholtz das ruinöse Schloss von 1838 bis 1843 wiederaufbauen ließ. Im sogenannten "Malerturm", in dem sich heute das Trauzimmer des Standesamtes befindet, hatte sie ihr Atelier. Das Porträt des Vaters, das sich wie einige andere Gemälde der Malerin im Depot des Ritterhausmuseums befindet, stand zur Ansicht im Original zur Verfügung.

In ihrem Vortrag wies Natalie Gutgesell ausführlich auf die verwandtschaftlichen Verflechtungen etwa mit der Familie von Moltke hin, in die zwei Berckholtz-Schwestern, Natalie und Sofia, eingeheiratet hatten und beleuchtete das gesellschaftliche Umfeld. Alexandra von Berckholtz begann ihre malerische Ausbildung zunächst, 1841, bei dem Karlsruher Hofmaler und Fotografen Ludwig Wagner, und vervollständigte sie dann von 1848 bis 1854 in Paris, wo ein Onkel lebte, bei dem Historienmaler Joseph Robert-Fleury. Ihr Name ist in einer Kopistenliste des Louvre von 1850 verzeichnet. 1854 hatte sie dann in Karlsruhe Unterricht bei Richard Lauchert und eventuell bei Franz Xaver Winterhalter. Auch eine Begegnung mit dem Maler Anselm Feuerbach, der sich 1854 bis 1855 in Karlsruhe aufhielt, ist wahrscheinlich. 1864 kann ein Aufenthalt Alexandra von Berckholtz‘ in Nizza nachgewiesen werden und von 1865 bis zu ihrem Tod 1899 lebt sie in München, wo sie dem Kreis um den "Malerfürsten" Franz von Lenbach angehört. Beigesetzt wurde sie in der Familiengruft auf dem Bühlwegfriedhof in Ortenberg.

Alexandra von Berckholtz hat vor allem Porträts von Persönlichkeiten aus ihrem Umfeld gemalt, den adligen Damen der Salons, beispielsweise im Jahr 1869 die "fascinierende Miss Florence Osborn", wie ein Lexikon-Eintrag von 1904 erwähnt. Am Beispiel zweier Porträts der elfjährigen Luise von Schkopp erläuterte Natalie Gutgesell die malerischen Fähigkeiten der Alexandra von Berckholtz. Während das eine Porträt distanzierter, flacher wirkt, ist das andere, in dem der Hintergrund nicht neutral gehalten ist, sondern ein Stück Landschaft zeigt, lebensechter, psychologischer im Ausdruck und malerischer dargestellt. Damit entferne sie sich von den Gepflogenheiten des Adelsporträts, dem seinerzeit nach den geltenden Konventionen eine würdige Strenge zukommen sollte. Insgesamt sind 28 Gemälde von Alexandra von Berckholtz bekannt, sieben Aquarelle und 14 Zeichnungen. Die Malerin hat sich an Ausstellungen in München und auch in Berlin beteiligt. Sie hat sich in späteren Jahren auch dem Stillleben und dem Blumenporträt zugewandt. Außerdem hat sie ein großzügiges Mäzenatentum gepflegt, wie ihr Testament ausweist.

Die Kunsthistorikerin Natalie Gutgesell ist weiterhin auf der Suche nach Informationen über die Künstlerin, lässt sie das Publikum wissen. Sie plant, ihre Forschungen im März 1017 zu publizieren. Kontakt: http://www.nataliegutgesell.de