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17. März 2009

In einem kalten Loch fing alles an

Kaltloch-Herrengesellschaft

OFFENBURG. Bald werden es 150 Jahre sein, dass sich in Offenburg Bürger in der Herrengesellschaft "Kaltloch" zusammenfanden. In Erinnerung an die Demokratiebewegung von 1848, an der viele von ihnen aktiv beteiligt gewesen waren, wählten sie das freie, offene Wort zum Wahlspruch ihrer jungen Gesellschaft. Man traf sich anfangs in einer düsteren, kalten Wirtschaft in der Metzgergasse – und machte daraus den Namen der Vereinigung. Längst residiert man natürlich in wärmerer Umgebung.

Seit Jahren ist die Ortenberger "Krone" das gern und zahlreich aufgesuchte Stammlokal. Dort feierte die illustre Gesellschaft jüngst ihr 145. Stiftungsfest, traditionell mit Bohnensuppe und Bretzeln. Die 40 Ritter wurden von Hochmeister Heribert Hauschild herzlich begrüßt, der zunächst das "unbegrenzte Wohlwollen" (Speis und Trank frei!) verkündete und dann die ehrwürdige Hymne, das Kaltloch-Lied des Lahrer Dichters Ludwig Eichrodt von 1879 anstimmte. Bis hoch zum Ortenberger Schloß war es zu hören: "Die Freundschaft erliegt nicht dem frostigen Zwang…"

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Ein liebevoll gepflegtes Ritual nahm dann seinen Lauf: der Ritterschlag eines neuen Mitgliedes. Joachim Bahr, ein "Wilhelmsträßer" von echtem Schrot und Korn, hatte sich in der Anwartszeit als in hohem Maße für die Aufnahme geeignet gezeigt. Und so konnte ihm der Hochmeister in Anwesenheit des Kapitels die Urkunde überreichen, die ihn zum vollwertigen Mitglied der Herrengesellschaft macht.

Die Dramaturgie des Ritterschlages ist übrigens ein Erlebnis für sich. Ganz besondere Texte und Lieder werden seit Jahren hier verwandt. Nach einem kunstvoll verfassten Begrüßungsgedicht für den neuen Ritter, das Heinz Litterst in wohlgesetzten Worten vortrug, konnte Joachim Bahr selbst erstmals vor der Versammlung sprechen und sich vorstellen. Dass es eine humorvolle Rede wurde wird keinen verwundern.

Mit dem Badnerlied endete der Abend – eine sinnvolle Bekundung, ist doch die Kaltloch-Gesellschaft Offenburg eine von mittlerweile nur noch zehn Badischen Herrengesellschaften. Aber der erneute Ritterschlag lässt doch hoffen: Das Ideal der "freien Bürger in freien Gesellschaften" lebt.

Autor: Martin Ruch