In ständiger Angst vor der Abschiebung

Dominique Bergen

Von Dominique Bergen

Do, 26. April 2018

Offenburg

Flüchtlingshilfe Rebland setzt sich für eine Bleibeperspektive von Flüchtlingen ein, die sich engagiert um Integration bemühen.

OFFENBURG. Vielen nicht anerkannten Flüchtlingen aus Gambia und Afghanistan droht allen Bemühungen um Integration und Deutschkenntnisse die Abschiebung in ihr Heimatland. Doch bei Flüchtlingen, die sich in sich integrieren wollen, sich in ihrer neuen Umgebung zurechtfinden und motiviert sind, ist eine Abschiebung aus Sicht von Heribert Schramm Unsinn. Der Mitbegründer der Flüchtlingshilfe Rebland schilderte beim jüngsten Treffen am Dienstagabend bei der Johannes-Brenz-Gemeinde, dass betroffene Flüchtlinge ständig unter Angst vor Abschiebung leiden – bis hin zu massiven Zukunftsängsten. Viele müssten mit einer Duldung leben, die innerhalb kurzer Frist aufgehoben werden könne.

Um nicht abgeschoben zu werden, müssen die Flüchtlinge entweder anerkannt werden oder eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Wenn Abschiebung drohe, dann sollten Betroffene sofort Klage einreichen, rät Reinhard Kirpes, Rechtsanwalt und Mitinitiator der Initiative "Zu-Flucht Offenburg". Kirpes vertritt eine Reihe von Flüchtlingen vor dem Verwaltungsgericht Freiburg. Auch aus seiner Sicht spielen ein Ausbildungs- oder Arbeitsplatz sowie die Beherrschung der deutschen Sprache die größte Rolle zur erfolgreichen Integration.

Zwei Flüchtlinge aus Gambia, Suraharta Tunkara und Bakary Chatty verdienen als Auszubildende jeweils 630 Euro pro Monat, wobei sie für die Wohnungsmiete schon 350 Euro aufbringen müssen. Bakary macht eine Ausbildung zum Gärtner bei der Firma Hopp in Rammersweier und Suraharta eine Ausbildung zum Koch in der "Bleiche". Das schilderte die Offenburger Künstlerin Angelika Nain, die wegen ihres Einsatzes um gambische Flüchtlinge auch "Mama Gambia" genannt wird und sich auch um die beiden jungen Gambier kümmert. Beide hätten sich ihre Deutschkurse durch Sparen eigenständig finanziert. Nain schilderte vor der Flüchtlingshilfe Rebland, dass die meisten Flüchtlinge aus Gambia keine Geburtsurkunde besäßen und einen deutschen Pass brauchten.

Wie bei vielen weiteren gambischen Flüchtlingen wurde auch bei Suraharta und Bakary der Asylantrag abgelehnt. Sie versuchen nun, mit Hilfe eines Rechtsanwalts doch noch ein Bleiberecht zu erwirken. Alle bemühten sich weiterhin engagiert um ihre Integration und hätten schon sehr lange vor der Ablehnung ihres Asyleintrags, mit dem Deutschlernen begonnen.

Reinhard Kirpes rät Betroffenen, mit ihren Betreuern auch über Traumata und schreckliche Erlebnisse auf oder vor der Flucht zu sprechen. Auch daraus könne unter Umständen ein Grund für den weiteren Aufenthalt in Deutschland abgeleitet werden. Die Flüchtlinge selbst beteuerten beim jüngsten Treffen der Reblandhilfe, dass es in ihren Heimatländern keine Sicherheit gebe. In Deutschland aber könnten sie sich sicher fühlen.