Kaffeeprojekt ermöglicht würdiges Leben

Barbara Puppe

Von Barbara Puppe

Mi, 29. August 2018

Offenburg

Arnolds Kaffeemanufaktur bekam Besuch von Projektpartnern aus Lampocoy in Guatemala.

OFFENBURG. Das Kaffeestübchen in der Spitalstraße ist bekannt für guten Kaffee und gemütliches Ambiente. Inhaber Jens Arnold betreibt seit 2012 Arnolds Kaffeemanufaktur, 20 verschiedene Kaffees und Mischungen hat er im Angebot und fast seit Beginn auch Kaffee aus Lampocoy, einem Kaffeeprojekt im Nordosten von Guatemala. Seit er im Januar 2016 das Dorf und verschiedene Kaffeefarmen in der Region besucht und dabei einen Eindruck von der Arbeit bekommen hat, ist er beeindruckt: "Ich wusste vorher gar nicht, wie viel Mühe und Arbeit es bereitet, bis der Kaffee von der Pflanze in die Tasse kommt".

Für ihn stehe die Qualität im Vordergrund, und von dem Kaffee sei er überzeugt. Er wird als Gourmetkaffee beschrieben mit Noten von Schokolade, Nuss, Karamell und einer sehr feinen Säure. Wichtig sei ihm auch, dass der Kaffee fair gehandelt ist, das heißt, die Bauern bekommen mehr Geld als den Weltmarktpreis. Der sei momentan im Keller. Für den Kaffee aus Lampocoy zahlen die Projektpartner mehr als 50 Prozent über dem Weltmarkpreis und ermöglichen den Menschen ein Leben in Würde. Dafür greifen die Kaffeegenießer auch in Arnolds Kaffeemanufaktur gern etwas tiefer in die Tasche.

Projektkoordinator Dethlev Cordts und seine Frau Milvia Pineda besuchen derzeit ihre Kunden in fünf Ländern Europas und waren am Montag in Offenburg zu Gast. Der Fernsehjournalist war 2011 in Guatemala und hat dort seine Frau kennengelernt. Beim Besuch bei der Familie im Dorf habe er erlebt, wie mühsam es ist, Kaffee anzubauen und zu ernten, und wollte den Menschen helfen. "Die Leute dort sind arm, sie leben in ihren Lehmhütten mit Wellblechdächern mit zehn bis zwölf Personen in einem Raum, ernähren sich von Gemüse aus dem eigenen Garten und wissen oft nicht, was sie morgen zu essen haben", so der Journalist.

Von der hochwertigen Qualität des Kaffees beeindruckt, begann er das Kaffeeprojekt aufzubauen. Drei Sack Kaffee habe er zunächst gekauft und per Luftfracht nach Deutschland bringen lassen. Dort wurden Kaffeeröster gesucht, grüner Rohkaffee als Muster verschickt. So sei es losgegangen.

Fair, ökologisch, sozial und direkt gehandelt

Zusammen mit einer Kleinbauernkooperative wurden 20 Tonnen produziert, verschickt und verkauft. Inzwischen sind es pro Jahr vier Container und 80 Tonnen, 1100 Sack Rohkaffee. 92 Kleinbauernfamilien teilen sich die Arbeit, ungefähr 1000 Menschen aus Lampocoy und fünf weiteren Dörfern, darunter viele Kinder, profitieren davon. "Wir orientieren uns mit den Preisen nicht am Weltmarkt, sondern daran, was die Menschen für ein einigermaßen würdiges Leben benötigen, daraus machen wir einen Mindestpreis, so etwas wie einen Mindestlohn, den wir für die Kaffeekirschen bezahlen", wie Cordts erklärt. Seit der Kaffee direkt nach Europa verkauft wird, können die Menschen aus dem Projekt ihre Kinder zur Schule schicken, haben jeden Tag etwas zu essen, können Werkzeuge und Kleidung kaufen und zum Arzt und ins Krankenhaus gehen. Drei Schulen und die dazugehörigen Gebäude, Schulküche, sanitäre Einrichtungen, die Zäune um den Schulhof würden gebaut, auch Lehr-und Lernmittel finanziert.

Die Bauern seien damit sehr zufrieden, im Gegenzug werde besonders gute Qualität gefordert, was bedeute, dass nur reife Kaffeekirschen von Hand gepflückt werden und keine Pestizide und kein Kunstdünger eingesetzt werden dürfen. Das sei für die Kaffeeanbauer jedoch kein Problem, denn sie wirtschafteten seit 100 Jahren mit den ihnen gewohnten Methoden mit geschlossenen Nährstoffkreisläufen, also Wiederverwendung aller Nährstoffe, die im Haushalt und auf dem Feld anfallen. Insofern sei der Kaffee fair, ökologisch, sozial und direkt gehandelt, allerdings nicht mit einem Zertifikat versehen. Fair Trade und Bio sei eine Zertifizierung, die viel personellen Aufwand erfordere und viel Geld koste. "Da sagen wir, das sollen lieber die Bauern bekommen", meint Cordts. Dennoch seien ihm Glaubwürdigkeit und Transparenz wichtig. Die Endverbraucher sollten genau nachverfolgen können, wo und wie ihr Kaffee produziert und gehandelt wird. Dazu hat er Filme für das Deutsche Fernsehen gedreht.

Filme stehen auch zur Verfügung bei youtube unter dem Suchbegriff "Lampocoy". Internet: http://www.cafecita.eu