Lust auf Politik machen

Christine Storck

Von Christine Storck

Mo, 05. November 2018

Offenburg

Breites Programm mit Vorträgen, Exkursionen, Filmen und mehr zu 100 Jahre Frauenwahlrecht.

OFFENBURG. Seit 100 Jahren dürfen Frauen in Deutschland wählen und den politischen Diskurs aktiv mitgestalten. Eine kreisweite Veranstaltungsreihe aus Vorträgen, Exkursionen, Filmen Konzerten und einer Ausstellung will bis Juli 2019 die Geschichte und Auswirkung auf das heutige Leben beleuchten. "Frauen müssen immer noch um Gleichberechtigung kämpfen", sagte Offenburgs Oberbürgermeisterin Edith Schreiner bei einem Pressegespräch.

Mutige Pionierinnen kämpften mit Leidenschaft, Energie und Kreativität gegen heftige Widerstände vieler Männer – und mancher Frauen – bis sie am 19. Januar 1919 zum ersten Mal den Reichstag mitwählen konnten. 100 Jahre Frauenwahlrecht seien ein Grund zu feiern und dabei an diejenigen zu erinnern, denen dieses Recht zu verdanken ist, erklärte Regina Geppert, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Offenburg. Außerdem sei es Zeit Bilanz zu ziehen und zu fragen, wie Frauen heute das Recht auf Teilhabe und das im Grundgesetz verbriefte Recht auf Gleichberechtigung nutzen. Das breite Programm der Reihe wende sich an Frauen und Männer gleichermaßen. "In der Politik ist es immer noch nicht selbstverständlich, dass Frauen auf den Listen stehen", sagte Edith Schreiner. Der baden-württembergische Landtag zum Beispiel sei derjenige in Deutschland mit der schlechtesten Frauenquote. "Aber die Frage ist auch, warum wählen Frauen nicht die Frauen, die auf den Listen stehen?" so Schreiner. Mit der Veranstaltungsreihe wollen die Veranstalter und ihre Partner, darunter die Evangelische Erwachsenenbildung Ortenau, das Landratsamt, das Stadtarchiv Kehl, die Hochschule Offenburg oder die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Lust auf Politik und die nächste Kommunalwahl machen. Den Auftakt machte am 23. Oktober, wie berichtet, der Vortrag "Politikerin statt/oder/und Frau" mit anschließender Diskussion im Bürgersaal im Rathaus Achern. Die Journalistin und Forscherin Dorothee Beck ging der Frage nach, wie Politikerinnen heute wahrgenommen werden und wie dies ihre politische Arbeit prägt. "Es existieren immer noch geschlechtsspezifische Stereotype", sagte Regina Geppert. Vom 8. Dezember bis 17. Februar 2019 macht, passend zum Thema, die Wanderausstellung "Demokratie wagen? Baden 1818-1919" des Landesarchivs Baden-Württemberg im Museum im Ritterhaus Offenburg Halt. Darin werde mit noch nie gezeigten Dokumenten und Exponaten der Weg Badens von der Monarchie bis zur Republik nachgezeichnet. In Offenburg soll die Ausstellung durch Exponate aus dem Stadtarchiv ergänzt werden.

Zu einem speziellen "Querbeet-Singen" zum Thema laden Stefan Böhm und Mechtild Fuchs am 11. Januar um 20 Uhr ins KIK. Dabei soll es um das Verhältnis von Männern und Frauen in diversen Facetten gehen – von der frechen Müllerin über das arme, aber wehrhafte Heideröslein bis zum "Cowboy als Mann".

Der Film "Suffragette – Taten statt Worte", am 24. Januar um 19 Uhr in der VHS Offenburg, thematisiert die Anfänge der Frauenbewegung in Großbritannien und stellt dar, dass die Demokratie ohne den Aufbruch der Frauen um Emmeline Pankhurst und Emily Davison anders aussähe. Von April bis Juli 2019 ist eine Story Offenburg Produktion der Jungen Theaterakademie von Annette Müller mit einer Bürgerbühne geplant. Der Bauwagen "Story Offenburg" will in die Offenburger Stadtteile fahren und zu einem Ort werden, wo Ängste erzählt werden können und Bürger Gehör finden. Aus dem Material soll ein dokumentarisches Theaterprojekt entstehen.

Mit einem Wettbewerb der Stadt Offenburg unter dem Motto "Alle mischen mit – Teilhabe gerecht gestalten" sollen Schüler der Klassen eins bis 13 animiert werden, ihre Ideen zum Thema Kinderrechte, Inklusion und Frauenrechte kreativ zu gestalten. "Wir sind mit Recht stolz auf die 13 Offenburger Forderungen für Demokratie, auch wenn die Revolutionäre die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder Kinderrechte nicht berücksichtigt haben", sagte Edith Schreiner. Letzter Abgabetermin für Klassen sei der 31. März 2019, die Preisverleihung findet am 4. Juli im Salmen statt.

Info: Das komplette Programm ist im Internet unter http://www.frauen.offenburg.de zu finden. Außerdem liegt ein Heft an vielen verschiedenen Stationen aus, in Offenburg unter anderem im Bürgerbüro, in der Volkshochschule, im Salmen, im Museum oder im Rathaus.