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17. Dezember 2012

Kunst und Leben

Madeline Juno: Ein Sabbatjahr für die Gesangskarriere

KUNST UND LEBEN: Madeline Juno (17) aus Offenburg.

  1. Madeline Juno Foto: Rob

OFFENBURG. Die Offenburger Songschreiberin und Sängerin Madeline Juno arbeitet gerade in einem Hamburger Studio an ihrer ersten CD, die fünf A-cappella-Jungs von "Anders" aus Heidelberg haben das bereits hinter sich. Am Freitagabend teilte man sich im ausverkauften KiK auf dem Offenburger Kulturforum die Bühne.

"Anders" sind den Offenburg A-Cappella-Cracks "High Five" nicht unähnlich. Auch sie fanden sich als Schüler zusammen und schreiben lustige Songs über Alltagsprobleme: Da werden witzige Missgeschicke aufgezählt, und im Refrain resümiert man: "Nimm’s nicht so schwer." Die Heidelberger haben etliche, superschön arrangierte Coverversionen im Programm. Bei "In My Place" von Coldplay zeigen sich ihre Qualitäten sehr schön: Zartes Stimmgeflecht, prägnante Mundpercussion, kernige Basslinien. Sehr schön ist auch "Skyfall" arrangiert, die Titelmelodie des aktuellen Bond-Films. Tropfende Töne gleiten in das Thema mit seiner aufsteigenden Linie, das sich immer mehr verdichtet bis zum Refrain. Dann allerdings fehlt dem Leadgesang die Durchschlagskraft für die bei Bond notwendige dramatische Wucht.

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Madeline Juno bestreitet das Vorprogramm, mit Gitarre und eigenen Songs. Sie ist gerade mal 17, und die Songs sind fast alle richtig, richtig gut. Ein Meisterstück ist "Blue in Grey", wobei Blau hier die Farbe der Zuversicht ist, nicht die der Melancholie. "I’m dying to be somebody’s Blue in Grey" singt die junge Offenburgerin, "es verlangt mich, jemandes Zuversicht im Grau zu sein." Der Song ist eine Ballade, ruhiger Fluss, schöne Melodie.

Madeline findet schöne Bilder und Themen: "If This Was A Movie" vergleicht die Beziehungen im realen Leben mit denen, die man in den romantischen Kino-Komödien zu sehen bekommt. Um Liebe geht es oft, darum, ob man nun zusammen ist oder nicht, und was man vom Zusammensein erwartet – im Grunde die Suche um dem Platz im eigenen Leben wie in dem eines Gegenüber.

Ein Knaller ist "Herzchen". Betrug und rächt ein lyrisches Ich nun per Song: "Herzchen, ach du Ärmster, ich schreib Songs, und du tust mir fast ein bisschen leid." Dann wird der Charakter des Ex-Liebsten zu einem selbstbewussten Rhythmus zerpflückt. Das ist "These Boots Are Made For Walking" 2012.

Als Sängerin hat Madeline Qualitäten, und sie wird noch reifen. Sie orientiert sich an der heutigen Art der Phrasierung. Töne werden gezogen, tropfen am Ende einer Zeile oder Silbe ab, es gibt die Sprünge ins Kopfregister. Songs schreibt sie, seit sie 13 war, Gitarre hat sie sich selbst beigebracht. Vor zwei Jahren stellte sie ein paar Sachen ins Internet, und zufällig hat ein richtig wichtiger Produzent das gesehen und ihren Kontakt gesucht. Nun arbeitet sie an ihrer ersten CD und wird ab Frühjahr mit dem Sänger und Schauspieler Tom Beck auf Tournee gehen. Dafür nimmt sie ein Jahr Auszeit vom sozialwissenschaftlichen Gymnasium Lahr. Wichtig für sie: "Dass ich die volle Unterstützung meiner Familie habe. Eltern, Großeltern, Geschwister, die sind alle da heute Abend." Und dass sie ihre eignen Songs singt. "Etwas zu singen, das ich nicht geschrieben habe, kann ich mir nicht vorstellen."

Autor: Robert Ullmann