Pärchen der Zuhälterei angeklagt

Harald Rudolf

Von Harald Rudolf

Do, 19. Januar 2017

Offenburg

Das Opfer soll eine Frau aus Rumänien sein / Mehrere Verhandlungstage sind angesetzt.

OFFENBURG. Ein Paar, seit 20 Jahren liiert, hat sich seit Mittwoch vor dem Schöffengericht am Amtsgericht wegen Zuhälterei und Vergewaltigung zu verantworten. Laut Anklage haben die beiden eine Rumänin im Jahr 2011 zur Prostitution gezwungen. Sie sollen Anzeigen geschaltet und die Kundengespräche geführt haben. Das Geld sollen sie für sich einbehalten haben. Laut Anklage hat der 44 Jahre alte Mann zudem die heute 27-jährige Frau bedroht und geschlagen. Gemeinsam mit seiner 45 Jahre alten Partnerin soll er der Frau außerdem eine Weinflasche vaginal eingeführt haben – deswegen der Vorwurf der Vergewaltigung.

Die angeklagte Prostitution ereignete sich überwiegend in Kehl und Umgebung. In einem Motel in Sand hatte die Rumänin ein Zimmer angemietet. Das angeklagte Paar soll sein Opfer selbst zu Hausbesuchen gefahren haben. Die beiden Angeklagten sollen nach dem Kundengespräch und der Geldübergabe im Wagen gewartet haben, bis die damals 21-jährige Rumänin ihren Dienst verrichtet hatte. Die junge Frau soll laut Anklage von Mai bis September 2011 zur Prostitution gezwungen worden sein. Die beiden in U-Haft befindlichen Angeklagten – sie Bürokauffrau, er Einzelhandelskaufmann – widersprachen der Anklage vehement: Die Taten habe jemand anderer begangen.

Man habe der Rumänin damals Obhut gegeben, Mitleid habe man mit ihr gehabt. Der Prostitution sei sie freiwillig nachgegangen. In Rumänien habe sie bereits seit ihrem 14. Lebensjahr als Prostituierte gearbeitet. "Sie ist mit einem Zuhälter zusammen", erklärte der türkisch stämmige Angeklagte. "Er lebt von ihr, zockt ihr Geld ab." Der 44-Jährige, der in Folge einer selbstständigen Tätigkeit Schulden in einer nach eigenen Angaben unbekannten Höhe hat und sich 2014 in der Schweiz niedergelassen hatte, um ein IT-Unternehmen zu gründen, redete unaufhörlich und unterbrach wiederholt die Vorsitzende Richterin Ute Körner. Die bezeichnete dessen Verhalten bald als "unerträglich". Mit der Prostitution haben die beiden Angeklagten nach eigenen Aussagen nichts zu tun gehabt. Man habe die Frau nie irgendwohin gefahren und den Mietvertrag im Motel auch nicht abgeschlossen. Das Motel bezeichnete der 44-Jährige als "illegales Bordell". Obwohl die Geschädigte wenig Deutsch sprach, habe man ihr nicht geholfen, die zahlreichen Anzeigen aufzugeben. Den Laptop habe man ihr jedoch überlassen.

Widersprüchlich vor Gericht erschien auch das Opfer selbst. Von einer Landsfrau, mit der sie nach Deutschland kam, um in einem Restaurant zu arbeiten, sei sie zu den beiden Angeklagten – "Freunden" – gebracht und dort zurückgelassen worden. Nach kurzer Zeit sei sie dann mit Gewalt zur Prostitution gezwungen worden. An einem Tag will sie von den beiden Angeklagten mit einem Baseballschläger traktiert, mit der Weinflasche missbraucht und mit dem Kopf gegen einen Heizkörper geschlagen worden sein. Auf die Frage, warum sie sich nie über einen Kunden an die Polizei gewandt hatte, erklärte sie: Die Kunden seien alles Freunde der Angeklagten gewesen.

Nachdem ihr gesagt worden sei, man lege das Geld für sie an, habe sie dann freiwillig die Prostitution ausgeübt, erklärte sie. Auf den Fotos für den Internetauftritt erschien sie nach Angaben der Vorsitzenden Richterin weniger bedrückt als nun vor Gericht. Insgesamt werden acht Zeugen in dem auf mehrere Tage anberaumten Prozess gehört.