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10. Oktober 2014

Prostituierte misshandelt

Drei Männer aus Bulgarien wegen Menschenhandels und Körperverletzung angeklagt.

ORTENAU. Wegen gemeinschaftlichen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung haben sich derzeit drei Bulgaren vor dem Amtsgericht Offenburg zu verantworten. Als Mitglieder einer Gruppierung aus Bulgarien sollen sie Frauen und Mädchen aus ihrem Heimatland zur Prostitution auf dem Straßenstrich in Straßburg gezwungen haben. Die Frauen waren alle in der Ortenau untergebracht.

Laut Anklage sind die drei Osteuropäer seit 2010 als Teil einer Gruppierung aus Bulgarien in der Ortenau als Zuhälter tätig gewesen. Die Angeklagten im Alter zwischen 30 und 38 Jahren hatten jeweils Hauptfrauen und Nebenfrauen. Eine Bulgarin, so die Anklage, wurde im Oktober 2011 einem Zuhälter aus Krefeld für 500 Euro abgekauft. Die Angeklagten – vielfache Familienväter und alle jeweils mit einem Baby im Alter von rund acht Monaten – hätten die Arbeitszeiten der Frauen bestimmt sowie Vorgaben zum täglichen Umsatz gemacht. 1000 Euro pro Tag hatten die Zwangsprostituierten zu verdienen und lediglich einen Tag in der Woche frei. Lagen die Umsätze unter der Vorgabe, sind die Frauen bedroht und geschlagen worden. Die Einnahmen hatten die Frauen komplett abzuliefern.

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Untergebracht wurden die Frauen und Mädchen in Hotels und Pensionen in der Ortenau – von Willstätt über Offenburg bis Friesenheim. Im Februar 2012 kam es laut Anklage zu einer Körperverletzung in einem Hotel in Offenburg. Weil sie lediglich 300 statt der geforderten 1000 Euro eingenommen hatte, sei eine Frau geschlagen worden – mit der Faust ins Gesicht. Im Juni 2012 kam es in der Friesenheim er Unterkunft zu einer Auseinandersetzung. Mit einer Reitpeitsche soll einer der Angeklagten eine Frau geschlagen haben. Als der Gastwirt einschritt und an die Zimmertür klopfte, erhielt er laut Anklage einen Faustschlag ins Gesicht.

Die drei Angeklagten machten zum Prozessauftakt keine Angaben zum Anklagepunkt "Zuhälterei und gemeinschaftlicher Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung". Zum zweiten Vorwurf, vorsätzliche Körperverletzung in drei Fällen, äußerten sich hingegen zwei der Angeklagten.

Zu der Auseinandersetzung in dem Gasthaus in Friesenheim räumte einer der Angeklagten die Körperverletzung ein; mit der Reitpeitsche habe er aber nicht geschlagen, ließ er über seinen Verteidiger erklären. Die hochwertige Reitpeitsche habe er für seine Familie in Bulgarien gekauft, die einen Reiterhof besitze. Für den Faustschlag gegen den Gastwirt berief er sich auf Notwehr. Der Wirt hätte ihn nach dem Öffnen der Tür am Hals gepackt und geschubst.

Zu der angeklagten Körperverletzung im Hotel in Offenburg berief sich einer der Angeklagten auf sein Zeugnisverweigerungsrecht, da er auch als Zeuge der Tat in Frage komme. Dem Familiennamen nach sollen zwei der Angeklagten Brüder sein. Ins Rollen kam das Verfahren, da einer Frau im April 2012 die Flucht aus der Zwangsprostitution gelang. Sie wird als Zeugin am nächsten Verhandlungstag, am 24. Oktober, gehört werden. Die Angeklagten befinden sich seit sechs Monaten in Untersuchungshaft.

Autor: Harald Rudolf