Rheintalbahn: Grube pocht nicht auf 2. Tunnelröhre

Helmut Seller

Von Helmut Seller

Fr, 18. Februar 2011 um 20:43 Uhr

Offenburg

Der jüngste Besuch von Bahnchef Rüdiger Grube hat sich aus Sicht der Offenburger gelohnt: Grube will weder Offenburg vom ICE abhängen, noch pocht er gegen den Willen der Stadt auf einen zweiröhrigen Tunnel für Personen- und Güterzüge.

Das erklärte Grube am Freitag gegenüber der BZ am Rande eines Besuchs in Offenburg, wo im Westen erste Probebohrungen für einen Güterzugtunnel gestartet wurden. Die von OB Schreiner gewünschte klare Absage an die A 3-Planung war von Grube indes noch nicht zu hören.

Grubes Zitat zum Nachhören: Offenburg war die erste Station der zweiten Reise des Bahnchefs mit Ministerpräsident Stefan Mappus sowie Verkehrsministerin Tanja Gönner und Wirtschaftsminister Ernst Pfister zu den Brennpunkten an der Rheintalbahn. Etwas enttäuscht verließ Oberbürgermeisterin Edith Schreiner am Freitag das halbstündige Treffen, das von einem großen Medienaufgebot begleitet wurde und im Westen am ersten Bohrpunkt bei Edeka Südwest Edekastraße/Gustav-Heinemann-Straße stattfand: "Ich habe leider nicht gehört, dass die A 3-Planung aufgegeben wird ."

Eine solche klare Verzichtserklärung hatte sich die Oberbürgermeisterin vom Bahnchef in ihrer Begrüßung ausdrücklich gewünscht. Grube beließ es aber bei dem Hinweis, dass die durch das Regierungspräsidium Freiburg zurückgegebenen Planunterlagen derzeit durch die Bahn geprüft und die Ergebnisse zeitnah an das Eisenbahn-Bundesamt weitergeleitet würden. Dafür stellte der Bahnchef nach einem symbolischen Knopfdruck für die erste Probebohrung im Gespräch mit der Badischen Zeitung klar, dass er nicht auf seiner Forderung nach einem zweiröhrigen Güterzugtunnel beharren will: "Ich bin da überhaupt nicht festgelegt. Wenn die Offenburger sagen, sie wollen nur eine Röhre, dann haben wir damit überhaupt kein Problem."

Grube zerstreut ICE-Ängste

Er habe mit seiner vor einigen Monaten gemachten Äußerung lediglich darauf hinweisen wollen, dass ein zweiröhriger Tunnel die Flexibilität erhöhen würde, weil Güter- und Personenzüge in einem einröhrigen Tunnel nie gleichzeitig fahren dürfen. Grube entkräftete auch die Befürchtungen der Stadt, dass bei einem zweiröhrigen Tunnel auch die schnellen Personenzüge an Offenburg vorbei fahren: "Natürlich war überhaupt nicht beabsichtigt, den ICE nicht mehr in Offenburg halten zu lassen." Glaubwürdig wolle man auftreten, so Grube und die in 172 000 Einwendungen geäußerten Stimmen der Bürger "nicht vom Tisch wischen will".

Edith Schreiner hatte zuvor die am Freitag gestarteten Probebohrungen für einen Tunnel unter möglichst wenig Wohnbebauung als große Chance bezeichnet: "Wir haben jetzt die Möglichkeit, nach einer verträglichen Lösung zu suchen." Die Oberbürgermeisterin lobte auch die Arbeit im Projektbeirat, bei dem alle Seiten "auf Augenhöhe" verhandelten. "Wir alle wollen die Rheintalbahn, aber keine Planung gegen die Menschen."

Dass es dies am Oberrhein auch nicht geben wird, bekräftigte Ministerpräsident Stefan Mappus einmal mehr: "Wir haben verstanden, was Stuttgart 21 angeht: Ich will so etwas nie mehr erleben." Dass das Land sich an 50 Prozent der Zusatzkosten für eine verbesserte Bahnplanung beteiligen wird, bestätigte Umwelt- und Verkehrsministerin Tanja Gönner. Auch die 750 000 Euro für die Probebohrungen seien abgesichert: "Wir wussten immer, dass Offenburg der neuralgische Punkt ist und kommen nun der Tunnellösung näher."

Mit Transparenten und Plakaten machten einige Mitglieder der Bürgerinitiative Bahntrasse auf ihre Forderungen aufmerksam. Mutter Martina Merkle vom BI-Vorstand möchte nun "nach all den vielen Worten Taten sehen". Auch für sie ist ausgemacht, dass nur einvernehmlich weitergeplant werden kann: "Es wird nichts mehr ohne die Bürger gehen."

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