Berliner Delegation gegen A-3-Bahntrasse

Rheintalbahn: Schützenhilfe aus dem Bundestag

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Do, 04. November 2010 um 18:09 Uhr

Offenburg

Offenburg hat im Kampf gegen die von der Bahn favorisierte, von den Menschen der Stadt aber abgelehnte A-3-Trasse neuerdings einen mächtigen Mitstreiter: MdB Winfried Hermann.

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages weilte heute zusammen mit weiteren Abgeordneten aller Fraktionen am Bahngraben und sagte gegenüber 80 Zuhörenden: "Auf dieser Trasse kann man nicht zwei weitere Gleise planen." Und weiter: "In Offenburg kann man nicht so weitermachen wie geplant." Er sieht die Politik in der Pflicht, die nötigen Gelder zum Bau eines Tunnels bereitzustellen.

Die wenigen Neugierigen waren schon ziemlich ungeduldig. Immerhin hatten die Mitglieder des Verkehrsausschusses des Bundestages, die gestern die ganze Rheintallinie bereisten, gut 45 Minuten Verspätung, als sie am späten Nachmittag auf der Zauberflötenbrücke eintrafen. Doch dann wurden sie – wohl allesamt Gegner der Bahnpläne, darunter auch die beiden örtlichen MdB Sibylle Laurischk und Elvira Drobinski-Weiß – für ihr Warten belohnt: Vor allem Winfried Hermann, der aus Rottenburg am Neckar stammt, war es, der für seine Worte viel Beifall erhielt. Er sei jetzt bereits das vierte Mal hier in Offenburg, inzwischen sei ihm klar geworden: "Auf dieser Trasse hier kann man nicht zwei weitere Gleise planen!" Er wisse inzwischen, dass ganz Offenburg gegen die von der Bahn favorisierte und geplante A-3-Trasse sei – "und man kann nicht auf Dauer gegen die Interessen einer Stadt planen".

Bürgermeister Dieter Eckert – auch er bekam viel Applaus – hatte noch einmal vehement eine Umplanung gefordert. Es könne auf Dauer nicht angehen, dass künftig nicht nur 160, sondern sogar 300 Güterzüge mitten durch Offenburg rauschten – und dann auch noch mit deutlich erhöhtem Tempo und größerem Lärm. Riesige Lärmschutzwände würden zu einer "Käfighaltung" der Menschen und zu einer "Verhunzung unserer Stadt auf Jahrhunderte hinaus" führen. Bereits die Bauphase – zu befürchten seien rund neun Jahre – würde die Stadt in zwei Hälften teilen. In dieser Zeit, da viele Geschäftswege blockiert seien, würde Offenburg gegenüber den Einkaufsstädten in der Region in Rückstand geraten. Deshalb könne er nur fordern: "Nein zur A 3, ja zum Tunnel!" Eckert verwies diesbezüglich auf einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss und die volle Rückendeckung durch die Bürgerinitiative Bahntrasse (BI). Für deren Vorsitzenden Manfred Wahl geht es nicht mehr um die Alternative A 3 oder Tunnel, sondern darum, dass der Tunnel, der einfach kommen müsse, weit draußen vor der Stadt errichtet werde.

Das vor allem forderte Fred Gelszat von der BI "Kein Tunnel unter Wohnbebauung": Nach den ersten Skizzen müsse man davon ausgehen, dass 100 Wohnhäuser, auch Schulen und Kindertagesstätten von einem Tunnel betroffen wären. Gel-szat forderte einen Tunnel außerhalb jeglicher Wohnhäuser, alternativ könne man sich auch mit einer autobahnparallelen Güterzugtrasse anfreunden. Zu einem kurzen Disput kam es zwischen Bahnplaner Christophe Jacobi und Werner Hoffmann vom Regierungspräsidium. Jacobi hatte behauptet, selbst Gegner hätten die bisherigen – wenn auch umstrittenen – Bahnpläne als "gesetzeskonform" bezeichnet. "Ich kann dem nicht zustimmen", erwiderte Hoffmann. Gerade hinsichtlich der befürchteten Lärmemissionen habe man erhebliche Zweifel.

Die Politik sei nun gefordert, resümierte Winfried Hermann, das Geld aufzutreiben, das für den teureren Tunnel nötig sei. Die Zeiten, da Billigtrassen gebaut wurden, seien vorbei.