So viele Tiere wie noch nie

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Di, 06. November 2018

Offenburg

Der 23. Offenburger Weihnachtscircus feiert am 19. Dezember Premiere / Manege frei bis Dreikönig.

OFFENBURG. Den immer wieder kehrenden Protesten von Tierschutzorganisationen zum Trotz: Beim 23. Offenburger Weihnachtscircus werden so viele Tiere in der Manege auftreten wie wohl nie zuvor. Mit dabei mehrere Tierlehrer, die sich beim renommierten Zirkusfestival von Monte Carlo Höchstnoten verdient haben. Der Circus gastiert vom 19. Dezember bis einschließlich Dreikönig, 6. Januar 2019.

Er gehört inzwischen zu Offenburg, zur Ortenau wie der Christstollen oder der Weihnachtsbaum: der Offenburger Weihnachtscircus. Was Circusdirektorin Anja Oschkinat lange vor der Millenniumswende mit viel Herzblut aufzubauen begonnen hat, ehe sie 2012 aus wirtschaftlichen Gründen ihr "Kind" abgab, übernahmen zur Wintersaison 2012/13 Uwe Gehrmann und Sascha Melnjak.

Gerade Melnjak hatte ein immenses Ass im Ärmel: Der heute 43-Jährige hatte sechs Jahre zuvor den Zirkus Charles Knie gekauft, um mit ihm alle Jahre wieder zwischen März und November quer durch die Lande zu ziehen und an rund 50 Standorten Gastspiele zu veranstalten.

Zudem hat er damals schon mit dem Heilbronner Weihnachtscircus einige Jahre unter Beweis gestellt, dass er das Metier beherrscht. Und er konnte natürlich in Offenburg – und kann es bis heute – auf eine komplette Infrastruktur zurückgreifen. Mag auf Zelt und Wagen auch der Schriftzug "Charles Knie" prangen: Stets war ihm wichtig, für Offenburg eine exklusive Circusproduktion auf die Beine zu stellen. Diese ist längst ein kleines Wirtschaftsunternehmen. Rund 400 000 Euro, hieß es im Vorjahr, habe die damalige Weihnachtssaison gekostet.

Der kommende Offenburger Weihnachtscircus, insgesamt die Nummer 23, ist der siebte Auftritt von "Knie" auf dem Messegelände. Die Besucherzahlen hätten seitdem stetig zugelegt. Im Vorjahr, sagt Patrick Adolph, für die PR zuständig, seien 40 000 Besucher gezählt worden: "Wir möchten diese Zahl weiter steigern." Platz wäre genug. Das Hauptzelt mit der Manege bietet in "Loge", auf "Tribüne" und auf "Rang" 1440 Sitzplätze. Täglich gibt es zwei Vorstellungen – außer Heiligabend und Neujahr. Da bleibt die Manege geschlossen.

Adolph hält angesichts des Umstandes, dass diesmal außergewöhnliche viele Tiere engagiert wurden, einen neuen Besucherrekord für realistisch. Dass einmal mehr Tierschutzorganisationen wieder in Sichtweite des Circus' gegen den Auftritt von Tieren protestieren werden, davon geht er aus: "Wir aber haben in vielen Gesprächen festgestellt, dass viele unserer Besucher unbedingt Tiere sehen wollen." Angesagt seien "die derzeit in Europa wichtigsten Repräsentanten moderner humaner Tierdressuren". Der Engländer Alexander Lacey, bei "Knie"ein alter Bekannter, aber auch schon beim großen amerikanischen "Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus" tätig, wird eine gemischte Raubtiergruppe, Löwen und Tiger, präsentieren. Marek Jama stellt 15 verschiedene Tierarten vor, Pferde wie Kamele, Zebras wie Strauße. Erwin Frankello zeigt Ausschnitte aus seiner Arbeit mit Elefanten und Seelöwen.

Und auch sonst wird einiges geboten: die "Duffy Brothers" im Todesrad, die Mexikanerin Luva Vazquez und ihr Landsmann Juan Pablo Martinez als Jongleure, Clown Mr. Lorenz, die Artisten Armando Liazeed und Henry Quaiser sowie das Duo Medini, Rollschuhkünstler. Mit dabei auch wieder Moderator Sascha Thanner und ein Live-Orchester.

Und wer einmal außerhalb der Gastspielzeiten hinter die Kulissen schauen möchte, kann dies am Sonntag, 23. Dezember tun: Von 11 bis 13 Uhr wird, bei freiem Eintritt, zu einem "Tag der offenen Tür" geladen, samt kommentierter Raubtierprobe.