Training fürs 175-jährige Jubiläum

Ralf Burgmaier

Von Ralf Burgmaier

Di, 11. September 2018

Offenburg

Mit Salmengespräch, Freiheitshock und -fest, an das erstmals das Museumsfest angeschlossen ist, bereitet sich die Stadt auf 2022 vor.

OFFENBURG. Das Offenburger Freiheitsfest setzt auf Wachstum. Zu Trainingszwecken. Schließlich soll in vier Jahren, zum 175-jährigen Geburtstag der 13 Offenburger Forderungen, die ganz große Sause steigen. Deshalb findet am Sonntag, 16. September, das Freiheitsfest um den Salmen erstmals in Verbindung mit dem Museumsfest statt. Los geht’s schon am Mittwoch, 12. September, mit dem Salmengespräch.

Frauen nur auf der Empore
Der 12. September ist das Datum. An diesem Tag des Jahres 1847 fand im Salmen eine Versammlung von Badens demokratischen Kräften statt, bei der die 13 Forderungen nach demokratischen Grundrechten verabschiedet wurden. Das war historisch, denn sowohl die Weimarer Verfassung als auch das Grundgesetz der Bundesrepublik fußen auf ihnen.

Doch die Hälfte der Gesellschaft blieb außen vor. Die Frauen durften nicht aufs Saalparkett, als Chefrevoluzzer Friedrich Hecker sich die Forderungen von der Versammlung bestätigen ließ. Sie hatten allenfalls auf der Empore eine Zuschauerrolle, wie Carmen Lötsch, Fachbereichsleiterin Kultur der Stadt, erklärt, warum beim mittlerweile 14. Salmengespräch am Mittwoch, 20 Uhr, im Salmen (Lange Straße 52) eine fiktive 14. Forderung nach Frauenrechten diskutiert wird. Auf dem Podium sprechen, moderiert von Ursula Nusser, Geschichtsprofessorin Sylvia Schraut, Sarah Pawlowski und Robert Franken: Auf Sylvia Schraut, langjähriges Mitglied im Salmen-Beirat, geht die Idee einer 14. Forderung zurück. Hatte sie doch zu den 13 Offenburger Grundrechteerklärungen den Aufsatz geschrieben: "Mann, bist du fähig, gerecht zu sein? – Haben Menschenrechte ein Geschlecht?" Sarah Pawlowski ist Abteilungsleiterin Gleichstellungspolitik des DGB Baden-Württemberg. Robert Franken war zuletzt Chef des Internetportals Chefkoch.de und ist Mitbegründer einer Internetplattform für männliche Feministen. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten (siehe unten).

Luftballons und Freiheitshock
Der Volksfestcharakter des Freiheitsfests, neben dem Narrentag der einzige kommunale Feiertag Offenburgs, wird schon am Samstagabend deutlich. Wenn die Festmeile rund um den Salmensaal für die große Sause am Sonntag schon dekoriert ist, bittet die Stadt zum Freiheitshock. Samstag, ab 17 Uhr findet diese Festvorschau in der urig dekorierten Kesselstraße statt. Bereits Samstagmittag veranstaltet das Beratungsnetzwerk "Gegen Rechtsextremismus" an diesem "Tag der Demokratie" einen Ballonwettbewerb. Um – Achtung Metapher – fünf vor 12 Uhr werden Ballons im Salmen-Innenhof gestartet, deren Kartenanhängsel zuvor mit einem möglichst originellen Slogan ergänzt wurden: "Demokratie ist super, weil..." Der weiteste Flieger und der beste Spruch werden prämiert.

Freiheitsfest mit Altenburgern
Das Freiheitsfest am Sonntag, 16. September, startet dann um 11 Uhr mit dem Querbeetsingen von Liedern für Freiheit und Demokratie für alle Sangesfreudigen im Salmen. Textblätter sind vorhanden.

Sollen die Ohren für die Botschaft des Fests auch den ganzen Tag offen sein, um 12 Uhr müssen Besucher und Anwohner sie schützen – auch die Ohren von Tieren. Denn dann feuert zum offiziellen Auftakt des Fests die Heckergruppe bei ihrer Barrikade die Kanone neben dem Salmen ab. Und das ist trommelfell-zerfetzend laut. Nach dem Fassanstich des Freiheitsbiers beginnt das bunte Treiben auf der Festmeile. Sie greift erstmals vom Straßencarree um den Salmen auf den Gerichtsparkplatz aus. Der ist an diesem Tag autofrei zu erleben. Denn dort lockt das Museumsfest mit zwei Karussells und zahlreichen museumspädagogischen Angeboten ums und ins Ritterhaus. Um 14 Uhr findet drüben auf der Salmen-Festmeile der große Festumzug statt. Biederfrauen und -männer mischen sich mit Revoluzzern unterm Hecker-Hut. Zum Umzugsauftakt begrüßt die Oberbürgermeisterin die Festgäste – vor allem aus der Partnerstadt Altenburg in Thüringen, die anlässlich des 30-jährigen Bestehens dieser Partnerschaft anreisen werden. Um 15.30 und 16.30 Uhr zeigt die Autorin und Regisseurin Sigi Schwarz mit ihrer Schauspieltruppe auf der Salmen-Freitreppe, wie sie die Forderung nach Frauenrechte deftig-humorig in Szene gesetzt hat. Das Festende ist gegen 18.30 Uhr geplant.

Anmeldung zum Salmengespräch: unter fb.kultur@offenburg.de oder Tel. 0781/822 298