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19. Januar 2011

Unvollständige Pläne und fehlerhafte Bewertungen

Auf 628 Seiten zerpflückt das Regierungspräsidium Freiburg die Bahn-Planung der A 3-Trasse mitten durch Offenburg.

  1. 628 Seiten geballte Argumente gegen die A3-Trasse durch Offenburg. Foto: Helmut Seller

OFFENBURG (hsl). 628 Seiten dick ist der Ordner, in dem Markus Lenz als Verfahrensführer die Argumente des Regierungspräsidiums (RP) gegen die Bahnplanung im Abschnitt 7.1 Offenburg-Hohberg zusammengetragen hat. Hier auszugsweise und zusammengefasst einige Punkte im Einzelnen:

Neubau der Unionbrücke: Ein Neubau der Unionbrücke ist für den Aus- und Neubau der Bahn erforderlich, weil mehr lichte Höhe über den Gleisen benötigt wird. Weil die Stadt Offenburg die Union brücke nun doch für 20 Jahre stabilisieren kann, ist die Erneuerung Sache der Bahn. Sie muss den Neubau aber erst noch ins Verfahren einbringen.

Unvollständige Unterlagen: Das Regierungspräsidium moniert unvollständige Unterlagen bei Umweltverträglichkeit und Artenschutz, bei Denkmalschutz, Naturschutz, Schallschutz und Erschütterungen. Eine Beurteilung des sekundären Luftschalls müsse ohne den Schienenbonus und unter Berücksichtigung der Zugzahlen-Prognose von 2025 erfolgen.Nicht enthalten sind in den Bahnplänen laut Regierungspräsidium die für den Brand- und Katastrophenschutz vorgeschriebenen Rettungswege und Standflächen für Einsätze entlang der Bahnstrecke. Am Bahngraben sei fraglich, ob sie dort überhaupt realisiert werden können.

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Bauablauf und Bauzeit: Es fehlt ein Baustellenkonzept, durch das die zu erwartenden gravierenden Belastungen und Auswirkungen während der Bauphase beurteilt werden können: "Derzeit kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Problematik angemessen gelöst werden kann", so das RP. Die mit sieben Jahren angegebene Bauzeit erscheine nicht realistisch. In der Stadt Offenburg seien 16 Straßen- und Eisenbahnüberführungen zu erneuern. Für die Überführungsbauwerke sei mit einer Bauzeit von je 1,5 Jahren zu rechnen. Bei der angegebenen Bauzeit von sieben Jahren müssten mindestens vier Bauwerke gleichzeitig hergestellt werden. Parallel dazu müssten die Stützwände und die Lärmschutzwände hergestellt werden.Der erforderlich Neubau der Unionbrücke sei noch gar nicht berücksichtigt.

Zugzahlen: Bei ihren Untersuchungen habe die Bahn nicht die Prognose 2025 zugrunde gelegt.

Falsche Gebietseinstufungen: Mitunter habe die Bahn reine Wohngebiete als Mischgebiete ausgewiesen, weshalb die Aussagen zum Lärm fehlerhaft seien. Eine Vielzahl von Detailplanungen sei zu überarbeiten.

Gesundheitsgefährdung: Die Gesamtlärmbelastung liegt in Offenburg teilweise im gesundheitsgefährdenden Bereich. Dies sei nicht in ausreichendem Maß berücksichtigt.

Stadtbild: "Die geplanten Lärmschutzwände der Antragstrasse führen zu einem schwerwiegenden Eingriff in das Stadtbild von Offenburg", so das RP.

Lärmbelastung: "Insbesondere die Lärmbelastung wird von der Bahn fehlerhaft bewertet", so das RP. Die gesetzlichen Grenzwerte könnten nicht durch aktive Schallschutzmaßnahmen eingehalten werden. Die Lärmkartierung zeige die äußerst starke Belastung der Stadt Offenburg durch das Vorhaben auf. Der Schienenverkehrslärm stelle insbesondere in der Nacht eine Belastung für eine große Zahl von Einwohnern der Stadt Offenburg dar. Welche Auswirkungen die Baumaßnahmen haben werden, könne derzeit noch nicht gesagt werden.

Die komplette Zusammenfassung steht auf der Homepage des Regierungspräsidiums Freiburg: http://www.rp.baden-wuerttemberg.de/servlet/PB/ menu/1322747/index.html

Autor: hsl