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14. Juli 2010

"Viele Schüler haben deutsche Wurzeln"

BZ-INTERVIEW mit Heike Schumacher, die derzeit für den Freiwilligendienst "Kulturweit" in Argentinien arbeitet.

  1. Heike Schumacher (Mitte) mit Schülerinnen der PASCH-Schule im argentinischen Puerto Rico. Foto: Privat

OFFENBURG. Seit März ist Heike Schumacher in einer so genannten PASCH-Schule im argentinischen Puerto Rico tätig. Die 20-Jährige, die 2009 am Schillergymnasium ihr Abitur abgelegt hatte, gehört zu rund 400 jungen Menschen, die der Freiwilligendienst "Kulturweit" des Auswärtigen Amtes jährlich entsendet. Gertrude Siefke hat die engagierte Offenburgerin interviewt.

BZ: Was genau ist unter einer PASCH-Schule zu verstehen?
Heike Schumacher: Die Abkürzung PASCH steht für "Schulen Partner der Zukunft". Frank Walter Steinmeier gab 2008 den Startschuss für die gleichnamige Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, bis Ende 2010 ein weltumspannendes Netz von etwa 1500 Schulen, die Deutsch als Unterrichtsfach anbieten, aufzubauen. Im Unterricht soll den Schülern ein Einblick in das moderne Deutschland gewährt und durch die erworbenen Sprachkenntnisse der Weg zu einem Studium oder der Ausübung eines Berufes in Deutschland geebnet werden.
BZ: Was hat Sie bewogen, sich für diese Organisation zu engagieren?

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Schumacher: Mich hat vor allem angesprochen, dass ich mit "Kulturweit" bereits vor dem Studium in einer Organisation der auswärtigen Kulturpolitik, wie zum Beispiel dem Goethe-Institut oder der Deutschen Welle, Erfahrungen sammeln kann. Normalerweise ist dies nur für Studenten höherer Semester möglich. Außerdem wird den Freiwilligen ein umfassendes Begleitprogramm geboten. So steht mir zum Beispiel ein Spanischkurs hier in Argentinien zu.
BZ: Wie sieht Ihr Alltag aus?
Schumacher: Wöchentlich assistiere ich etwa zehn Stunden im Deutschunterricht und bereite zusammen mit der Lehrerin die Stunden vor. Mehr Zeit nehmen allerdings die außerschulischen Projekte in Anspruch, die das Goethe-Institut koordiniert. Derzeit laufen die Vorbereitungen für ein internationales Jugendparlament in Montevideo und eine Ausstellung in Buenos Aires, in der Kunstwerke aller PASCH-Schulen mit Ideen der Schüler zu Deutschland ausgestellt werden. Um die Projekte an der Schule zu realisieren habe ich eine Kunst-AG gegründet und biete jede Woche eine Unterrichtsstunde zum Thema "Vereinte Nationen" an.
BZ: Was meinen Sie, motiviert die argentinischen Schülerinnen und Schüler, Deutsch zu lernen?
Schumacher: Da Argentinien ein Einwandererland ist, haben viele Schüler deutsche oder Schweizer Wurzeln. Dies stellt sicher einen ersten Bezug zu der Sprache dar. Darüber hinaus motiviert die jungen Argentinier sehr, dass jedes Jahr zwei von ihnen ein Stipendium für einen dreiwöchigen Sprachkurs in Deutschland erhalten und Plätze für ein Feriencamp in Argentinien vergeben werden. PASCH-Schulen werden mit Laptops, Fernsehern und neuen Schulbüchern ausgestattet. Ich denke, dass dies für die Schüler im Unterricht ein weiterer Anreiz ist.

Stippvisiten in Buenos Aires, Santiago de Chile und Rio de Janeiro

BZ: Bleibt für Sie denn auch Zeit, neben der Schule Land und Leute kennen zu lernen?
Schumacher: Durch meine Gastfamilie erhalte ich viele Eindrücke vom argentinischen Leben. Ansonsten ergibt sich der Kontakt zu Einheimischen durch die Schüler und im Alltag. Auch das Reisen kommt nicht zu kurz. So verbrachte ich zum Beispiel das Pfingstwochenende in Buenos Aires, und in den Winterferien im Juli werde ich nach Santiago de Chile und Rio de Janeiro fahren.
BZ: Und wie sehen Ihre Pläne nach dem Freiwilligendienst aus?
Schumacher: Nachdem ich die 10. Klasse in Singapur verbracht und viele andere Länder besucht habe, möchte ich auch beruflich meinem Interesse an anderen Kulturen und Sprachen nachgehen und international tätig sein. Dafür möchte ich mich durch ein Studium der Politischen Wissenschaften qualifizieren.

Autor: ges